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Gymnasium in Schenefeld : Hartmut Appel als kommissarischer Schulleiter verabschiedet

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Es gab zum Abschied viel Lob von allen Seiten für den „ruppig-charmanten“ Chef.

shz.de von
erstellt am 28.Jan.2016 | 16:30 Uhr

Schenefeld | Großer Bahnhof zum Abschied. „Das passt zu Hartmut Appel“, betonte Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof gestern Nachmittag im Forum und erinnerte an die „großen Auftritte“, die der kommissarische Leiter des Gymnasiums während seines Spezial-Einsatzes hingelegt hat. Keine Frage, der 61-Jährige hat in nur neun Monaten Spuren hinterlassen, sich als Krisenmanager bewährt, seinen Finger in Wunden gelegt und die schlingernde Schule wieder auf Kurs gebracht.

Das Lob prasselte gestern dann auch von allen Seiten auf den scheidenden Direktor ein, den wohl viele gern für immer in Schenefeld behalten hätten. „Du warst ein Volltreffer“, bescheinigte Annette Lutter vom Kieler Bildungsministerium dem Direktor, der im Juni 2015 neben seinem Job als Chef des Detlefsengymnasiums in Glückstadt für drei Tage in der Woche zusätzlich als Chef nach Schenefeld abkommandiert wurde. „In einer schwierigen Personalsituation“, wie Lutter betonte.

Rolf Schell war wenige Tage zuvor als Schulleiter abgesetzt worden. Kiel hatte ihm nach der Probezeit die Eignung abgesprochen. Ein chaotischer Stundenplan, hoher Unterrichtsausfall, Streit und Zwietracht im Kollegium: Hinter den Kulissen hatte es zuvor monatelang gebrodelt. Appel übernahm das Zepter und gab die Richtung vor – klar, laut und unmissverständlich. „Du warst wie unser Trainer. Wer nicht hört, sitzt auf der Bank“, brachte die neue kommissarische Schulleiterin Carola Weber das appelsche Erfolgsrezept auf den Punkt. Autorität, Durchsetzungsfähigkeit und Hartnäckigkeit: Bei der Verabschiedung wurde noch einmal deutlich, was Appel bei seinem Schenefeld-Intermezzo auszeichnete – und was viele Kollegen, Eltern und Schüler wohl beim Vorgänger vermissten. Konflikte scheute der Übergangschef nicht. Er schaffte die Mittagspause an der Schule ab, was vielen Eltern nicht gefiel. Er prangerte öffentlich den Modernisierungsstau am Gymnasium an, was einigen Politikern gar nicht gefiel. Mit seiner etwas ruppigen, charmanten Art eckte er auch an, was ihn aber wenig störte. „Ich wollte dazu beitragen, dass sich Schüler im Gymnasium wohl fühlen und optimal gefördert werden“, sagte Appel in seiner Abschiedsrede. Er hat es angepackt, Dinge verändert, wie es Jürgen Kors, Vorsitzender des Schulelternbeirats, ausdrückte.

Hartmut Appel hätte die Schule gern an seinen Nachfolger übergeben. Doch der einzige Bewerber fiel im Dezember im Schulleiterwahlausschuss knapp durch. Annette Lutter, Schulaufsicht Gymnasien in Kiel, fand gestern im Forum deutliche Worte: „Diese Entscheidung ist sehr enttäuschend und nicht nachvollziehbar.“ Einen gestandenen Schulleiter wie Appel werde die Schule auch im zweiten Wahlgang nicht bekommen. Die Stelle  wird nun neu ausgeschrieben. Bis zur Besetzung wird das Gymnasium von der stellvertretenden Schulleiterin Carola  Weber geleitet.

Appels Neun-Monats-Bilanz: Personalengpässe wurden beseitigt. Ein neues Konzept für das Gymnasium verabschiedet. Die Politik bewilligte zusätzliches Geld für die schnelle Sanierung von Klassenräumen – und das Kollegium hat laut Appel wieder zu einem Miteinander gefunden. „Wir haben ganz viele im Boot.“

Von seinem gesamten Team verabschiedete sich Appel mit einem Mark-Twain-Zitat, das tief in die Kollegiums-Seelen blicken lässt: Man vergisst vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergisst niemals, wo das Beil liegt. Sein Rat: „Raucht die Friedenspfeife.“ Am morgigen Freitag leitet Appel seine letzte Dienstversammlung in Schenefeld. „Unsere Schule hat einen Tritt in den Hintern gebraucht“, sagte Schülervertreter Alexander Hofmann. Appel, der leidenschaftliche Sportler, hat seine Mission am Gymnasium Schenefeld erfüllt.

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