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Schenefelder Tageblatt

26. September 2017 | 07:35 Uhr

Fulminanter Abschied auf Platt

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Vorzeige-Vorleser Georg und Ursula Martinsteg ziehen sich aus der ersten Reihe zurück / Gäste begeistern Publikum im Juks

Älns hät sine Tiet. Und die scheune Tiet mit ju geiht hüt to en. Ursula (86) und Georg Martinsteg (85) haben in zehn Jahren 125-mal das Publikum im Juks bei ihren plattdeutschen Lesungen unterhalten. Mit einem fulminanten vergnögten plattdütschen Obend wurden sie nun im Juks verabschiedet. „Leve Fru Martinsteg, lever Herr Martinsteg, ick glöv de Anfang vör zehn Johren wer schwor fö ju, ober dat obhören is noch schworer“, sagte Bürgervorsteherin Gudrun Bichowski (SPD) im vollbesetzten Juks.

Die Liedertafel Frohsinn, die Pinneberger Bühnen sowie die Platt-Schnacker Joki Joachim Theege, Helga-Maria Eickbohm und Jens Wagner begeisterten mit ihren Liedern und Texten das Publikum. Mit Till Eckert (10) aus Halstenbek gab sogar ein Nachwuchstalent eine eindrucksvolle Kostprobe seines Könnens.

Bürgermeisterin Christiane Küchenhof und Bichowski dankten den Ehrenpreisträgern der Stadt für ihre monatlich veranstalteten Lesungen in Schenefeld. Sie betonten, dass die Martinstegs einen wichtigen Beitrag geleistet hätten, um das kulturelle Leben in der Düpenaustadt zu bereichern. „Sie sind verdiente Ehrenpreisträger Schenefelds. Denn sie machten Plattdeutsch zur Sprache unserer Stadt“, sagte die Bürgervorsteherin. „Veelen Dank im Namen der Stadt Schenefeld för de scheune Tied, und ick glöv, Wehmut is op alln Sieden dobie“, sagte Bichowski. Die Wehmut war im Saal deutlich zu spüren. „Sie haben vielen Menschen Freude bereitet“, sagte die Bürgermeisterin. Sie überreichte den Martinstegs zum Dank ein Veranstaltungs-Abo für das Forum. Zahlreiche Plattdeutsch-Fans – wie der Chef des Seniorenbeirats Eckhard Vogelgesang – zeigten sich erleichtert, mit dem Schenefelder Platt-Schnacker Manfred Eckhof bereits einen Nachfolger für die Marathon-Vorleser gefunden zu haben.

Die Martinstegs traten aus Altersgründen zurück. „Man muss seine Grenzen kennen“, sagte Georg Martinsteg, der sich auch viele Jahre im Seniorenbeirat engagiert hatte. Dem Paar war es immer ein Herzensanliegen, die plattdeutsche Sprache am Leben zu erhalten. Beide lernten sich bei einer Tanzstunde in Hamburg kennen. Wie seine aus dem Kreis Lüneburg stammende Frau sprach er bereits in seiner Kindheit, aber auch „auf See“ viel Platt. „Bei den Lesungen haben wir klein mit etwa zehn Leuten angefangen“, erinnerte sich der 85-Jährige. Doch im Schnitt sei später ein Kern von 25 Leuten dabei gewesen. Das Paar recherchierte „immer eifrig“ in der eigenen Bibliothek, welche Geschichten in Frage kamen.

Zu den Platt-Schnackern beim vergnögten Obend gehörten Joki Joachim Theege, Jens Wagner und Helga-Maria Eickbohm. Der aus Neuendorf stammende Joki Theege sang Lieder wie „An der Eck steiht'n Jung mit'n Tüddelband“. Mit viel Spaß stimmten die Gäste ein. Auch Landwirt Jens Wagner zeigte gekonnt, dat man över Landleben un Leev ook op Platt snacken kann. Wie für Theege und Wagner gab es für die Uetersenerin Helga-Maria Eickbohm viel Applaus. Mit Liedern wie „De Heilah“ und „Min Jehann“ sorgte die Liedertafel für einen feierlichen Rahmen. Beim Sketch „Wi wüllt heiroten“ der Pinneberger Bühnen klang der Abend stimmungsvoll aus.




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