Schenefeld : Grüne lehnen neue Baugebiete ab

In den vergangenen Jahren ist in Schenefelds viel neuer Wohnraum entstanden.
In den vergangenen Jahren ist in Schenefelds viel neuer Wohnraum entstanden.

Vorstoß für nächste Ratsversammlung: 20.000-Einwohnergrenze soll nicht überschritten werden. Nur noch maßvolle Nachverdichtung.

shz.de von
07. Januar 2015, 10:00 Uhr

Schenefeld | Am Flaßbarg stehen die Baukräne noch. An der Timm-Kröger-Straße sollen sie bald anrücken. Auch auf dem Altmann-Gelände am Kiebitzweg ist Wohnbebauung geplant. Und über den Ankauf einer gut 15.000 Quadratmeter großen Fläche an der Blankeneser Chaussee wird schon seit Jahren verhandelt.

Die Grünen wollen dem Bauboom in Schenefeld einen Riegel vorschieben. Es sollen keine neuen Bauflächen auf der grünen Wiese mehr ausgewiesen werden. Die Nachverdichtung soll restriktiv und maßvoll gestaltet werden. Die Einwohnerzahl soll bis zum Jahr 2020 maximal 20.000 betragen und sich auf diesem Niveau langfristig stabilisieren.

Das Überschreiten der 20.000er-Marke: Genau das wollen die Grünen mit ihrem Vorstoß, über den in der nächsten Ratsversammlung abgestimmt werden soll, verhindern. Denn die Stadt bekäme nicht nur mehr Rechte, sie wäre auch für die Landesstraßen zuständig. Kosten in Millionenhöhe könnten die Folge sein.

Grünen-Ratsherr Herbert van Gerpen verweist auf das Stadtentwicklungskonzept von 2005. „Die Einwohnerzahl sollte bis 2015 auf zirka 18.500 zunehmen.“ Diese Zahl sei längst überschritten worden – durch die rege Bautätigkeit. Die Stadt geht aktuell von einer Einwohnerzahl von 18.949 aus, basierend auf den Daten aus dem Einwohnermeldeamt. Doch darüber gibt es Streit. De Zensuszahlen weisen 18.672 Schenefelder aus.

20.000er-Grenze 2018 überschritten

Van Gerpen geht davon aus, dass die 20.000er-Grenze bereits 2018 überschritten wird, eventuell sogar schon früher. Denn die Wachstumsrate lag in Schenefeld in den vergangenen Jahren laut van Gerpen zwischen 0,8 und einem Prozent – und damit dreimal so hoch wie im Stadtentwicklungskonzept prognostiziert. Fakt ist: Durch bereits beschlossene und in Planung befindliche Baugebiete könnten in den kommenden Jahren gut 1020 neue Schenefelder Bürger hinzukommen. Legt man die Zahlen der Stadt zu Grunde, wären die 20.000 quasi erreicht. Nicht berücksichtigt wären zusätzliche Wohneinheiten in bereits bestehenden Baugebieten.

Die Stadt hatte zudem schon 2014 darauf hingewiesen, dass besonders in der Siedlung ein Generationswechsel zu beobachten ist. Senioren ziehen aus, Familien ziehen ein. Die Grünen stehen politisch keineswegs allein da. Auch andere Fraktionen haben sich klar gegen das Überspringen der magischen Grenze von 20.000 Einwohnern ausgesprochen. CDU und Grüne hatten 2013 gemeinsam die bereits beschlossene Neuaufstellung eines Flächennutzungsplans – und damit eine mögliche Wohnbebauung im bisherigen Landschaftsschutzgebiet – geknickt. Einzig die SPD sieht auch jenseits der 20.000er-Marke keine unüberwindlichen Probleme auf die Stadt zukommen.

Die Grünen fordern nun, den „scheinbar unaufhaltbaren Entwicklungsverlauf zu stoppen“. Dafür müsse die Planungskompetenz der Stadt revitalisiert und eine Phase der Konsolidierung und infrastrukturellen Anpassung eingeleitet werden.

Bei den 100 am dichtesten besiedelten Gemeinden in Deutschland liegt die Stadt Schenefeld laut Statistischem Bundesamt (Stand: Ende 2011) auf Platz 48 – mit 1873 Einwohnern pro Quadratkilometer. Auf Platz eins steht München (4436 Einwohner), vor Berlin mit 3927 Einwohnern. Hamburg nimmt Platz 21 (2382 Einwohner) ein. Aus dem Kreis Pinneberg stehen Elmshorn auf Platz 25 mit 2293 Einwohnern pro Quadratkilometer, Pinneberg auf Platz 44 mit 1989 Einwohnern und Uetersen auf Platz 89 mit 1560 Einwohnern pro Quadratkilometer.
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