zur Navigation springen

Schenefeld : Lösung für den Schandfleck Kiebitzweg

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Ein Investor will am Standort ein autofreies Wohnquartier erschaffen und ist bereit dafür tief in die Tasche zu greifen.

shz.de von
erstellt am 16.Jan.2016 | 10:00 Uhr

Schenefeld | Gegenwart und Zukunft – größer könnte der Unterschied wohl nicht sein. An der Ex-Altmann-Immobilie am Kiebitzweg blättert seit Jahren der Putz ab. Dächer sind behelfsmäßig geflickt. Mit dem klinischen Forschungsinstitut „Pro Derm“ ist ein letzter Mieter verblieben. Tristesse pur – mitten im Zentrum der Stadt.

Das soll sich ändern. Die Zukunft warf der Hamburger Architekt Martin Murphy am Donnerstagabend im Stadtentwicklungsausschuss an die Wand des Ratssaals. Schicke, mächtige Gebäude. Wohnen und Gewerbe. Pulsierendes Leben. „Es kommt zu einer Belebung des Bereichs und zu einer Verbesserung für das Einkaufszentrum und ganz Schenefeld. Wir setzen auf Qualität“, warb Murphy für seinen schon sehr detaillierten Entwurf. 40 Millionen Euro will die Lukas Bauprojekt GmbH in das Quartier investieren. Sie hatte das zirka 10.000 Quadratmeter große Grundstück Ende 2015 erworben.

Im vorderen Bereich – zum Kiebitzweg hin – ist ein Büro- und Dienstleistungsgebäude geplant. Vier Stockwerke plus Staffelgeschoss, höher als das Harry-Brot-Gebäude auf der anderen Straßenseite. Mit Pro Derm steht ein Mieter in den Startlöchern. „Verhandlungen laufen bereits“, erklärte Investor Wolfram Lukas.

Im hinteren Bereich schließe sich Wohnbebauung an. Das Quartier werde autofrei. Fußgänger und Radfahrer sollen das Geschehen bestimmen. Drei Solitärgebäude und ein L-förmiger Gebäudekomplex erstrecken sich fast bis zur Düpenau hin. „Wir bringen die Natur in das Wohngebiet hinein“, betonte Murphy. Alle Balkone sind nach hinten in Richtung Wanderweg ausgerichtet. Bäume, Sträucher, Rasen: Grün soll das Bild im gesamten Quartier bestimmen. In Abgrenzung zum benachbarten „Stadtzentrum“ ist eine Baumallee vorgesehen. Murphy verspricht eine hohe Wohnqualität.

Hoch werden auch die Gebäude. Vier Geschosse plus Staffelgeschoss beziehungsweise drei Geschosse plus Staffelgeschoss. Teilweise werden die Gebäude das Parkdeck des Einkaufszentrums überragen. Das ist zirka 14 Meter hoch.

Fast dreißig geförderte Sozialwohnungen

Insgesamt seien 100 Wohnungen geplant, davon 27 als geförderte Sozialwohnungen. Damit kommt der Investor den Wünschen der Politik nach. Bis zu 30 Prozent der Wohnungen sollen in Schenefeld zukünftig bei größeren Bauvorhaben als Sozialwohnungen ausgewiesen werden. Das hat der Rat 2014 beschlossen. Im Kiebitzweg-Quartier sollen die geförderten Mietswohnungen 8,70 Euro pro Quadratmeter kosten. Die Einheiten werden eine Größe zwischen 50 und 75 Quadratmeter haben. Ob die übrigen Wohneinheiten als Miet- oder Eigentumswohnungen auf dem Markt angeboten werden, stehe laut Projektleiter Alexander Lukas noch nicht fest. Auch keine Quadratmeterpreise.

Der Investor hat seine Pläne vorgestellt, jetzt hat Schenefelds Politik das Sagen. Die SPD zeigte sich angetan von dem Entwurf. Ursula Kriete sprach sich sogar dafür aus, für den Sozialwohnungsbau eine zusätzliche Etage vorzusehen. Diesem Vorstoß folgte Grünen-Fraktionschef Mathias Schmitz zwar nicht, den Planungen stehe er aber grundsätzlich positiv gegenüber: „Dieses Projekt wertet die Stadt auf.“ Er empfinde es dem ersten Eindruck nach auch nicht als überdimensioniert. „Ein autofreies Quartier ist zudem der richtige Weg.“

Das Hamburger Unternehmen ist seit 1978 in der Hansestadt tätig. Geschäftsführer ist der Diplomingenieur Wolfram Lukas. Das Unternehmen hat vielfältige Erfahrungen mit Großprojekten im Bereich Wohnungs- und Bürobau. In Hamburg hat es die Bebauung des 35.000 Quadratmeter großen Kampnagelgeländes realisiert. Ein 90-Millionen-Euro-Projekt. Insgesamt schuf das Unternehmen mehr als 1000 Wohneinheiten und 300.000 Quadratmeter Gewerbefläche. Mit dem Hamburger Architekturbüro Störmer Murphy and Partners wurden bereits in der Vergangenheit mehrere Vorhaben umgesetzt.  

Skeptischer ist CDU-Fraktionschef Hans-Jürgen Rüpcke. „Die geplante Geschossflächenzahl ist grenzwertig. Das ist schon eine Hausmarke für Schenefeld.“ Konkret kritisiert Rüpcke die für ihn zu geringe Anzahl der Tiefgaragenplätze für das Wohnquartier.

Die Planungen sehen in der Tiefgarage 72 Stellplätze vor, weitere 44 für den Gewerbekomplex. Dazu kommen 20 Parkplätze oberirdisch zwischen Gewerbe- und Wohngebiet. „Hier ist ab 18 Uhr auch eine Doppelnutzung denkbar“, betonte Wolfram Lukas. Der Investor drückt aufs Tempo. Er möchte eine schnelle politische Entscheidung. Fakt ist: Zu einschneidenden Veränderungen an den Planungen sei er nicht bereit. Wenn sein Konzept politisch nicht gewollt sei, ist der Kaufvertrag für das aus seiner Sicht „schwierige Grundstück“ hinfällig. Dann bleibe Schenefeld der ungeliebte Schandfleck noch länger erhalten.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen