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Flüchtlinge in Schenefeld : Für die Stadt gibt es keine Tabus mehr

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Container, Zelte, Ex-Sparzentrale: Stadt prüft alle Optionen, um die Menschen unterbringen zu können. Pro Woche zehn Flüchtlinge.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2015 | 16:15 Uhr

Schenefeld | Eine Krisensitzung jagt die andere, ganz egal ob in Berlin, in Kiel, gestern im Elmshorner Kreishaus und in den Rathäusern der Städte und Gemeinden im Kreis Pinneberg. Die Prognose des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten lässt auch in Schenefeld die Alarmglocken schrillen. Die Stadt wird ab Mitte September zwischen zehn und 15 Flüchtlinge pro Woche aufnehmen müssen. „Das stellt uns alle vor eine enorme Herausforderung“, sagt Bürgermeisterin Christiane Küchenhof. Bis zum Jahresende könnten der Stadt noch einmal bis zu 200 Flüchtlinge zugeteilt werden. Gut 200 haben bereits eine neue Heimat in der Stadt gefunden.

Wohin mit all den Menschen? Bisher hat es Schenefeld verstanden, die Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterzubringen. Doch die Raumkapazitäten sind nahezu erschöpft. Die Stadt prüft zurzeit alle Möglichkeiten. „Angesichts der prognostizierten Zahlen können wir keine Option mehr ausschließen“, betont die Bürgermeisterin. Und so haben die Verantwortlichen im Rathaus längst auch ihre Fühler in Richtung ehemalige Spar-Zentrale am Osterbrooksweg ausgestreckt. Der Betonklotz, in dem früher mehr als 100 Spar-Mitarbeiter tätig waren, steht seit Jahren leer. Er gehört der IVG Immobilien AG. Eine Nutzung des Gebäudes durch das Schenefelder Unternehmen Fabfab war vor Monaten gescheitert. Knackpunkt für eine Umwandlung in eine Flüchtlingsunterkunft könnten die hohen Brandschutzauflagen sein. Doch gerade in diesem Punkt gab es zuletzt Signale aus Berlin, dass bürokratische Hemmnisse abgebaut werden sollen.

Sozialamtschef Axel Hedergott ist täglich mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigt. „Zelte, Container, Neubauten. Wir gehen zurzeit alle Szenarien durch.“ Hedergott lässt sogar prüfen, ob Wohnraum, der über einen längeren Zeitraum leersteht, beschlagnahmt werden kann.

Ein Container-Dorf könnte die Stadt direkt gegenüber der Spar-Zentrale errichten. Denn den ehemaligen Spar-Parkplatz hat Schenefeld im Juli von der IVG gekauft. Dort soll langfristig Gewerbe angesiedelt werden.

Im alten Postgebäude am Heisterweg sollen im ersten Obergeschoss Zimmer und Sanitäranlagen für Flüchtlinge gebaut werden. Doch jetzt rächt sich das Zaudern der Politik. Es brauchte drei Sitzungen, um eine Entscheidung für den Umbau herbeizuführen. Der Bauantrag beim Kreis konnte erst mit Verspätung gestellt werden. Noch fehlt das O.k. aus Elmshorn. Laut Küchenhof wird die Stadt den Antrag erweitern. So könnte das gesamte Obergeschoss des Gebäudes genutzt werden.

Der Flüchtlingsstrom: Nicht nur beim Wohnraum stößt die Stadt an ihre Grenzen, auch bei der Etablierung der Willkommenskultur, die Mitarbeiter des Sozialamts gemeinsam mit vielen engagierten Ehrenamtlichen aufgebaut haben. „Wir müssen aufpassen, dass wir am Ende nicht nur noch die Krise verwalten“, mahnt Küchenhof.

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