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Knapper Wohnraum in Schenefeld : Kocht der Mega-Streit wieder hoch?

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Landschaftsschutzgebiete geraten wieder in den Fokus. Auch Flüchtlingsunterkünfte dürfen errichtet werden.

Schenefeld | Wohnraum für Flüchtlinge finden: In Schenefeld eine schwierige Aufgabe, denn Wohnraum – besonders bezahlbarer – ist knapp in der Stadt. Jetzt geraten die Landschaftsschutzgebiete wieder in den Fokus. „Wir müssen handlungsfähig sein, alles auf den Prüfstand stellen und auch über eine Änderung des Flächennutzungsplans nachdenken“, betont Andreas Wilken (OfS). Grünen-Ratsherr Michael Behrens hält dagegen: „Wir wollen kein Klein-Osdorfer-Born ins Landschaftsschutzgebiet stellen.“ Wohnbebauung solle nicht in den Außenbereichen, sondern im Stadtkern realisiert werden.

Kocht der Mega-Streit langsam wieder hoch? Zwischen 2012 und 2014 hielt er die Stadt in Atem, sorgte für heftige Kontroversen und unschöne Szenen. Um eine mögliche Bebauung im Landschaftsschutzgebiet zu verhindern, hatte die Bürgerinitiative „Wohnqualität im Grünen“ sogar ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht. Schließlich lenkte die Politik ein und entschied im Februar 2014 im Sinne des Bürgerbegehrens. Die Entscheidung des Rates war rechtlich für zwei Jahre gültig. Die Zeit ist fast abgelaufen.

Fakt ist: Die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften zur „vorübergehenden Unterbringung von Asylsuchenden“ ist im Landschaftsschutzgebiet schon jetzt möglich. Laut Schenefelds Bürochef Melf Kayser gab es eine Gesetzesänderung. Bis auf den Brandschutz wurden dabei viele Vorgaben des Baugesetzbuches außer Kraft gesetzt. Und die Stadt erhält auch ständig Angebote von privater Seite, Areale im Landschaftsschutzgebiet zu nutzen. Sie hat es bisher nicht getan. Auch die große Sammelunterkunft im Gewerbegebiet am Osterbrooksweg darf laut Kayser nur aufgrund der Sonderregelung errichtet werden.

Es geht aber nicht nur um die Flüchtlinge, es geht erneut auch um die Grundsatzentscheidung, wo Schenefeld hin will, wie die Entwicklung in der Stadt gestaltet werden soll – und welche Rolle dabei die Landschaftsschutzgebiete spielen. CDU-Fraktionschef Hans-Jürgen Rüpcke fordert ein schlüssiges Konzept, das jetzt erarbeitet werden muss. Er kritisiert die zu hohe „Verdichtung“ in einigen Bereichen der Stadt. „Da gibt es dann keine Wohnqualität mehr“, sagt Rüpcke. Er spielt damit auch auf das ehemalige Altmann-Grundstück am Kiebitzweg an. Dort plant ein Hamburger Investor auf 10.000 Quadratmetern unter anderem 100 Wohnungen mit bis zu vierstöckigen Gebäuden plus Staffelgeschoss.

Auch Wilken ist die Verdichtung durch Hinterlandbebauung – besonders im Bereich der Siedlung – inzwischen ein Dorn im Auge. „Was ist mit den Schenefeldern, die hier leben und ihrem Wunsch nach Grün?“, fragt der OfS-Abgeordnete.

Wohnraum in Schenefeld: Am Flaßbarg steht der letzte Bauabschnitt kurz vor der Vollendung. An der Timm-Kröger-Straße ist das erste Gebäude im Entstehen. Größere Baugebiete gibt es im Siedlungsgebiet nicht mehr. Zusätzlicher Wohnraum kann noch bei der Schaffung eines echten Stadtkerns realisiert werden. Die SPD fordert 300 neue Wohnungen für Schenefeld. Die Sozialdemokraten setzen auf Geschossbau, wollen hoch hinaus, um dem „akuten Wohnungsmangel“ entgegenzuwirken. Die SPD setzt dabei auf Verdichtung, geht bisher nicht an die Landschaftsschutzgebiete ran.

Die werden von den Grünen mit Händen und Füßen verteidigt. „Wir müssen Freiräume und Luftschneisen bewahren“, betont Ratsherr Herbert van Gerpen. Die Probleme des Hamburger Wohnungsmarktes ließen sich nicht in Schenefeld lösen. Mehr bezahlbarer Wohnraum: „Wir brauchen Flächen. Wir brauchen eine Wohnungsbaugesellschaft und wir brauchen ein Belegungsrecht“, sagt Rüpcke. Alles Dinge, die Schenefeld zurzeit nicht hat.

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erstellt am 11.Feb.2016 | 13:00 Uhr

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