„Liebe, die um ihre Existenz bangt“

Jamie Bernstein hat für ihren Auftritt in Schenefeld gelernt, Deutsch vorzulesen.
Jamie Bernstein hat für ihren Auftritt in Schenefeld gelernt, Deutsch vorzulesen.

Musik war allgegenwärtig: Jamie Bernstein, Tochter des weltbekannten Musikers, im Interview mit unserer Zeitung

shz.de von
11. August 2018, 16:45 Uhr

Die „Westside Story“ gehört zu den bekanntesten Musicals überhaupt. Komponist Leonard Bernstein wurde mit gerade einmal 27 Jahren Chefdirigent des New York City Symphony Orchestra – das sollte erst der Anfang einer großen Karriere sein. Dieses Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden. Seine Tochter hat ein Buch mit dem Titel „Famous Father Girl“ über die Beziehung zu ihrem Vater geschrieben und schildert im Zuge des Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) am Donnerstag, 16.  August, ihre nächtlichen Gesprächen mit ihrem genialen Vater. Im Interview mit unserer Zeitung gibt sie einen Vorgeschmack.

Finden Sie Charakterzüge Ihres Vaters in sich selbst wieder?

Jamie Bernstein: Die Liebe zu Worten und zur Musik. Wortspiele, Schwimmen, Tennis – und ich liebe Maiskolben.

Was bedeutet Musik für Sie persönlich?

Als ich aufgewachsen bin, gehörte Musik zur Grundlage meines Seins: wie Luft zu einem Vogel gehört oder Wasser zu einem Fisch. Ich kenne es nicht anders. Sie ist einfach ein Teil von mir.

Warum haben Sie beruflich viele unterschiedliche Ausdrucksformen gewählt – als Filmemacherin, Autorin und als Erzählerin?

Ich habe diese Ausdrucksformen nicht gewählt. Sie wählten irgendwie mich aus.

An welche besonderen Kindheitserinnerung zusammen mit Ihrem Vater Leonard Bernstein können Sie sich heute noch besonders gut erinnern?

Vielleicht war das der Tag, als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, und mein Vater mir sagte, dass ich die Fähigkeit habe, meine Erfahrungen festzuhalten. Ich war mir nicht sicher, was er meinte. Aber vielleicht ist mein Buch die Erklärung.

War es für Sie persönlich Segen oder Fluch so einen bekannten Vater gehabt zu haben?

Natürlich war es beides. Darum geht es in meinem Buch.

Freuen Sie sich darauf, in Schenefeld über Ihren Vater zu sprechen? Warum?

Ich freue mich immer darauf, meine Erfahrungen mit meinem Vater mit neuen Zuschauern zu teilen. Besonders mit denen, die ihn als Komponisten und Dirigent en noch selbst erlebt haben.

Sie haben Deutsch gelernt für Ihren Auftritt. War das sehr schwer für Sie als Amerikanerin?

Es war sehr schwer. Aber ich hatte Deutsch ein Jahr lang, als ich auf dem College war. Das macht es mir erst möglich, meine Übersetzungen vorlesen zu können – mit großer Hilfe durch meine bilinguale Freundin Irene Dische.

Welche Rolle haben Musik, Theater und Literatur in Ihrer Kindheit gespielt?

Das war allgegenwärtig in unserer Familie. Unsere Freunde, unsere Sommer-Aktivitäten, unsere Wortspiele – all das hatte stets einen Bezug zu Musik, Theater und Literatur.

Was lieben Sie am meisten an der „Westside Story“?

Ich kriege nie genug von dieser Musik. Auch nicht nachdem ich es 500-mal gehört habe.

Warum ist das Musical bis heute so populär?

Bereits Shakespeares Thematik im Original („Romeo und Julia“, Anmerkung der Redaktion) handelt von der Liebe, die um ihre Existenz in einer von Hass erfüllten Welt kämpft. Das bleibt leider immer aktuell.

Würden Sie die Jets oder die Sharks unterstützen?

Das ist eine dumme Frage.

Was ist Ihre größte Stärke und worin liegt Ihre größte Schwäche?

Meine Stärke liegt darin, dass ich gut mit Menschen zurechtkomme. Meine Schwäche ist, dass ich mir nicht genug Zeit für mich selbst nehme.

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