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Lesung in Schenefeld : Koksberge und leichte Mädchen

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Der Nachkriegsautor Fritz Graßhoff wuchs laut eigener Aussage „zwischen Koksbergen, Bumskneipen, Schlägern und entsprechendem Damenflor“ auf. Vorleser Frank Grünberg widmet dem Lyriker einen literarischen Abend.

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erstellt am 28.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Schenefeld | „Nimm mich mit Kapitän auf die Reise“ – das Lied von Hans Albers  kennt fast jeder. Getextet hat es Fritz Graßhoff, Songtexter, Dichter und Zeichner im Nachkriegsdeutschland. Der Vorleser Frank Grünberg (70) widmet dem Lyriker einen literarischen Abend in Schenefeld. Am Montag, 27.März, geht es um 19 Uhr los in der Sport-Welt, Holzkoppel 2. Begleitet wird Grünberg von Karl-Heinz Schoop (Gitarre und Gesang) und Michael Müller (Gitarrenbegleitung).

Grünberg ist fasziniert von dem unangepassten Graßhoff, der die Doppelmoral aufspießte, wo immer sich Gelegenheit bot. Wie kaum ein anderer hat er das Schweigen und den Muff der Nachkriegszeit  mit seinen Versen aufs Korn genommen.

1913 in Quedlinburg im Harz geboren, wuchs Graßhoff  laut eigener Aussage  „zwischen Koksbergen, Bumskneipen, Schlägern und entsprechendem Damenflor“ auf. Er machte Bekanntschaft mit Hausierern und Halunken. Auch leichte Mädchen gab es  in seinem Umfeld.  Begegnungen, die er später in seinen Gedichten literarisch  verarbeitete. Die „Halunkenpostille“ machte ihn berühmt. Seine originelle Sprache vermag auch heute noch zu unterhalten.

Grünberg erfuhr von dem Autor über seinen Freund Jan Timmermann (83) aus Schenefeld. Dieser kennt die zotigen Gedichte  bereits seit den 1960er Jahren. Damals liefen sie im Radio, erinnert er sich. Als Timmermann in den 1980er Jahren in Kanada Pferde züchtete, und erfuhr, dass Graßhoff dorthin ausgewandert war, nahm er Kontakt auf. Dreimal traf Timmermann den Autor Anfang der 1990er Jahre. Eine Brieffreundschaft ermöglichte den regelmäßigen Kontakt und Austausch der beiden Männer. 1997 starb Graßhoff, seine Literatur bleibt.

„Er schreibt sehr deftig“, schildert Timmermann. Zudem sei er ein „Maler vor dem Herrn“, zu sehen an den Illustrationen seiner Bücher. Die flapsige Art zu schreiben, habe Timmermann gefallen. „Er hat einen sehr eigenartigen Witz. Das ist das Schöne“, ergänzt Grünberg. „Er kann unwahrscheinlich gut reimen und hat gute Ideen“, lobt er. Zweimal hat der Vorleser bereits Abende in Schenefeld gestaltet.  Die bekannte „Halunkenpostille“ hatte sich Timmermann einst bei einem Buchhändler in Halstenbek kopiert. Erhältlich im Handel ist sie nicht mehr.

Bei der Lesung in der Sport-Welt widmet sich Grünberg dem Band „Flaschenpost mit Weltgeist: Gedichte in 13 Kapiteln“, das 2013 veröffentlicht wurde. 60 Karten sind zu vergeben. Der Eintritt ist kostenlos. Anmeldungen sind aber notwendig. Grünberg ist erreichbar unter Telefon  0171-5291588. Da die Lesungen in der Vergangenheit schnell ausgebucht waren, rät er zu einer schnellen Anmeldung.

Fritz Graßhoff wurde am 9. Dezember 1913 in Quedlinburg geboren. Der Sohn eines Seemanns und späteren Kohlenhändlers hatte das Gymnasium besucht und eine Lehre als Kirchenmaler gemacht. Das derbe Millieu seiner Kindheit und Jugendlichen verarbeitete er später in seinen Gedichten. Mit Liedtexten zum Beispiel für Lale Andersen, Hans Albers und Freddy Quinn verdiente er zwar hauptsächlich sein Geld, seine Liebe galt aber den sarkastischen Versen. Er dichtete Seemannsballaden und Bänkelgesänge. Von seiner 1947 erstmals erschienenen „Halunkenpostille" verkauften sich 200 000 Exemplare. Als sein biographischer Roman „Der blaue Heinrich“ 1980 kaum Beachtung fand, wanderte er, enttäuscht von den deutschen Verhältnissen nach Kanada aus, wo er die letzten 14 Jahre seines Lebens in seinem Haus am Ottawa-River verbrachte. Am 9. Februar 1997 starb er.
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