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Hilfscontainer erreicht Nepal nicht : „Glücksgriff“-Chefin Ingrid Pöhland zieht die Notbremse

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Hilfsgüter für Erdbeben-Opfer: „Glücksgriff“-Chefin Ingrid Pöhland zieht Notbremse. Jetzt wird der Aufbau einer Schule vor Ort unterstützt.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2016 | 12:45 Uhr

Schenefeld | Die Schenefelderin Ingrid Pöhland ist ein Stück weit fassungslos: „In Nepal erfrieren Kinder.“ Und die rettende Kleidung, die Schlafsäcke und Decken, die viele Schenefelder vor Monaten gespendet hatten, befinden sich weiter in einem Container in der indischen Stadt Kalkutta. Die groß angelegte Hilfsaktion, die der „Glücksgriff“ nach dem verheerenden Erdbeben 2015 gestartet hatte, wurde am Ende zum Drama – mit eingeschränktem Happy End.

„Glücksgriff“-Chefin Pöhland zieht jetzt die Notbremse. „Der Container wird nicht mehr nach Nepal gebracht. Wir übergeben ihn an eine indische Hilfsorganisation, die die Hilfsgüter an Bedürftige verteilen wird.“ In diesem Punkt ist die Aktion gescheitert. „Das hätte ich nie im Leben gedacht“, gibt Pöhland zu.

Im Juni 2015 war der bis zum Rand gefüllte Container verschifft worden, erreichte einen Monat später Kalkutta. Von hier aus sollte es per Lastwagen weiter in ein kleines Dorf im zerstörten Nepal gehen. Pöhland wollte sogar persönlich vor Ort die Verteilung der Spenden begleiten. Es kam alles anders. Die neu gewählte indische Regierung wollte alle Hilfsgüter selbst weiter leiten. So gab es für das „Glücksgriff“-Team keine Genehmigung, den Container an die deutsche Botschaft zu übergeben. Er steht seit fast acht Monaten in einem Lager. „Die Liegegebühren sind auf 6800 Euro gestiegen“, sagt Pöhland. Der Verein hat die Rechnung bezahlt, um den Container loszueisen. Wann er freigegeben wird, ist laut Pöhland aber noch völlig unklar. Bis zu 5000 Container müssen in Kalkutta abgearbeitet werden.

Die Speditionskosten für den Weitertransport nach Nepal haben sich auf 7000 Euro erhöht. In der Region gibt es laut Pöhland kaum noch Öl und Benzin. Kriegerische Auseinandersetzungen auf indischem Boden erschütterten die Region. Deshalb sei die Entscheidung gefallen, die Hilfsgüter vor Ort zu verteilen.

Doch die Menschen in Nepal sollen trotz aller Widrigkeiten auch von der großen Hilfsbereitschaft der Schenefelder profitieren. Die Liegegebühren hat der „Glücksgriff“ bezahlt. Heißt: Von dem gespendeten Geld ist noch etwas im Topf. Für 1500 Euro wird laut Pöhland Reis gekauft und in einem Dorf in Nepal verteilt. Mit zirka 10.000 Euro soll vor Ort in der Erdbebenregion der Aufbau einer Schule unterstützt werden. So kommt die Unterstützung aus dem Kreis Pinneberg teilweise doch noch in dem zerstörten Land an. Pöhlands Fazit: „Es ist für die großen Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz einfacher, solche Aktionen durchzuführen.“ Am Ende bleibt aber kein Frust bei der Schenefelderin. „Es war eine richtige Entscheidung, zu helfen. Jetzt wird die Schule profitieren.“

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