„Hallig kann nicht jeder“

Frischer Snack für das Publikum. Katja Just hat morgens auf Hooge noch Queller gepflückt.
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Frischer Snack für das Publikum. Katja Just hat morgens auf Hooge noch Queller gepflückt.

Inselleben: Katja Just liest in der Stadtbücherei

shz.de von
02. Juni 2018, 16:12 Uhr

„Frau Just ist verschollen“, sagt Frank Jankowski von der Stadtbücherei. 40 Besucher erwarten die Bestsellerautorin und gucken ihn etwas verdutzt an. „Vielleicht hat sie sich verlaufen“, mutmaßt Jankowski. Möglich. Katja Just wohnt jetzt seit 18 Jahren auf Hallig Hooge, im Haus Landsende auf der Ockenswarft. Dort sind die örtlichen Verkehrswege überschaubarer als in Schenefeld. Doch dann kommt sie angelaufen: „Ich hätte jetzt gern gesagt, dass Ostwind war und die Fähre zu spät gefahren ist, aber ich habe mich nur mit der Anfangszeit vertan“, sagt sie lachend.

Just hat ihren Erstling geschrieben und damit gleich einen Erfolg gelandet. Sie erzählt in „Barfuß auf dem Sommerdeich“, wie sie dazu gekommen ist, die Isar mit der Nordsee und die Berge mit dem Wattenmeer zu tauschen. Und was es mit einem macht, wenn sich im Winter das Nichts auf der Hallig ausbreitet. Sie berichtet, dass ihre Eltern das Haus gekauft haben, in dem sie auf Hooge Urlaub machten. Damals wollte sie mit ihrem Freund dort eine Familie gründen. Aber kurz vor dem Umzug hat sich der Partner umentschieden. Aus der Traum vom Kinder- und Familienglück. „Ich habe das dann allein durchgezogen“, sagt sie.
Obwohl sie nicht immer einfach war, die Umstellung von der gelernten Kauffrau mit besten Karrierechancen in München, die international am Flughafen agiert, hin zur Vermieterin von zwei Ferienwohnungen inmitten der Nordsee. Sie musste lernen, dass auf der Hallig Wind und Wasser das letzte Wort haben. „Der Wind hat verschiedene Gesichter“, sagt Just. „Wenn er im Winter aus Osten pustet, wird es sofort kälter im Haus, dreht er nach Westen, pfeift meine Tür.“ Und bringt der Wind den Sturm und die Wellen auf die Hallig, lässt es sie klein und still werden.

Das Klischee der einsamen Frau inmitten der Gewalten passt aber nicht. Immerhin kommen im Jahr 90 000 Tagesgäste nach Hooge. Just ist keinen Tag allein. Ihre Wohnungen sind ausgebucht. Außerdem engagiert sich die 43-Jährige erfolgreich in der Kommunalpolitik, ist in der Wählergemeinschaft Nordfriesland aktiv. Just ist Direktkandidatin im Wahlkreis 6, Amt Pellworm, und verrät: „Ja, es sieht so aus, als wäre ich in ein paar Wochen Bürgermeisterin von Hooge.“ Das dringendste Problem sei der demografische Wandel. „Wir brauchen Leute, die bleiben und sich für die Hallig einsetzen wollen.“

Es leben 100 Menschen auf Hooge. „Aber mich sieht man eher selten auf Festen oder Geburtstagen.“ Gute Kontakte hat Just trotzdem – und einen engen Vertrauten. „Ein echter Hallig-Jung.“ Und schließlich erzählt sie, dass es neben allem Schönen, doch einiges gibt, was sie auf ihrer Warft vermisst: Ihr Motorrad, die Berge, den Wald und Menschen, die Stellung beziehen. „Mir fehlt Offenheit“, bekundet sie. Oft bekäme sie von den Hallig-Leuten nur den Satz: „Och, da mische ich mich lieber nicht ein“, zu hören.

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