„Meine Bilder zeigen, wie ich bin“ : Lebenshilfe Schenefeld: Mit Kunst gegen Ausgrenzung wirken

Die Kunstschaffenden der Lebenshilfe Schenefeld treffen sich einmal im Mona. Kerstin Gabriel (von links), Anne Woest, Alexander Hasenclever, Jutta Redmann und Birgit Duske schätzen die spannende Tätigkeit im Kunsthaus.
Die Kunstschaffenden der Lebenshilfe Schenefeld treffen sich einmal im Mona. Kerstin Gabriel (von links), Anne Woest, Alexander Hasenclever, Jutta Redmann und Birgit Duske schätzen die spannende Tätigkeit im Kunsthaus.

Die Künstlergruppe besteht seit acht Jahren. Wettbewerb-Projekt und Ausstellungen.

shz.de von
21. August 2018, 13:00 Uhr

Schenefeld | Mit dem Pinsel kleckst Jutta Redmann rote Tupfer aufs Papier. Die Stimmung ist fröhlich, gelassen. Redmann gehört zu einer dynamischen Künstler-Formierung der Lebenshilfe Schenefeld. Sie malt in der seit acht Jahren bestehenden Gruppe einmal monatlich im Kunsthaus. Dozentin Kerstin Gabriel leitet den Kursus. „Jeder der Teilnehmer hat seinen eigenen Stil und engagiert sich stark“, lobt Dozentin Gabriel.

Die Kunstschaffenden sind aus unterschiedlichen Gründen kreativ. „Meine Bilder können lachen oder traurig sein. Meine Bilder zeigen, wie ich bin“, sagt Birgit Duske. Alexander Hasenclever berichtet, dass das Malen sein Leben bunter gestalte. „Malen ist für mich fast wie Musik, mal laut, mal leise“, erläutert Alexander Rott. Weitere Mitglieder der Gruppe sind Antje Röper, Jutta Redmann, Joachim Nagel und Thomas Lehmitz. Alle Mitwirkenden leben in Wohngruppen und bewerkstelligen ihren Alltag mit ambulanter Hilfe.

Farbenprächtige Blumen, Urlaubsstrände, aber auch Tiere sind beliebte Motive.  
Frauke Heiderhoff
Farbenprächtige Blumen, Urlaubsstrände, aber auch Tiere sind beliebte Motive.  
 

Kerstin Gabriel gibt den im Alter von 42 bis 84 befindlichen Kunstschaffenden zumeist ein Thema vor. Diese setzen das Sujet dann nach ihren Vorstellungen um.

Mit ihren Querkopf-Skulpturen haben sich die Schenefelder im Juli erstmals am Wettbewerb des Bundesverbands der Lebenshilfe beteiligt. Die Skulpturen versahen sie nicht nur mit Gesichtszügen, sondern formten sie mit Materialien wie Federn und Knöpfen zum individuellen Objekt. „Die plastische Gestaltung war eine Herausforderung. Der Querkopf symbolisiert die Teilhabe der Menschen untereinander, miteinander und durcheinander. Das Werk ist nicht statisch, sondern lebt von Positionen, die gewechselt werden können. „Es geht um Momentaufnahmen, das Miteinander, aber auch um die Darstellung der Ausgrenzung“, erläutert Gabriel. Jeder könne jeden sehen, annehmen, wie er ist, oder sich eben auch abwenden und ein ganz anderes Gesicht zeigen.

„Die Objekte haben bewusst keinen Körper, weil einzig über den Kopf geschieht, wie Menschen einander sehen und empfinden können“, erklärt die für die Künstlergruppe zuständige Anne Woest von der Lebenshilfe. Es gehe ebenfalls darum, als Teil einer Gruppe gesehen zu werden, in der alle auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Die Querköpfe würden einander erkennen und seien gemeinsam stark gegen Ausgrenzung und träten für Teilhabe ein.

Die Schenefelder kamen beim Wettbewerb für Menschen mit und ohne Handicap zwar nicht unter die ersten fünf Plätze. Die Teilnahme hat ihnen aber viel Freude bereitet. „Sie genossen es, Teil eines Gesamtkunstwerks zu sein“, sagt Woest. Mit ihren Werken werden alle Schenefelder in einem Online-Katalog abgebildet.

Die Kreativen haben schon diverse Ausstellungen in den Räumen der Lebenshilfe veranstaltet. Bilder der Kunstgruppe sind in den Fluren der Verwaltung im Osterbrooksweg 57 von 9 bis 15 Uhr zu besichtigen.

Eine besondere Ausstellung gibt es im Zuge des 40.  Geburtstags der Lebenshilfe 2019. Veranstaltungsort wird dann die Räume des Kunstkreises im „Stadtzentrum“ sein.

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