Ein Satiriker sagt „Tschüss“ : Henning Venske auf Abschiedstour in Schenefeld

Henning Venske will sich bei seiner Abschiedstour so präsentieren, wie sein Publikum ihn kennt und schätzt: präzise, scharf und gnadenlos.
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Henning Venske will sich bei seiner Abschiedstour so präsentieren, wie sein Publikum ihn kennt und schätzt: präzise, scharf und gnadenlos.

Scharfsinnig, pointiert und witzig: Am Mittwoch, 7. März, kommt der Satiriker ins Forum nach Schenefeld.

shz.de von
15. Februar 2018, 12:00 Uhr

Schenefeld | Der Kabarettist, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller Henning Venske ist auf Abschiedstour: In seinem Programm „Summa summarum“ analysiert der 78-Jährige zum letzten Mal auf der Bühne die aktuellen politischen Entwicklungen. Floskeln, Klischees und Phrasenmüll, Blender, Lallbacken und Waffelnasen – all dem widmet er sich scharfsinnig, pointiert und witzig. Am Mittwoch, 7. März, kommt der Satiriker ins Forum nach Schenefeld, Achter de Weiden. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr. Frank Grischek untermalt die Show mit seinem Akkordeon.

Kabarettist der alten Schule

Venske ist ein Kabarettist der alten Schule: Alles, was sich öffentlich regt, kreucht und fleucht, wird von ihm skeptisch begutachtet und bekommt seine verdiente Strafe, gemein, aber nicht unhöflich. Für den Satiriker gelte: Weltbetrachtung – ja. Weltanschauung – nein. Toleranz Null. „Toleranz ist nur eine bequeme Ausrede für Leute, die sich nicht zwischen ja und nein entscheiden können“, sagt Venske.

Selbstbewusst und angriffslustig auch nach 57 Bühnenjahren präsentiert sich dieser in vielen Satire-Kämpfen gestählte Bühnenakrobat. „Verbale Entgleisungen spießt er mit einer solchen Kunstfertigkeit auf, dass der geschundene Geist auflacht, der Verstand triumphiert und das Herz vor Freude und Genugtuung hüpft“, kündigen die Veranstalter an.
Venske will sich bei seiner Abschiedstour so präsentieren, wie sein Publikum ihn kennt und schätzt: präzise, scharf und gnadenlos: Das war’s. Basta la Musica.

Bekannt durch „Hallo Freunde“

Venske wurde 1939 in Stettin geboren. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs floh die Familie vor der Roten Armee in den Westen. Seit 1967 war er vor allem für Hörfunk und Fernsehen tätig. Bekannt wurde der Satiriker durch die ZDF-Jugendsendung „Hallo Freunde“, die „Sesamstraße“ und das NDR-„Studio B“. Es folgten diverse Auseinandersetzungen mit Sendeanstalten, Sende-, Mikrofon- und Hausverbote bis hin zu Entlassungen. Dies brachte ihm den Titel des „meistgefeuerten deutschen Satirikers“ ein. Auslöser war zumeist sein politisches Engagement. Venske kommentierte in den 1970er-Jahren öffentlich das Zeitgeschehen bei zahlreichen Demonstrationen und Großveranstaltungen. 1980 übernahm er die Leitung des Satire-Magazins „Pardon“.

Als Kabarettist ist Venske seit Jahren auch an der Hamburger Bühne „Alma Hoppes Lustspielhaus“ zu Haus. Zusammen mit seinem Partner Jochen Busse erhielt er 2010 den Ehrenpreis zum Deutschen Kleinkunstpreis und 2012 den Ehrenpreis des Bayerischen Kabarettpreises. 2009 ehrte ihn die Stadt Hamburg mit der Biermann-Ratjen-Medaille für künstlerische Verdienste.

Bissige Kommentare

Seine Liebe gehört dem bissigen Kommentar. Satire sei Opposition, Notwehr und eine Waffe, schreibt Venske. „Satire widersetzt sich jedem Zwang, jeder Machtausübung, den Hierarchen und vor allem der Dummheit.“ Nun gebe es ja Leute, die angesichts politischer Mandatsträger behaupten: „Die Wirklichkeit ist viel überraschender und aberwitziger als alles, was die Bühne zu bieten hat. Realsatire ist angesagt!“ Das klinge griffig und überzeugend, sei aber Unfug, so Venske. Denn:
„Der Politiker erzeugt seine Komik ja nicht mit Absicht, er nimmt lediglich sein Grundrecht auf Blamage wahr. Wenn ein Politiker verbal in einen Hundehaufen latscht, dann unterläuft ihm das. Bei einem gestandenen Satiriker aber können Sie getrost Absicht unterstellen.“ Satire sei eine Kunstform, und die Realität sei das nicht. Politik sei keine Satire, weder real noch irreal. „Realsatire ist eine Contradictio, ein Widerspruch in sich – sowas wie Scheibletten-Genuss oder, schlimmer, Blockflöten–Musik. Realsatire gibt es nicht, denn: Schlechte Satire gibt es nicht. Schlechte Satire ist keine. Und wenn ein deutscher Politiker behauptet „Die Wirklichkeit sieht anders aus als die Realität“ (Kohl), dann ist das keine Satire, sondern eine Synapsenversülzung.“

mit dpa

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