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SHMF in Schenefeld : Grandioses Spektakel voll Witz

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Stephan Graf von Bothmer begleitet in Schenefeld Stummfilme am Klavier. Publikum begeistert vom Humor des Pianisten.

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2015 | 12:29 Uhr

Schenefeld | Der rote Teppich war ausgerollt. Vorbei ging es an Filmplakaten und Fackeln hin zum Konzert im Forum. Stummfilmpianist Stephan Graf von Bothmer sprang zur Freude der Besucher für den erkrankten Cellisten Eckart Runge ein. „Es grenzt an ein Wunder, dass Graf von Bothmer verfügbar war“, betonte Frank Siebert, Leiter der Programmplanung des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF).

Auch Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) freute sich, so einen „wunderbaren Ersatz“ vorzufinden und erinnerte an eine ähnliche Situation im vergangenen Jahr. Dort sprang Joachim Król für Christian Redl ein. „Auch damals hatten wir einen wunderbaren Abend“, sagte Küchenhof optimistisch. Und die Bürgermeisterin sollte Recht behalten.

Beim Vortrag des Grafen verschmolzen Film und Musik zu einer expressiven Einheit. Von Bothmer bot den Zuschauern im fast ausverkauften Forum-Saal ein außergewöhnliches Konzert. Der Pianist interpretierte die vier besten Stummfilme des populärsten Komiker-Duos Stan & Ollie live am Flügel. Beim Beobachten der Stummfilme entführte von Bothmer die Zuhörer in eine andere Zeit. Während seines Spiels wurden sie Bestandteil des Films, schienen direkt in die Handlung hineingesogen zu werden. Zum Inhalt: Stan Laurel und Oliver Hardy, auch bekannt als „Dick und Doof“ fürchten sich eigentlich nur vor ihrer eigenen Courage und dem weiblichen Charme.

Brigitte und Horst Alsmöller (v. l.) sowie Doris und Andreas Knappe freuten sich, dass Schenefeld zum zweiten Mal zu den Spielorten des SHMF gehörte. (Foto: Heiderhoff)
Brigitte und Horst Alsmöller (v. l.) sowie Doris und Andreas Knappe freuten sich, dass Schenefeld zum zweiten Mal zu den Spielorten des SHMF gehörte. (Foto: Heiderhoff)
 

Sie geraten ohne Absicht in halsbrecherische Situationen, säen Chaos und Zerstörung. Symbole des American Dream wie Häuser und Automobile verwandeln sich unter ihrem Einfluss zu Schrott. Von Bothmer überzeugte mit packender und mitreißender Interpretation der Klassiker. Es wurde aber auch deutlich, dass das Leben als Stummfilmmusiker seine spaßigen Seiten hat. Während seines Vortrags erheiterte Bothmer die Zuhörer mit einem Ostfriesenwitz. Später ließ er sich von einem Zuschauer die Augen verbinden. Sein Können bewies er sodann im Zuge einer „Selbstbestrafung“, indem er Rachmaninovs Prelude Op 23 Nr.5 mit verbundenen Augen spielte. Brisant: die hochgradig schwierigen Sprünge.

Von Bothmer studierte Klavier in Berlin und Hamburg. Sein Examen absolvierte er an der Hochschule der Künste in Berlin mit der Note 1,0. Daneben studierte er an der Jazz und Rockschule Freiburg und spielte in zahlreichen Bands. Maren Seemann zeigte sich von von Bothmers Spiel beeindruckt. „Er spielt sagenhaft Klavier“, so Seemann. Dr. Christina Quellmann lobte den humoristischen Aspekt der Darbietung. „Ich habe selten so gelacht“, sagte sie.

Zu den Konzertästen gehörten zudem 15 Flüchtlinge aus Lübeck. Die Jugendlichen durften im Zuge eines Integrationsprojektes das Konzert besuchen und wurden von der Bürgermeisterin begrüßt. „Es ist für uns eine Ehre, das Konzert besuchen zu dürfen“, sagte die für die Flüchtlinge zuständige Ansprechpartnerin Maryam Gardisi.

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