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Schenefelder Tageblatt

13. Dezember 2017 | 10:27 Uhr

In der Stadt der Müllkippen

vom

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Schenefeld | Die Sünden der Vergangenheit schlummern immer noch im Boden. 19 Müllkippen auf nicht einmal zehn Quadratkilometern - das ist rekordverdächtig. "Müll aus Hamburg wurde damals oft in Schenefeld entsorgt", sagt Einar Landschoof, Chef der Umweltbehörde beim Kreis Pinneberg. Legal und illegal.

Damals: Das waren die 50er und 60er Jahre, in denen es noch keine geregelte Müllabfuhr gab. Und so wurden in Schenefeld vor allem große Kiesgruben genutzt, um den Dreck unter der Erde zu begraben. Was damals genau in die Gruben gekippt wurde, weiß heute kein Mensch mehr. Genehmigungen erteilte damals Schenefeld - heute ist der Kreis Pinneberg für alle Altablagerungen im Kreisgebiet zuständig.

Zeitzeuge Horst Tiedemann erinnert sich noch gut an die "Geschäfte an der Müllkippe". Der Maurer entsorgte damals Bauschutt, als plötzlich der Transporter vorfuhr: "Da wurde ganz schnell ein Fass abgeladen und ein Briefumschlag wechselte den Besitzer", sagt der heute 64 Jahre alte Schenefelder.

Wie Detektive haben die Mitarbeiter der Kreisumweltbehörde recherchiert, Dokumente gewälzt und mit Zeitzeugen gesprochen. "Die Müllkippen in Schenefeld sind alle erfasst", sagt Lanschoof. 16 Meter Aktenordner stapeln sich beim Kreis. Mit der Deponie S3 hat Schenefeld eine der kreisweit gefährlichsten Müllkippen. Sie ist abgedichtet. Das Grundwasser wird gereinigt, austretende Gase aufgefangen. Kreisweit werden die Altlasten nach einer Prioritätenliste regelmäßig untersucht. 20 000 Euro stehen pro Jahr für Laboruntersuchungen zur Verfügung. Auch die Schenfelder Müllkippe unter dem alten Spar-Parkplatz am Osterbrooksweg steht unter Beobachtung. Bisher wurden im Grundwasser keine gefährlichen Stoffe gefunden. Die Stadt will die 3000 Quadratmeter große Fläche kaufen - mitsamt dem Müll im Untergrund.

Jeder weiß, wo der Müll liegt, aber keiner holt ihn raus. "Die Kosten würden schnell in die Millionen gehen", sagt Landschoof - und die Verursacher seien nur schwer zur Verantwortung zu ziehen.

Beim Kreis gibt es inzwischen ein Altlastenkataster. Dort ist auch aufgeführt, wo sich Tankstellen, chemische Reinigungen und Industriebetriebe befinden. Der Kreis stuft mögliche Gewerbe- und Baugebiete in belastet beziehungsweise unbelastet ein. Mit dem Einverständnis des Grundstückseigentümers sind die Unterlagen einsehbar.

Schenefeld, Stadt der Müllkippen: Vor allem die Bauern sollen von der Entsorgung profitiert haben. Erst wurde auf ihren Grundstücken Kies abgebaut, später die Löcher mit Müll gefüllt und anschließend nicht selten als Bauland verkauft.

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