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Grüne Lunge Klövensteen : Heimat für Uhus und Wiesel

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

shz.de erforscht die Tier- und Pflanzenwelt im Klövensteen.

Pinneberg | Der Forst Klövensteen ist eines der größten Waldgebiete in unserer Region. Unfern von Pinneberg, Wedel und Schenefeld zieht er sich entlang der Kreisgrenze. Er beherbergt eine beeindruckende Vielzahl an Tieren und Pflanzen. Sie zu erkunden stellt ein spannendes Abenteuer dar. Besteht der größte Teil des Waldes auch aus Nadelgehölzen wie Fichten und Kiefern, so ist ein Anteil auch Laubwald, vor allem Buchen. Noch vor Sonnenaufgang beginnt eine Vielzahl an Singvögeln mit der Reviermarkierung. Unüberschaubar ist die Fülle an Gesängen, seien es Tannenmeisen oder Zilpzalpe, Singdrosseln oder Rotkehlchen. Manche sind so versteckt, dass man sie nur anhand ihrer Stimme ausfindig machen kann, wie etwa die Heckenbraunellen oder die mit einer Kappe versehene Mönchsgrasmücke. Hoch über allem schießen Baumfalken am Himmel.

Auch alte und sogar umgestürzte Bäume stellen einen speziellen Lebensraum dar. Zaunkönige bauen im Wurzelwerk ihre Nester. Waldkäuze brüten in Höhlungen, wo auch Bock- und Nashornkäfer eine Nische finden. Beide findet man im Klövensteen, wenn sie auch versteckt leben. Während erstere in engen Löchern von Baumstämmen verschwinden, stecken letztere tief im Mulch angerotteter Bäume.

Wer aufmerksam durch den Wald pirscht, könnte auf einen großen Schmetterling stoßen, den Nagelfleck, oder das zappelige Waldbrettspiel: Ein kleiner Falter. Besonders Schmetterlinge sind Anzeiger für den Gesundheitszustand eines Waldes. Auch wenn ein Forst kein natürlich wachsender Urwald ist sondern ein gewerbsmäßig betriebenes Unternehmen, bemüht sich das Forstamt, wild wachsende Räume zu belassen. Der aufmerksame kenntnisreiche Beobachter merkt sofort, welche Bereiche besonders wertvoll für den Naturhaushalt sind, und die Vielzahl an verschieden singenden Arten wird den Beweis dazu erbringen.

Ein reines Paradies ist der Klövensteen für seine Bewohner aber nicht. Die meisten fressen jeweils andere. Bunte Meisen oder Goldhähnchen sind Räuber, ernähren sich von Raupen, aus denen eines Tages Schmetterlinge geschlüpft wären, und werden selbst zur Beute von Sperbern. Diese haben rund um ihren Horst ihre Rupfplätze, wo dann anhand der Federn die Opfer identifiziert werden können.

Fichtenkreuzschnäbel brüten im Winter

Seltsam mutet das Brutgeschäft der Fichtenkreuzschnäbel an, brüten sie doch im kältesten Winter. Warm eingekuschelt im Brustgefieder, wachsen die Jungen heran, während den Elternvögeln der Schnee auf den Rücken rieselt. Sie ernähren sich von Fichtensamen, die dann reichhaltig vorkommen. Um die Zapfen besser zu öffnen, sind ihre Schnabelspitzen auch noch gekreuzt. Im Lauf der Evolution haben sich diese interessanten weinroten Singvögel so verändert, dass sie bis heute mit den besten Voraussetzungen ihre Nische im Ökosystem Wald einnehmen können.

Von einem intakten Wald profitieren auch die Menschen in besonderem Maß. Milliarden von Blättern verwandeln Stickoxyde täglich in gewaltige Mengen an Sauerstoff über die Fotosynthese, was einen Spaziergang so erholsam macht. Feuchtigkeit wird über die Blätter abgegeben, steigt in höhere Luftschichten und fällt als Regen wieder nieder, den die Wurzeln aufnehmen und erneut entlang des Stammes und der Zweige in die Blätter leiten. Ein Kreislauf, auf den wir alle angewiesen sind und den nur ein ökologisch intakter Wald leisten kann.

Die unterschiedlichen Schichten eines solchen sind auch vielfältiger Lebensraum für diverse Arten. Mit Kräutern bewachsene weiche Böden bieten einer Vielzahl an Blumen einen geeigneten Untergrund zum Gedeihen. Wer kennt nicht die Scharbockskräuter oder Anemonen, die bereits im März den Blätter bedeckten Grund mit farbigen Blütenteppichen übersähen. Oder später den riesig hohen Fingerhut, der manchmal über zwei Meter groß wird. Im Herbst bedecken zahlreiche Pilzarten den feuchten Boden, manche von bizarrem oder wunderschönem Aussehen, während Blindschleichen, fußlose Eidechsen, sich dahin schlängeln.

Marderhunde sind Mitglieder der Canidae-Familie, zu der auch Füchse und Wölfe zählen.
Marderhunde sind Mitglieder der Canidae-Familie, zu der auch Füchse und Wölfe zählen. Foto: Armin Püttger-Conradt
 

Die Tümpel im Klövensteen beherbergen wiederum Molche und Kröten, ja sogar Ringelnattern. Auch Kleingewässer gehören zum wichtigen Bestandteil eines Forstes, bieten Hirschen und Wildschweinen Tränken und Suhlplätze. Rundum treiben sich vierbeinige „Räuber“ herum, Marder etwa, oder Wiesel, und selbst aus dem Osten einwandernde Marderhunde werden immer häufiger gesehen. Weitläufige Wegesysteme führen durch die Tiefen des Klövensteens und lassen zahlreiche Beobachtungsmöglichkeiten zu. Wer jedoch seltenen Tieren ganz nah sein will, kann auch das nahe gelegene Gehege besuchen und einen Einblick gewinnen, sozusagen Auge in Auge. Ein Fernglas wird aber immer von Nutzen sein.

Während der Nacht kommen andere Lebewesen zum Vorschein. Für so manchen schaurig, tönt der Ruf des Waldkauzes durch den Forst. Verhalten lassen Waldohreulen ihre Stimmen hören. Aber selbst die größte Eule, der Uhu, ist heimisch geworden und nimmt sogar Waldkäuze zur Beute. Die Lebensgemeinschaft des Waldes kennt auch des Nachts keine Ruhe. Und bald beginnt auch wieder der Chor der Singvögel, noch ehe die Sonne aufgeht.

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erstellt am 30.Jun.2017 | 16:30 Uhr

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