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Schenefelder Tageblatt

17. Oktober 2017 | 23:22 Uhr

Schenefeld : Im Bann der medialen Welten

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Großflächig und farbenfroh: Der Kunstkreis eröffnet im Rathaus die Ausstellung „Homeboy“ mit Bildern von Michael Heering.

„Jeder Künstler nimmt in Anspruch, frei nach seinem Ideal zu schaffen. Da haben sie die Gärung, das Experimentieren, das Chaotische.“ Mit einem Ausspruch von Lenin stimmte Autor Harald Nicolas Stazol bei der Vernissage des Kunstkreises Schenefeld auf das Werk von Michael Heering ein. „Sein Werk hat mich von Anfang an begeistert“, sagte Stazol. Großflächige farbenfrohe aber auch von erdig-grauen Farben dominierte Ölbilder sind im Rathaus unter dem Motto „Homeboy – Malerei und Installation“ bis zum 20. Oktober zu bewundern.

Zahlreiche Werke drehen sich um mediale Ereignisse wie den Flugzeugabsturz des im US-Bundesstaat Pennsylvania gelegenen Pittsburgh 2010. „Mich interessiert, wie Medienereignisse übermittelt werden“, erläutert der Schenefelder. Als Beispiel verwies er auf Kundgebungen von Adolf Hitler, bei denen im Zuge von Wochenschau-Übertragungen der Eindruck jubelnder Menschenmassen entstand. Tatsächlich waren bei der Kundgebung nur wenige Menschen zugegen, in Folge der Kameraführung entstand eine andere Darstellung. „Es geht darum, was glaube ich von dem, was mir vermittelt wird“, erläuterte der 39-Jährige. Tendenziell möchte Heering aber dem Betrachter die Interpretation überlassen.

So stand Martha Armijos-Koopmann sinnierend vor einem blassgrünen Ölbild, auf dem Mensch und Hund zu sehen waren. Blutrote Flüssigkeit tropfte von Händen, der Hundekopf deutete sich hinter Nebel ab. Mit nur wenigen Protagonisten entfaltet das Bild eine Dynamik. Trägt das Tier eine Vorrichtung, warum ist der Kopf nicht klar zu erkennen? „Handelt es sich um Blut?“, wollte die Besucherin wissen. „Für mich hat das Reduzieren von Person und Tier eine Bedeutung“, verriet Heering. Journalist Stazol beschrieb seinen Freund als politisch inspirierten Menschen: „Es vergeht kaum eine Woche, wo er sich nicht zu politischen Ereignissen äußert.

Michael Heering studierte an der Hochschule für bildende Künste unter anderem bei Daniel Richter. Sein Studium absolvierte er bei Wim Wenders. Seit 2007 leitet Heering den „Non-Profit“-Ausstellungsraum Galerie Genscher im Hamburger Karolinenviertel. Seine Ölbilder bestehen aus übereinander geschichteten Gemälden. Sinn und Material bei seinen surrealistisch anmutenden Werken verdichten sich – in einem teilweise über Jahre hinziehenden Prozess – zu immer neuen erzählenden Strukturen. Ingrid Ullrich waren die Bilder im Notariat des Vaters Dr. Uwe Heering aufgefallen und im Jubiläumsjahr kam sie auf den Sohn zurück. Parallel zur Ausstellung präsentieren Michael Heering, Letia Rodriguez und Jörn Stahlschmidt weitere Werke im Stadtzentrum (Ausstellungsraum des Kunstkreises über der Sparkasse).

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