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Diskussion in Schenefeld : Ganztagsschule als Allheilmittel?

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Diskussion über Betreuung: Experte Jens Krystek von der Serviceagentur „Ganztägig lernen“ stellt sich den Fragen von 80 Eltern.

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Schenefeld | Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder im Alter zwischen Null und zehn Jahren steigt in Schenefeld weiter an. Könnte eine offene Ganztagsschule die verlässliche Betreuung der Jungen und Mädchen gewährleisten? Diese Frage sollte bei der Info-Veranstaltung diskutiert werden, zu der die Grünen ins Juks eingeladen hatten.

Das Thema traf den Nerv der Schenefelder. 80 Gäste lauschten zunächst dem Experten Jens Krystek von der Serviceagentur „Ganztägig lernen“. Krystek bezeichnete das in Hamburg generell und in Schleswig-Holstein teils eingeführte System als „Chance für Kinder, Jugendliche und Erziehungsberechtigte“. Er stellte diverse Vorzüge der Schulform heraus, darunter etwa die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf – besonders für Alleinerziehende. Der Experte verdeutlichte gegenüber den Eltern aber auch eindeutig, dass die Umsetzung an diversen Einrichtungen höchst unterschiedlich verlaufe. „Es ist immer eine Frage, wie viel Herzblut, Engagement und Geld ich in das Konzept investiere“, so Krystek. Als Vorzüge bezeichnete Krystek diverse Faktoren: die ganzheitliche Erziehung und Bildung, mehr Zeit für individualisiertes Lernen, Öffnung der Schule hin zur Lebenswelt der Kinder. Als Beispiel berichtete er von einer Schule, wo Jugendliche nach der Hausaufgabenbetreuung – anstatt nach Hause zu gehen, noch auf dem Schulhof Fußball spielen. „Es ist schön, wenn das Leben dort so weitergeht“, sagte der Experte.

Mutter Kerstin Schallmaier aus Schenefeld berichtete von eigenen Erfahrungen. Sie schickte ihre Kinder an das Wolfgang-Borchert-Gymnasium in Halstenbek. Dort gibt es bereits seit einem Jahr ein komplett von der VHS Halstenbek organisiertes Ganztagsangebot. Im Zuge von Kooperationen mit VHS, Musikschule, Sportvereinen und Kunstkreis bestünden für Schüler „wahnsinnig viele Möglichkeiten“, ihre Interessen zu verfolgen.

Forderungen an die Politik

Markus Milewski, Vorsitzender des Vereins Rasselbande, versuchte die im Saal vorhandene Euphorie zu dämpfen. Er erinnerte an eine bereits früher in Schenefeld durchgeführte Umfrage, bei der von dem System nicht betroffene Eltern angaben, die offene Ganztagsschule nicht zu wollen. Milewski forderte die Politik insofern auf, sich bei einer Umfrage an Eltern zu wenden, die die Einführung betreffe.

Ein erst seit zwei Jahren in Schenefeld lebender Franzose konnte die Begeisterung für die Ganztagsschule nicht nachvollziehen. Er wusste zu berichten, dass Kinder im Alter von 13 bis 14 Jahren von einem solchen ganztägigen Aufenthalt überfordert seien. „Das klappt alles nur, wenn sich die Eltern engagieren“, so der Franzose.

Grünen-Chef Mathias Schmitz informierte, dass bald eine Arbeitsgruppe eingerichtet werde. „Dort werden wir Ganztagsschulen – beispielsweise in Halstenbek – besuchen, um an deren Erfahrungen teilzuhaben“, so Schmitz. Die Finanzierung einer offenen Ganztagsschule verläuft unterschiedlich. Sie setzt sich zusammen aus Schulträger- und Elternbeiträgen sowie Fördermitteln des Landes. Weitere Infos zur offenen Ganztagsschule gibt es unter www.ganztaegig-lernen.de.

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