Verabschiedung : Gastronom, Schulleiter, Pilger

<p>Bürgermeister Niels Schmidt (links, parteilos) bedankte sich bei Kay Jensen für die jahrelange Zusammenarbeit. </p>

Bürgermeister Niels Schmidt (links, parteilos) bedankte sich bei Kay Jensen für die jahrelange Zusammenarbeit.

17 Jahre lang arbeitete Kay Jensen als Schulleiter am Förderzentrum Wedel. Jetzt ist er im Ruhestand.

shz.de von
10. Juli 2018, 16:30 Uhr

„Eigentlich ist es unglaublich. Heute wird unser Schulleiter Kay Jensen verabschiedet“, sagte sein Stellvertreter Thorsten Carstens. Auch für ihn war die Verabschiedung der letzte Tag im Förderzentrum Wedel, der ehemaligen Pestalozzi-Schule (PCS), denn er wird eine neue Stelle in Hamburg antreten.  „Es herrscht Wehmut und Trauer bei uns weil wir mit Dir in Zeiten des Pädagogenmangels einen guten Pädagogen verlieren, aber wir freuen uns auch für Dich, dass Du Deine Freiheit jetzt genießen kannst“, sagte Carstens. Nachdem das Lehrerkollegium das Lied gesungen hatte, das bei jeder Schülerverabscheidung angestimmt wurde, begann der offizielle Teil.

„Nachdem Du angekündigt hattest zu gehen, war es für mich ein virtuelles Ereignis. Dann ging es aber alles schnell“, sagte Dirk Janssen, Schulrat des Kreises Pinneberg. „Für mich ist es unwirklich, mir vorzustellen, dass Du zukünftig auf dem Sofa sitzt und nichts mehr tust. Dir bietet sich nun ein persönlicher Umbruch mit vielen Möglichkeiten.“ Janssen berichtete vom ersten Aktenvermerk Jensens: dem Ausscheiden aus der Bundeswehr nach nur 76 Tagen. „Das lag Dir wohl nicht so und Du konntest dann doch Zivildienst leisten“, sagte Janssen. Im Juli 1979 legte Jensen das Staatsexamen ab. „Dann gibt es zehn Jahre in Deinem Lebenslauf, die nicht dokumentiert sind. Du hast als Gastronom gearbeitet. Ich wusste das gar nicht“, sagte Janssen. Sekunden später lachten die Besucher in der Aula des Förderzentrums laut auf, denn Jensens Enkelin stimmte keck zu: „Ich wusste es auch nicht.“ 

Jensen gab die Gastronomie 1987 auf, als seine Tochter geboren wurde. Sein erstes Referendariat absolvierte er in Schönkirchen, das zweite im offenen Mädchenheim in Selent. „Das war für Dich der Start in die schulische Erziehungshilfe“, sagte Janssen. Am 16. Juni 1988 erhielt Jensen das Staatsexamen und wurde zunächst als Aushilfsangestellter in den Schuldienst eingestellt. „Sowas gab es damals noch“, sagte Janssen. Die Arbeit von Jensen war allerdings noch ungewohnt. „Das war so neu, dass sich der damalige Schulrat regelmäßig Tätigkeitsbescheide von Dir ausstellen ließ“, erinnerte Janssen. Im Jahr 1994 wechselte Jensen an die Gorch-Fock-Schule in Kiel und wurde am 1. September 2001 Leiter der Pestalozzischule in Wedel.

„Du hast die Entwicklung der Integration und gemeinsamen Beschulung teilweise kritisch begleitet. Dein Fokus lag immer auf dem einzelnen Kind und wie Du diesem die bestmögliche Förderung angedeihen lassen kannst“, sagte Janssen. Dies sei manchmal auch am Schulrat vorbei geschehen. „Ich denke, dass das nur Zufall war, wenn da das eine oder andere nicht kommuniziert wurde“, sagte Janssen und erntete vom Lehrerkollegium lautstarkes Gelächter. Janssen zog Bilanz: „Du war ein erfolgreicher Schulleiter.“ Er bedauerte, dass er noch keine langfristige Lösung für die Leitung des Förderzentrums präsentieren konnte, da auch Carstens die Schule verlässt. „Es hat sich aber ein Trio unter der Leitung von Birgit Feddern angeboten, das die Leitung  übernehmen will“, erläuterte Janssen. 

„Heute geht eine Ära zu Ende“, sagte Wedels Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos). Jensen habe die Wedeler Schullandschaft entscheidend geprägt und Kindern, die es schwerer haben, einen Ort geboten, um sich zu entwickeln. „Ich halte es für einen Fehler den Schutzraum dieser Schule abzuschaffen“, betonte Schmidt. Jensen habe sich immer für den Erhalt der Sonderschule eingesetzt, um den Schülern diesen Schutz zu bieten und sich individuell entwickeln zu können. In einem kurzen Video betonten alle Schulleiter aus Wedel und den H-Dörfern die Bedeutung von Jensen für die Arbeit mit Problemkindern.

„Eine sehr lange Zeit als Leiter des Förderzentrums neigt sich dem Ende zu. Das fühlt sich unwirklich an“, sagte Jensen. „Mein Herz und ich sind aber bereit Abschied zu nehmen.“ Das nächste Ziel habe er sich bereits gesetzt. Er plane eine weitere Pilgerreise nach Santiago de Compostela, die in Südfrankreich starten soll. „Ich plane mit zwei, drei Monaten Fußmarsch. Mal sehen, wie es sich anfühlt – nicht das Pilgern ohne Zeitdruck, sondern die Füße.“ Ob er seine Erlebnisse wieder als Buch veröffentliche, sei noch offen. Denn schließlich müsse er einen Krimi beenden. „Da gab es schon einige Nachfragen, denen ich irgendwann gerecht werden muss“, sagte Jensen.

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