Zeitzeugen werden gesucht : Günther Wilke schreibt eine neue Chronik für Schenefeld

Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) und Stadtarchivar Klaus Abraham (rechts) begleiten die Arbeit des ehemaligen Journalisten Günther Wilke, der eine neue Schenefelder Chronik schreibt.
Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) und Stadtarchivar Klaus Abraham (rechts) begleiten die Arbeit des ehemaligen Journalisten Günther Wilke, der eine neue Schenefelder Chronik schreibt.

Aufgrund dünner Aktenlage werden Zeitzeugen gesucht. „Wir sind für jeden Tipp dankbar“, heißt es von der Stadt.

shz.de von
24. Juli 2018, 12:30 Uhr

Schenefeld | Es ist eine große Aufgabe, die sich Günther Wilke vorgenommen hat: Um für die Stadt Schenefeld eine neue Chronik zu schreiben, wälzt der 88-Jährige bereits seit zwei Monaten das Stadtarchiv. „Ich konzentriere mich auf die Jahre von 1945 bis heute. Sehr gern würde ich auch ein Kapitel ‚Schenfeld im Jahr 2050‘ anhängen“, sagt Wilke. Unterstützt wird er hierbei von Klaus Abraham, dem Stadtarchivaren von Schenefeld. Gemeinsam sind Fahrten zum Landesarchiv in Schleswig geplant. Doch Wilke steht vor einem Problem: „Besonders schwierig gestaltet sich die Recherche für die Jahre zwischen 1945 und 1950. Die Aktenlage ist dünn, viele Dokumente sind verbrannt oder nicht auffindbar“, erklärt der 88-Jährige, der bereits eine Chronik für den Schenefelder Verein Blau-Weiß 96 verfasst hat.

Aus diesem Grund benötigt der Stadtschreiber Hilfe. „Wir sind über jeden Tipp von Zeitzeugen dankbar. Jeder, der etwas weiß, ist dazu aufgerufen, sich bei mir oder Herrn Abraham zu melden“, sagt Wilke. Er inspiziert bereits sämtliche Protokolle der damaligen Gemeindevertretungen, die in Sütterlin, der altdeutschen Schrift, geschrieben sind. „Auch diese Protokolle sind unvollständig oder nur in Kurzform aufgeschrieben“, schildert der ehemalige Journalist das Problem.

Vom Hungerwinter 1946

Als Beispiel nennt er eine Aktion, die im Hungerwinter 1946 gestartet wurde. „Die Gemeinde organisierte für den 28. April 1946 ein Torfstechen im Holmmoor. Damit sollte Brennmaterial für die frierenden Menschen beschafft werden. Aufgerufen waren alle männlichen Schenefelder zwischen 16 und 65 Jahren – so steht es im Protokoll vom 17. Juni 1946“, erklärt der 88-Jährige. Wie die Aktion im Einzelnen verlaufen sei, habe er jedoch nicht herauslesen können. „Es fehlen so oft die genauen Berichte und Ausführungen zu Umsetzungen der Beschlüsse.“ Wem also der Begriff „Kohlenklau“ oder „Hamstertour“ etwas sagt, ist bei Wilke genau an der richtigen Adresse. Hinweise fehlen ihm auch zu der Zeit der Währungsreform im Jahr 1948. „Es geht auch nicht immer nur um offizielle Dinge. Mich interessieren auch die ganz persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen rund um das Leben in Schenefeld“, sagt der Chronist. Es gehe ebenso darum, die guten und die schlechten Seiten Schenefelds während der Zeit des Nationalsozialismus zu beleuchten und aufzuarbeiten, denn es gebe laut Wilke nicht nur Schwarz oder Weiß. „Die alte Chronik berücksichtigt diese Aspekte nur wenig.“

Dass es eine neue Chronik geben wird, ist einem Grund geschuldet. „Wir haben nicht mehr viele Exemplare der alten Chronik von 1997. Deshalb wurde in der Politik beschlossen, diese Chronik zu digitalisieren und eine neue schreiben zu lassen“, erklärt Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD). „Wir sind froh, dass wir Herrn Wilke für diese Arbeit gewinnen konnten. Er ist erfahren und es ist unglaublich spannend, die Arbeit von ihm zu begleiten.“ Ende 2019 soll das Manuskript für die neue Chronik fertig sein.

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