Hälfte der Räder ist unverschlossen

Dieses Fahrrad ist ordnungsgemäß angeschlossen. Häufig ist dies jedoch nicht der Fall, kritisiert der Schenefelder Polizei-Chef Jan Wittig.
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Dieses Fahrrad ist ordnungsgemäß angeschlossen. Häufig ist dies jedoch nicht der Fall, kritisiert der Schenefelder Polizei-Chef Jan Wittig.

Schenefelder Polizeistationsleiter kritisiert Verhalten der Bürger / Rückgang der Diebstähle geht auf Erfolge gegen Banden zurück

shz.de von
03. März 2018, 16:19 Uhr

Vorwürfe wie diese sind schnell in der Welt, in diesem Fall aber auch ebenso rasant wieder zurück im Reich der Mythen. Kürzlich beschwerte sich ein Schenefelder bei unserer Zeitung. Es gebe immer mehr Fahrraddiebstähle und die Polizei sehe tatenlos dabei zu. Doch die Zahlen von Stationsleiter Jan Wittig (Foto) widerlegen diesen Eindruck. 2017 gab es 30 Prozent weniger Diebstähle als im Vorjahr. Im Jahr 2016 waren es demnach 213 geklaute Drahtesel, im vergangenen Jahr nur noch 136.

Den Vorwurf, dass die Polizei untätig ist, weist Wittig zurück: „Das ist natürlich gänzlicher Schwachsinn.“ Dass immer noch so viele Räder gestohlen werden, hat aus seiner Sicht andere Gründe. „Wir waren häufig mit der Streife unterwegs, um Einbrüchen vorzubeugen. Da haben wir nicht nur etliche Fenster gesehen, die im Erdgeschoss auf Kipp gestellt waren, sondern auch haufenweise Fahrräder, die nicht angeschlossen waren.“ Die Mentalität vieler sei, dass sie sich nicht darum kümmern, weil das Rad versichert ist. „Tatsache ist, dass mehr als 50 Prozent nicht abgeschlossen werden. Das haben wir durch die Videoüberwachung am ,Stadtzentrum’ und am Schulzentrum Achter de Weiden festgestellt.“ Die Polizei zeige Präsenz und weise die Inhaber darauf hin, wie leichtsinnig dieses Verhalten ist.

Dass nun weniger Räder gestohlen werden, führt Wittig darauf zurück, dass der Hamburger Polizei im vergangenen April ein Coup gegen die organisierten Verbrecherbanden gelungen ist. Die Ermittler der Soko Fahrradklau stellten 3500 Fahrräder in mehreren Lagerhallen sicher. Von dort sollten die Räder mit Kleintransportern nach Osteuropa gebracht werden. Seitdem herrsche Zurückhaltung, mutmaßt Wittig. Auch in Schenefeld sei die Polizei im vergangenen Jahr sehr aktiv gewesen. Es gab Großkontrollen und vermehrt fuhren Streifenwagen durch die Straßen. Problematisch sei, dass die wenigsten Räder zugeordnet werden können, weil sie weder codiert sind, noch die Seriennummer notiert wurde. So komme es vor, dass die Banden in Kontrollen geraten, und ihr Diebesgut sogar behalten können, so Wittig. „Deshalb ist die Aufklärungsstatistik gleich null. Wir können nur dann etwas tun, wenn wir auch etwas zum Suchen haben.“

2017 wurden in Schenefeld sieben Räder gefunden, nur eins konnte dem Besitzer zurückgegeben werden. Im Jahr zuvor war es ebenfalls ein Fahrrad. „Das ist ein Kampf gegen Windmühlen, seitdem ich Polizist bin“, sagt der Stationsleiter. Seine Forderung ist klar: Jeder Radfahrer braucht ein ordentliches Schloss. Und er sollte es auch benutzen.

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