Westumgehung Pinneberg : Kritik und Befürchtungen aus Schenefeld

Pinnebergs Entlastungsstraße wird zur Belastungsstraße für Schenefeld.
Pinnebergs Entlastungsstraße wird zur Belastungsstraße für Schenefeld.

Die Grünen schlagen Alarm. Bis zu 20 Prozent mehr Fahrzeuge werden auf der LSE durch Schenefeld rollen.

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04. Juli 2014, 10:00 Uhr

Schenefeld | Die Westumgehung: Pinnebergs Entlastungsstraße wird zur Belastungsstraße für Schenefeld. Das sagt Grünen-Ratsherr Herbert van Gerpen. „Wir hoffen, dass diese Straße nie gebaut wird.“ Die Landstraße Schenefeld-Elmshorn (LSE), die von Pinneberg durch Schenefeld nach Hamburg führt, müsste noch mehr Verkehr verkraften. Denn sie wird durch die Westumgehung mit der Autobahn23 in Pinnebergs Norden verbunden.

Der Verkehrs-Gau: Van Gerpen verweist auf den Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Pinneberg. Es wurde prognostiziert, dass nach dem Bau der Westumgehung eine „Zunahme des motorisierten Individualverkehrs um knapp 20 Prozent an der Stadtgrenze zu Schenefeld“ zu erwarten ist. Diese Zahlen stammen zwar aus den 1990er Jahren. An ihrer Brisanz haben sie für van Gerpen nichts verloren – im Gegenteil. „Das Verkehrsaufkommen ist in den vergangenen Jahren eher gestiegen.“

Die LSE in Schenefeld: Vierspurig ausgebaut. Schon heute mit bis zu 27.000 Fahrzeugen am Tag die meistbefahrene Straße. Schon heute nutzen viele Autofahrer den Weg über Schenefeld als Ausweichstrecke in Richtung Hamburg, wenn sich Fahrzeuge auf den Autobahnen23 und 7 stauen. „Wenn die Westumgehung fertig ist, ist diese Ausweichstrecke durch Schenefeld auch noch perfekt ausgebaut“, sagt van Gerpen. Mit Grausen denkt er an den Ausbau der A7, der gerade begonnen hat. „Das wird jahrelang zu riesen Staus führen.“ Und zu einer erheblichen Zunahme des Verkehrs in Schenefeld. Darauf hatte auch die Schenefelder CDU zuletzt mehrfach hingewiesen.

Van Gerpen, der sich als Mitglied des Arbeitskreises Verkehrsplanung seit 14 Jahren mit der Pinneberger Westumgehung befasst, bezeichnet die Straße, die Pinnebergs Innenstadt entlasten soll, als gigantische Fehlplanung. „Das ist eine Verschwendung von Steuergeldern, die im Sand verbuddelt werden.“ Die Baukosten werden auf 22,9 Millionen Euro geschätzt. Laut van Gerpen sind die Entlastungseffekte der Umgehungsstraße nur als minimal zu bezeichnen. Die Belastung für Schenefeld sei enorm. „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“, sagt der Grünen-Politiker.

Auch eines der großen Zukunftsprojekte in Schenefeld droht die Westumgehung zu torpedieren. Die Stadt möchte die LSE, die Schenefeld in zwei Teile zerschneidet, zurückbauen, ihr den „Autobahn-Charakter“ nehmen. Ohne die Zustimmung des Landes geht da nichts. Die ist bei noch mehr Verkehr, der über diese Straße abgewickelt werden muss, eher utopisch.

In Pinneberg hatte sich im Jahr 2010 die Bürgerinitiative „Westumgehung – jetzt“ für den Bau der seit 25 Jahren geplanten Straße stark gemacht. „Die kippen uns ihren Verkehr vor die Füße“, wettert van Gerpen.

Die Westumgehung: 2015 soll endlich der Ausbau beginnen, 2018 soll die Straße fertig sein. Van Gerpen: „Wir sind die Leidtragenden und sind dem Ganzen hilflos ausgeliefert.“

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