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Schenefeld : Große Unterkunft, wenig Flüchtlinge

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Im Schnitt kommen nur noch zwei Asylsuchende pro Woche. Die Container am Osterbrooksweg sollen bis Ende Mai bezugsfertig sein.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2016 | 13:00 Uhr

Schenefeld | Die Vorbereitungen für die Bodenplatte sind fast abgeschlossen. Nächste Woche kommt der Beton. Und Schenefelds Bauamtschef Andreas Bothing geht davon aus, dass dann auch schon die ersten Container nach und nach eintreffen. Die Stadt Schenefeld errichtet zurzeit auf dem ehemaligen Spar-Parkplatz am Osterbrooksweg für zirka zwei Millionen Euro eine Container-Unterkunft für bis zu 264 Flüchtlinge – in Zeiten, in denen die Flüchtlingszahlen auch im Kreis Pinneberg deutlich zurückgehen.

Wird Schenefelds Flüchtlingsstrategie von den aktuellen Ereignissen ausgehebelt? Stehen die Container am Ende sogar leer? Bürgermeisterin Christiane Küchenhof teilt diese Befürchtungen nicht. „Auch nach Schließung der Balkan-Route werden die Menschen kommen, sich andere Wege suchen“, betont die Verwaltungschefin. Verlässliche Prognosen gebe es nicht.

Schenefeld ging bisher davon aus, dass in diesem Jahr etwa 310 Menschen untergebracht werden müssen. Doch da ging der Kreis Pinneberg auch noch von 5000 Flüchtlingen insgesamt aus. Diese Zahl wurde inzwischen auf 1765 Flüchtlinge nach unten korrigiert. Nach dem gültigen Verteilungsschlüssel würden der Stadt dann nur 110 Asylbewerber in 2016 zugewiesen. Beim Kreis gibt es erste Gedankenspiele, sich von geplanten Sammelunterkünften, die die Kommunen entlasten sollten, zu verabschieden. Auch das Land Schleswig-Holstein ist dabei, große Sammelunterkünfte runterzufahren oder ganz zu schließen. In Schenefeld hatten sich die Verantwortlichen im vergangenen Jahr auf dem zahlenmäßigen Höhepunkt der Flüchtlingskrise schweren Herzens entschlossen, auf eine Großunterkunft zu setzen. Die bis dahin so erfolgreich praktizierte dezentrale Unterbringung war an ihre Grenzen gestoßen.

Auch in Schenefeld ist der Druck erstmal raus aus dem Kessel. Laut Ordnungsamt wurden der Stadt in den vergangenen drei Monaten im Schnitt nur noch zwei Flüchtlinge pro Woche zugewiesen. In Hochzeiten waren es 2015 bis zu 15 Personen pro Woche. 267 Flüchtlinge wurden bisher in städtischen Unterkünften untergebracht.

Trotzdem: Küchenhof ist davon überzeugt, dass die Containerunterkunft am Osterbrooksweg benötigt wird. Sie verweist auf das alte Postgebäude am Heisterweg, in dem zurzeit 60 Männer leben. Es war von Anfang an als Übergangslösung geplant, da das Grundstück im Rahmen der aktuellen Stadtkernplanungen eine Rolle spielt. „Diese Menschen könnten an den Osterbrooksweg umziehen.“ Zudem seien Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht, die die Stadt nur zeitlich befristet angemietet hat – beispielsweise im Kurbad Rossi. Die Verwaltungschefin verweist auch darauf, dass die Containerunterkunft maximal mit 264 Personen besetzt werden kann. „Dann leben vier Personen in einem Zimmer.“ Eine geringere Belegung pro Zimmer sei für alle Beteiligten von Vorteil.

Und die Verwaltungschefin lenkt den Blick noch auf einen weiteren Aspekt: den Familiennachzug. „Alleine in den vergangenen zwei Wochen sind zwei Familien mit insgesamt zehn Personen nach Schenefeld gekommen.“ Auch vor diesem Hintergrund werde es eine Umverteilung geben. Die Container-Unterkunft am Osterbrooksweg: Ende Mai soll sie bezugsfertig sein. Bis dahin könnten die Flüchtlingszahlen auch schon wieder gestiegen sein. Küchenhof: „Es gibt keine verlässlichen Zahlen. Es bleibt der Blick in die Glaskugel.“

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