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Im Interview : Friederike Pavenstedt - die Gründerin der AG Barrierefreiheit

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

2006 hat Friederike Pavenstedt die AG Barrierefreiheit gegründet. Im Interview spricht sie über die Erfolge und Misserfolge.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 18:12 Uhr

Schenefeld | Friederike Pavenstedt ist täglich mit ihrem Rollstuhl in Schenefeld unterwegs. Sie kennt die Treppen, die Sperren, die Bürgersteige und Türen, die oft behindern – und manchmal auch ausschließen. 2006 gründete sie die AG Barrierefreiheit (AGB), um sich für Menschen mit Handicap, Mütter mit Kinderwagen und Kranke einzusetzen. Den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung hat die AG unterstützt. Pavenstedt hat Barrierefreiheit in Schenefeld zum Thema gemacht.

Frage: Frau Pavenstedt, Sie sind selbst auf den Rollstuhl angewiesen. Wird Ihnen die Teilhabe an unserer Gesellschaft wirklich ermöglicht oder müssen Sie eher darum kämpfen?
Pavenstedt: Ja, ich bin auf den Rollstuhl angewiesen. Es gibt immer wieder Situationen, die Menschen wie mich ausgrenzen. Mittlerweile wird viel für die Barrierefreiheit getan, aber vieles wird auch einfach nicht bedacht und somit muss man immer wieder darauf aufmerksam machen, dass wir Menschen mit Handicap auch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchten und deshalb die Barrieren abgebaut werden müssen.

Sind Menschen mit Behinderung heutzutage stärker im Bewusstsein von Entscheidungsträgern, vor allem in der Politik?
Ich denke schon, aber mit Unterstützung von Initiativen der Menschen mit Behinderungen, die ihre Bedürfnisse darstellen und an die Politiker weitertragen, ist es ertragreicher.

In der AG Barrierefreiheit setzen Sie sich aktiv für den Abbau von Barrieren in Schenefeld ein. Ist Schenefeld auf einem guten Weg? Wo sehen Sie noch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten?
Schenefeld ist auf einem guten Weg. Die AGB arbeitet sehr gut mit der Stadtverwaltung zusammen. Unsere Anliegen werden immer ernstgenommen und nach Möglichkeit auch immer bearbeitet. Manches lässt sich nicht sofort erledigen, aber jeder ist bemüht, die Barrieren zu beseitigen. Ich würde mir wünschen, dass die Teestube im Juks für Rollstuhlfahrer erreichbar wäre. Auch in der Gastronomie gibt es noch viele Defizite. Schön wäre es, wenn bei neuen Planungen generell Menschen mit Behinderungen einbezogen werden würden.

Über was haben sie sich zuletzt geärgert?
Enttäuscht bin ich, dass es abgelehnt wurde, einen zweiten Fluchtweg im Forum einzurichten. Wenn es im Foyer ein Feuer gäbe, hätten Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderungen so gut wie keine Chance. Vor einigen Jahren hat sich die AGB mit der Stadtverwaltung im Forum getroffen und die Situation vor Ort begutachtet. Auf der linken Seite der Bühne sollte es möglich sein. Nun hat ein Feuer- und Brandschutzbeauftragter vom Kreis die Vorrichtung abgelehnt. Ich hoffe sehr, dass niemals etwas passiert.

Sie haben im Jahr 2014 gemeinsam mit der Lebenshilfe Schenefeld und der Stadt ein Vorzeigeprojekt auf den Weg gebracht, um Informationen sprachlich so aufzubereiten, dass sie auch von Menschen mit kognitiven Einschränkungen verstanden werden. Haben Sie den Eindruck, dass das Projekt Früchte trägt?
Wir hoffen immer, dass unser Tun einen Sinn ergibt. Die Rückmeldung, ob der „Barrierefreie Stadtplan“ oder die Aushänge in „Leichter Sprache“ in den Schaukästen gut verstanden werden, haben wir nicht persönlich erhalten, aber wir gehen davon aus, dass es hilfreich ist.

Die „AGB“ ist ein Zusammenschluss zur Selbsthilfe von Menschen mit Behinderungen und Bürgern, die diese Menschen vertreten, und möchte sich um deren Belange kümmern. Die AGB-Sitzungen finden an jedem dritten Dienstag im Monat ab 17 Uhr in der Begegnungsstätte, Holstenplatz 3-5, statt. Friederike Pavenstedt ist unter Telefon 040-8300013 zu erreichen. www.arbeitsgemeinschaft-barrierefreiheit-in-schenefeld.de
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