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Mit Video : Im Wildgehege: Wo Bambi auf dem Stundenplan steht

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Im Wildgehege leben Damwild, Uhus, Nerze und Wildschweine. Pädagogen bringen Kindern die Natur näher.

shz.de von
erstellt am 28.Jun.2017 | 15:00 Uhr

Schenefeld | Die Luft ist klar an diesem Morgen. In der Ferne zwitschern nur wenige Vögel. Selbst die Bäume bewegen sich kaum. Es weht ein laues Lüftchen. Auf dem noch leeren Parkplatz huscht ein junger Hase vorbei. Und auch in den Gehegen wird schon wieder geruht. Die Fütterung ist gerade vorbei. Diese Idylle ist der Arbeitsplatz von Nils Fischer (43). Der Revierförster betreut das Waldgebiet Klövensteen. Zu seinem Einsatzgebiet gehören auch das Wildgehege und die Waldschule, die an das Gehege angegliedert ist. Stets an seiner Seite ist Cockerspaniel-Dame Ulme, die brav folgt, während er durch das Gehege geht und von seiner Arbeit berichtet.

Förster Nils Fischer krault Cockerspaniel-Dame Ulme.
Förster Nils Fischer krault Cockerspaniel-Dame Ulme. Foto: Tanja Plock

Eines seiner Einsatzgebiete ist das Wildgehege, das 1972 eröffnet wurde. Ende der 1990er Jahre habe die Einrichtung vor dem Aus gestanden. Die Stadt Hamburg hatte Überlegungen angestellt, die damals baulich desolate Anlage zu schließen, um Kosten einzusparen. Allein die Idee habe die Bevölkerung so aufgeschreckt, dass sich deutlicher Widerstand breit machte, erinnert sich Fischer. 2001 gründete sich der Verein zur Förderung von Naturschutz und Landschaftsflächen im Hamburger Westen – kurz: Förderverein Klövensteen. Unter anderem hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben, das Wildgehege zu erhalten und auszubauen. Dazu gehört auch die großzügige finanzielle Unterstützung der Waldschule. Die im Jahr 2008 gegründete Einrichtung hat es sich zur Aufgabe gemacht, „Menschen an einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur heranzuführen“.

An diesem Morgen sind das die Grundschüler der Heinrich-Eschenburg-Schule aus Holm. Speziell geschulte Pädagogen vermitteln den jungen Besuchern Inhalte aus der Tier- und Pflanzenwelt, die an den aktuellen Lehrplan angegliedert sind. Also echter Unterricht unter Bäumen statt laschem Freizeitprogramm.

Normal ist dieser Unterricht aber deshalb noch lange nicht. Im Klassenzimmer können Kinder nicht erahnen, wie sich ein Baum anfühlt und wie er riecht, erläutert Fischer. Durch die Waldschule bekämen die Mädchen und Jungen einen anderen Bezug zur Natur. Das Konzept geht auf: Zwischen 200 und 250 Klassen besuchen das Wildgehege jährlich. Zum Wildgehege selbst kommen jährlich etwa 200  000 Besucher – Tendenz steigend, so Fischer. Das Projekt sei in seiner Form einzigartig und von der Unesco sowie vom Deutschen Wildgehegeverband zertifiziert, erläutert der Förster. Viele Heranwachsende hätten wenig bis keinen Kontakt mehr zur Natur. „Wir mussten erfahren, dass Kinder den Wald immer weniger kennen“, sagt Fischer. „Es gibt einen relativ hohen Prozentsatz an Kindern, die diese Möglichkeit nicht haben.“ Wenn diese dann älter würden und irgendwann doch Zeit im Wald verbringen, erzeugten die Geräusche im Wald bei vielen Kindern Ängste, schildert Fischer.

Auch Schweine leben im Gehege.
Auch Schweine leben im Gehege. Foto: Tanja Plock
 

Angst hat die Holmer Klasse an diesem Tag aber nicht. Eher macht sich eine Erwartungshaltung breit, was alles an diesem Schultag passieren mag. Hoch im Kurs stehen bei den jungen Besuchern natürlich die Tiere, die in dem Gehege leben. Schwarz-, Rot- und Damwild streunt umher. Auch Wildschweine, Uhus, Frettchen, Waschbären, europäische Nerze, Krähen, ein Pfau und Lachshühner sind dort zu bewundern. Die Nerze werden auch gezüchtet und ausgewildert. Fischer lebt als Förster mit seiner Frau und seinen drei Kindern in „seinem“ Wald bei Appen. Sich eine Pizza nach Hause zu bestellen, sei zwar nicht möglich. Dafür liege das Haus zu abgeschieden. Dennoch liebt er den Kontakt zur Natur. „Im Wald zu wohnen ist sehr schön, aber auch einsam. Das Positive überwiegt, wenn man sich darauf einlässt“, sagt er. Dafür habe der Nachwuchs viel Platz und das Grundstück quasi keine Grenze.

Fischer stammt aus einer Förster-Dynastie. Auch Vater und Großvater sowie weitere männliche Vorfahren stellten sich in den Dienst des Waldes. Er sei damit aufgewachsen. Förster sein sei kein Job, sondern eine Berufung. Besonders gefällt ihm, dass er den Wald positiv beeinflussen kann. „Das ist eine sehr schöne Aufgabe.“

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