Fachkräftemangel : Kita-Verlässlichkeit in Uetersen ist in Gefahr

Die Elternvertreter Nadine Peters (von links), Mareike Wiek, Michaela Schütt und Nathalie Klebig beschwerten sich über Betreuungsausfälle am Städtischen Kindergarten.

Die Elternvertreter Nadine Peters (von links), Mareike Wiek, Michaela Schütt und Nathalie Klebig beschwerten sich über Betreuungsausfälle am Städtischen Kindergarten.

Eltern kritisieren Betreuungssituation. Einige Stellen können nicht besetzt werden.

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13. Februar 2018, 12:00 Uhr

Uetersen | Im Oktober 2017 hat sich die Leitung der Awo-Kita Hus Sünnschien an die Stadtverwaltung gewandt und ein gravierendes Problem geschildert, das für Uetersen teuer werden könnte. Es wurde gefragt, ob die Awo-Kita eine freie SPA-Stelle (Sozialpädagogische Assistenz) mit einer (teureren) Erzieherin besetzen könnte. Die Begründung der Kita: Aufgrund des Fachkräftemangels sei es ein Problem, die freie Stelle wieder mit einer SPA zu besetzen. Die Kita-Leitung informierte die Verwaltung darüber, dass der Beruf oft als „Durchgang“ genutzt werde, um sich zur Erzieherin weiterzuqualifizieren. Aus diesem Grund würden SPAs kaum zur Verfügung stehen.

An der Situation hat sich seit Oktober nichts geändert. Um die von der Fachaufsicht in Pinneberg geforderte Mindeststärke an Fachpersonal in der betreffenden Krippengruppe zu gewährleisten, möchte die Awo-Kita die Ausschreibung der Stelle nach wie vor ausweiten und auch eine Erzieherin suchen.

Das Problem dabei: Die Kitas der freien Träger legen der Stadt jährlich ihre Haushaltsplanung vor. „Versteckt“ sich in diesem Haushaltsansatz eine zusätzliche Erzieherstelle, würde Uetersen die Kostenübernahme für diesen Bereich ablehnen. Die zusätzliche − von der Aufsicht des Kreises nicht verlangte − Erzieherstelle müsste somit derzeit der Kita-Träger bezahlen. Das wurde der Awo auch signalisiert. Dabei wurde auf den Konsolidierungsvertrag mit dem Land verwiesen.

Drei Mal erfolglos? Dann soll gehandelt werden

Doch auch bei der Stadt kennt man das Problem des leergefegten SPA-Markts. Auch im städtischen Kindergarten ist derzeit eine SPA-Stelle unbesetzt. Daher schlägt die Verwaltung dem Bildungsausschuss, der am Donnerstag, 15. Februar, um 19 Uhr, im Rathaus zusammentritt, vor, allen Uetersener Kindertagesstätten nach dreimaliger, erfolgloser Ausschreibung einer SPA-Stelle die Möglichkeit zu eröffnen, eine Erzieherin einzustellen. Die Mehrkosten sollen von der Stadt getragen werden. Die Kosten müssten allerdings aufgrund des Konsolidierungsvertrags mit dem Land, weiterhin an anderer Stelle eingespart werden.

Derweil haben Eltern während der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses Kritik an der ihrer Meinung nach unzuverlässigen Betreuung im Städtischen Kindergarten geübt. Dort wurden die Eltern aufgrund des Personalmangels schon einmal gebeten, ihre Kinder zu Hause zu lassen.

Vier Elternvertreterinnen des Städtischen Kindergartens nutzten die Einwohnerfragestunde im von  Andreas Stief (CDU, Foto) geleiteten Hauptausschuss, um sich über aktuelle Gruppenschließungen zu beklagen. Vakante Erzieherstellen (Sozialpädagogische Assistenzen) können mangels Bewerbern nicht besetzt werden. Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD) antwortete, das Problem bestehe nicht nur in Uetersen und eine Lösung sei nicht in Sicht.

Offener Brief an die Bürgermeisterin

In einem offenen Brief an die Bürgermeisterin beklagen Eltern, deren Kinder die „gelbe Gruppe“ des Städtischen Kindergartens am Esinger Steinweg besuchen, seit Dezember 2017 sei die Betreuung ihrer Kinder nicht mehr verlässlich. Aufgrund des Personalmangels wurden Familien an einigen Tagen gebeten, die Kinder soweit möglich zu Hause zu belassen. In weiteren Fällen mussten die Kindergartenkinder aushilfsweise in die Betriebsstätte Herderstraße umsiedeln, und an mehreren Tagen kam es zu verkürzten Gruppenöffnungszeiten.

„Viele Eltern sind berufstätig und haben mittlerweile Bedenken, ob ihr jeweiliger Arbeitgeber diesen Zustand noch akzeptiert“, heißt es in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. „Einige fürchten um ihren Arbeitsplatz, wenn sich die Situation nicht in naher Zukunft ändert.“ Dabei betonen die Verfasser, dass sie weder die Entscheidungen der Erzieher noch der Kita-Leitung kritisieren.

Grund für die Schließungen ist ein akuter Personalmangel, mehrere Kräfte fehlen aufgrund von lang anhaltenden Erkrankungen und einem schwangerschaftsbedingten Beschäftigungsverbot dauerhaft. Kommen dann noch kurzfristige Ausfälle hinzu, sind Gruppenschließungen unvermeidlich. Außerdem, so monieren die Eltern, sei eine pädagogische Arbeit in den dünn besetzten Gruppen aktuell kaum möglich.

Zwei Vollzeitkräfte fehlen

Um der Dringlichkeit ihres Anliegens Ausdruck zu verleihen, nutzten die Elternvertreterinnen Nadine Peters, Mareike Wiek, Michaela Schütt und Nathalie Klebig die Einwohnerfragestunde und trugen den Politikern im Hauptausschuss ihre Sorgen vor.  Hansen teilte mit, dass es gerade gelungen ist, eine Vollzeitstelle mit einer pädagogischen Fachkraft neu zu besetzen. Nach Auskunft von Verwaltungsmitarbeiterin Vanessa Wulff fehlen aber weiterhin zwei Vollzeitkräfte. Hansen führte weiter aus, dass keine Entspannung der Situation in Sicht ist. „Es gibt keine Erzieher auf dem Arbeitsmarkt, das Problem besteht auch in anderen Städten“, so die Bürgermeisterin. Elternvertreterin Klebig monierte hingegeben, die Stellenausschreibungen der Stadt seien im Internet nicht zu finden. „Da muss die Stadt kreativer werden“, findet Peters, die Mitglied im Elternbeirat ist, „Erzieher, die Stellen suchen, machen das online.“

Peters sagte weiter, aufgrund des dauerhaften Personalengpasses habe sich bereits die Heimaufsicht eingeschaltet und drohe mit offiziellen Gruppenschließungen. Ingrid Rudloff, Leiterin des Städtischen Kindergartens, sagte, sie dürfe darüber keine Auskunft geben. Verwaltungsmitarbeiterin Wulff schrieb auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Kindergartenaufsicht des Kreises Pinneberg hat keine Gruppenschließungen angedroht. Die Kindergartenaufsicht des Kreises Pinneberg steht der Stadt Uetersen und dem städtischen Kindergarten bei Personalengpässen beratend zur Seite.“

Kreissprecher Oliver Carstens hielt sich auf Nachfrage bedeckt: „Aus laufenden Verwaltungsangelegenheiten kann ich keine Details nennen, da bitte ich um Verständnis. Ich kann aber zumindest bestätigen, dass uns der Personalengpass einer Kita in Uetersen bekannt ist, unsere Kita-Aufsicht steht bereits in Kontakt mit der betroffenen Kindertagesstätte und dem Träger.“ Die mögliche Schließung von Gruppen wollte er nicht kommentieren: „Dies kann nur das letzte Mittel sein, wir suchen gemeinsam nach anderen Lösungsmöglichkeiten. Aber diese muss es auch baldmöglichst geben, denn das Wohlergehen der Kinder steht natürlich absolut im Vordergrund.“ Den Fachkräftemangel konnte Carstens bestätigen: „Zurzeit ist es tatsächlich recht schwierig, geeignetes Personal zu finden.“ Die Eltern wollen nun die Kindergartenbeiträge für die ausgefallenen Stunden zurückverlangen. Einige haben auch einen Verdienstausfall zu verzeichnen.

Der Ausschussvorsitzende  bat die Elternvertreter, ihr Anliegen dem Bildungsausschusses am 15. Februar vorzutragen. Von 19 Uhr an soll im Ratssaal des Rathauses an der Wassermühlenstraße auch der Frage nachgegangen werden, wie die offenen Stellen besetzt werden könnten. Die Elternvertreter wurden von den Politikern mit Applaus verabschiedet.

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