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Schenefeld : "Können nachts nicht mehr schlafen"

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Lärmbelästigung: Auf ehemaligem Spar-Gelände werden auch nachts Lkws be- und entladen - zum Leidwesen der Anwohner.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Klaus Leven ist lärmgeprüft. Seit 1997 lebt der Schenefelder im Lerchenweg. Vor seiner Haustür verläuft der Osterbrooksweg, eine der Hauptverkehrsstraßen mit hohen Lärmwerten. Der XFEL-Verkehr rollte hier entlang. Direkt gegenüber auf der anderen Seite liegt die ehemalige Sparzentrale. Jahrelang wurden hier die Lastwagen be- und entladen. "Wir leben in einem Gewerbegebiet. Lärm war immer ein Problem. Aber er war erträglich", betont der 73-Jährige.

Damit ist es vorbei. Leven fühlt sich um den Schlaf gebracht. "Die Lage ist dramatisch. Für mich und meine Frau, aber auch für alle Nachbarn. Wir können nachts nicht mehr schlafen."

Das Problem: Die Spar- und später die Edeka-Lastwagen wurden laut Leven nachts auf der Rückseite des riesigen Gewerbekomplexes beladen. Edeka ist am Osterbrooksweg längst Geschichte, doch zahlreiche andere Unternehmen haben sich dort inzwischen angesiedelt, nutzen die Lagerflächen - auch die Ladeluken zum Osterbrooksweg hin. Laut Leven Tag und Nacht.

Den nächtlichen Lärm will Leven nicht weiter ertragen müssen. "Lärm macht krank, das steht doch fest", betont der ehemalige Schiedsmannn der Stadt Schenefeld. Er sucht Hilfe. Leven wandte sich an Bürgermeisterin Christiane Küchenhof. Er schaltete schon im Oktober 2013 das zuständige Umweltamt in Itzehoe ein. Er schrieb an die Fraktionschef. Er eilte zur Sitzung des Umweltausschusses, als das Thema im Dezember behandelt wurde - und fühlte sich am Ende doch ziemlich alleingelassen. "Ich erwarte keine Wunder, nur dass man sich des Problems ernsthaft annimmt. Diesen Eindruck hatte ich bisher nicht", kritisiert Leven Politik und Behörden gleichermaßen.

Doch hinter den Kulissen hat sich etwas getan. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume hat nach Aussage von Pressesprecher Martin Schmidt im Oktober vergangenen Jahres reagiert, eine nächtliche Lärmmessung durchgeführt. Ergebnis: "Der gemessene Wert war nicht so auffällig, dass man sofort einschreiten muss", betont Schmidt. Allerdings sei noch unklar, ob die einmalige Messung repräsentativ sei. Schmidt: "Wir wissen nicht, ob in dieser Nacht zu viel oder zu wenig Verkehr den Gewerbekomplex angesteuert hat." Eine diesbezügliche Anfrage beim Betreiber, der IVG Immobilien AG, sei noch nicht beantwortet worden. Sei die Messung nicht als repräsentativ einzustufen, werde es laut Schmidt eine neue geben.

Das Problem in dem Bereich: Als das Gewerbegebiet 1964 genehmigt worden war, wurde ein nächtliches Be- und Entladeverbot nicht festgesetzt. Anfang der 60er Jahre entstanden auch die ersten Wohnhäuser auf der anderen Straßenseite.

Das Landesamt hat dem Betreiber vorgeschlagen, ein Lärmgutachten in Auftrag zu geben. "Darin könnten dann auch Lösungswege aufgezeigt werden", sagt Schmidt. Auch die Stadt Schenefeld hat jetzt noch einmal beim Landesamt nachgehakt. Der Umweltausschuss hatte beschlossen, zunächst die Prüfung des Landesamtes abzuwarten.

Und Leven? Er hofft, dass zumindest die Beladung in den Nachtstunden unterbunden werden kann. "Es müssen rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den heutigen Anforderungen an den Schutz von Menschen vor Lärmbeeinträchtigungen gerecht werden."

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