Ideensammlung : Integration in Schenefeld: Das ist der erste Schritt zum neuen Konzept

Alle mit ins Boot holen: Verwaltungsmitarbeiterin Andrea Pinzek (links), Flüchtlingskoordinator Norman Schleicher und Bürgermeisterin Christiane Küchenhof haben sich gemeinsam überlegt, wie man ein Integrationskonzept für Schenefeld entwickeln könnte.
Alle mit ins Boot holen: Verwaltungsmitarbeiterin Andrea Pinzek (links), Flüchtlingskoordinator Norman Schleicher und Bürgermeisterin Christiane Küchenhof haben sich gemeinsam überlegt, wie man ein Integrationskonzept für Schenefeld entwickeln könnte.

Wohnen und Arbeit seien die Hauptprobleme. Stadt hofft auf Bürgerfeedback.

shz.de von
15. Juni 2018, 12:00 Uhr

Schenefeld | Zeitgleich zum Integrationsgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde im Schenefelder Ratssaal an einem Integrationskonzept für die Stadt gearbeitet. Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD), Flüchtlingskoordinator Norman Schleicher und die Fachbereichsleiterin für Öffentliche Sicherheit, Jugend, Bildung und Soziales, Andrea Pinzek, wollen transparent sein und möglichst alle Interessierten beteiligen. Erste Vorschläge wurden durch ein Brainstorming gesammelt, an dem 40 Ehrenamtliche, Politiker, Geflüchtete und Bürger teilnahmen. Küchenhof war für die Themen Vernetzung, Sprache und Wertevermittlung zuständig. Pinzek übernahm den Sport, die Freizeit, Kita und Schule. Und Schleicher behandelte die aktuell für Geflüchtete wohl wichtigsten Themen – nämlich Wohnen und Arbeit. 

Besonders das Wohnen ist für den Iraner Mohammad Torfi ein Riesenproblem: „Ich habe mich bei verschiedenen Vermietern um eine Wohnung beworben“, erläuterte er. „Aber die Vermieter vertrauen Flüchtlingen nicht“, so sein Eindruck. Er hätte als politisch Verfolgter ein paar sehr unruhige Jahre im Iran hinter sich gebracht und darauf gehofft, in Deutschland endlich Entspannung zu finden: „In der Flüchtlingsunterkunft bin ich jetzt zwei Jahre. Es ist immer laut. Ich kann mich nicht konzentrieren. Und viele Mitbewohner haben ein anderes Verständnis von Reinlichkeit als ich.“ Dem Vorschlag, sich bei einer Wohngemeinschaft zu bewerben, konnte Torfi nichts abgewinnen: „Ich brauche jetzt ein bis zwei Jahre nur Ruhe. Danach sieht es vielleicht wieder anders aus.“

Angeregte Diskussionen: Zu dem Brainstorming kamen 40 Ehrenamtliche, Politiker, Geflüchtete und Bürger.
Sabrina Lincke
Angeregte Diskussionen: Zu dem Brainstorming kamen 40 Ehrenamtliche, Politiker, Geflüchtete und Bürger.
 

Derzeit würden in Schenefeld für Geflüchtete 40 bis 50 Wohnungen fehlen, so Schleicher. Hedwig Röper, aktiv bei den Grünen, kritisiert: „Es geht nicht, dass es immer noch Wohnungsbaugesellschaften gibt, die nicht an Flüchtlinge vermieten. Die Stadt sollte sie zwingen, ein Kontingent zur Verfügung zu stellen.“ Schleicher sucht außerdem Wohnraum für Neuankömmlinge: „Wir wissen nie, was die nächste Woche bringt. Aber momentan kommen wieder mehr Flüchtlinge nach Schenefeld.“

Die Stadt hat bisher elf Wohnungen als Notunterkünfte für Familien angemietet. Um die Situation zu verbessern, haben die Diskussionsteilnehmer Vorschläge eingebracht, wie es zukünftig laufen könnte: ein Wohnungsführerschein für Geflüchtete war eine Idee. Oder die Ausgestaltung eines Wohnungsgipfels. Wohnungslotsen sollten die Geflüchteten zu den Vermietern begleiten. Außerdem müsste mehr auf andere Wohnformen, beispielsweise Containerwohnungen, ausgewichen werden.

Probleme bei der Wohnungssuche: Iraker Ali Alazaovi (links) hat mittlerweile den Weg in die eigenen vier Wände gefunden, Iraner Mohammad Torfi sucht noch verzweifelt.
Sabrina Lincke
Probleme bei der Wohnungssuche: Iraker Ali Alazaovi (links) hat mittlerweile den Weg in die eigenen vier Wände gefunden, Iraner Mohammad Torfi sucht noch verzweifelt.
 

Das andere für die Geflüchteten akute Thema war die Arbeitsvermittlung und Ausbildung. Tanja Sommerfeld, Migrationsbeauftragte der Agentur für Arbeit in Elmshorn, machte klar: „Die eigenen Wünsche und die vorhandenen Kompetenzen klaffen weit auseinander.“ Es würde mit der Sprache beginnen. „Wer nicht gut Deutsch spricht, hat in der Berufsschule keine Chance“, sagt sie. Es gäbe zahlreiche Abbrecher. Andererseits sieht sie auch die Betriebe und Kammern in der Pflicht: „Wir bräuchten dort eine Willkommenskultur mit professioneller Begleitung.“ Die Diskussionsrunde brachte auch zu diesem Thema Verbesserungsvorschläge ein. So sollte es einen regelmäßigen Austausch geben, eine Praktikavermittlung und ein Bewerbungstraining. Den Geflüchteten müssten sinnvolle, nachhaltige Berufsperspektiven vorgestellt und Informationen über Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern vermittelt werden. Auch ein Speed-Dating zwischen Personalchefs und Flüchtlingen wurde angedacht.

Über einen E-Mail-Verteiler sollen die Ergebnisse der Themen-Diskussionsrunden verbreitet werden. Rückmeldungen, Beteiligung und die Weiterentwicklung der Vorschläge sind erwünscht und für jeden Bürger möglich. Im November soll sich der Sozialausschuss mit dem ersten Entwurf für ein Schenefelder Integrationskonzept befassen. Schaltstelle und Ansprechpartner für das Projekt ist Schleicher. Er ist erreichbar per E-Mail an norman.schleicher@stadt-schenefeld.de oder unter Telefon (040) 83 03 71 50.

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