Schenefeld : Kiel setzt Schulleiter vor die Tür

Rolf Schell wollte mithelfen, Schule zu gestalten. Am Gymnasium Schenefeld darf er es als Schulleiter nicht mehr.
1 von 2
Rolf Schell wollte mithelfen, Schule zu gestalten. Am Gymnasium Schenefeld darf er es als Schulleiter nicht mehr.

Rolf Schell muss Gymnasium Schenefeld am Ende der zweijährigen Probezeit verlassen. Stelle wird noch vor den Ferien ausgeschrieben.

shz.de von
22. Mai 2015, 10:00 Uhr

Schenefeld | Es brodelte am Gymnasium schon seit Monaten – und zwar heftig. Der neue Stundenplan zum neuen Schuljahr: Für viele Eltern schlichtweg eine Katastrophe. Fünftklässler, die erst zur vierten Stunde Unterricht haben. Schüler, die bis in den späten Nachmittag hinein die Schulbank drücken müssen. Dazu zum Teil massiver Unterrichtsausfall – und gravierende Kommunikationsprobleme im Führungsteam der Schule. Eltern haben sich beschwert, immer öfter. Nicht nur bei Rolf Schell, dem Direktor und damit dem letztlich Verantwortlichen. Auch bei der Stadt, dem Schulträger und in Kiel, bei der zuständigen Schulaufsicht. Die war mehrmals vor Ort im Gymnasium, um zu schlichten, um Ruhe reinzubringen. Der Rettungsversuch ist gescheitert.

Jetzt hat das Kieler Bildungsministerium die Reißleine gezogen. Schell, seit 40 Jahren im Schuldienst, muss das Gymnasium verlassen. Die Schulaufsicht hat ihm am Ende seiner zweijährigen Probezeit quasi die Befähigung abgesprochen, das Gymnasium Schenefeld mit seinen 850 Schülern und 60 Lehrern zu leiten. Schell bedauerte die Entwicklung. „Ich habe mich in Schenefeld sehr wohl und im Kreise der Kollegen sehr gut aufgehoben gefühlt“, sagte der 60-Jährige gestern.

Die Entscheidung aus Kiel hat ihn schwer getroffen, keine Frage. Die Eltern hat er per Brief informiert. „Ich bitte Sie, nach vorne zu sehen und mit dem kommenden Schulleiter ebenso offen und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten wie ich es wahrgenommen habe. Betrachten wir den Wechsel als Chance zu einem Neubeginn“, heißt es in dem Schreiben. Auch der Schulelternbeirat konnte die Wogen nicht mehr glätten. „Menschlich tut es mir für Herrn Schell leid. Er ist am Gymnasium mit den Füßen nicht auf die Erde gekommen, auch ein Stück weit zerrieben worden“, sagt der Vorsitzende Jürgen Kors. Sein ernüchterndes Fazit: „Der Ruf der Schule ist beschädigt.“

In neun Tagen, am 31. Mai, muss Schell seinen Schreibtisch räumen – acht Wochen vor Beginn der Sommerferien. Kiel wird einen kommissarischen Schulleiter bestimmen. Nach Informationen unserer Zeitung soll er vom Detlefsengymnasium in Glückstadt kommen und zunächst tageweise das Gymnasium leiten. Die Stelle wird laut Patricia Zimnik, Sprecherin des Bildungsministeriums, noch vor den Ferien ausgeschrieben. „Sie soll so schnell wie möglich wieder besetzt werden.“

Rolf Schell: Er trat im Juni 2013 die Nachfolge von Horst Meyer an. Der war 16 Jahre am Gymnasium Schenefeld als Direktor tätig. Für Schell sollte Schenefeld die letzte Station in seinem bewegten Lehrerberuf sein – und wurde wohl zu seiner größten beruflichen Niederlage. Dieser Pädagoge war ein Weltreisender in Sachen Schule, hatte in Namibia und der Türkei unterrichtet. Im Bewerbungsverfahren fürs Gymnasium Schenefeld hatte er sich im Schulleiterwahlausschuss gegen zwei Bewerberinnen klar durchgesetzt. „Wir haben den richtigen Schulleiter gefunden“, freute sich CDU-Ratsherr Dr. Rainer Sempell im Dezember 2012. Die damalige Euphorie ist der Ernüchterung gewichen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen