Flüchtlingshilfe in Schenefeld : „Frauen sind für uns ein Potenzial“

Während die Mütter lernen, spielen die Kinder mit den Betreuerinnen vom Verein Kinderparadies. Kerstin Bendt (vorne links) und Renate Kiesekamp (hinten, Dritte von rechts) leiten den Kursus.
Während die Mütter lernen, spielen die Kinder mit den Betreuerinnen vom Verein Kinderparadies. Kerstin Bendt (vorne links) und Renate Kiesekamp (hinten, Dritte von rechts) leiten den Kursus.

Renate Kiesekamp und Kerstin Bendt leiten Sprachkurse mit Kinderbetreuung für weibliche Flüchtlinge

shz.de von
14. März 2018, 13:15 Uhr

Schenfeld | Die Flüchtlinge in Schenefeld sind angekommen. Hürden wie das Beziehen von Unterkünften sind bewältigt. Doch mit Problemen wie Sprachbarrieren, fehlenden Wohnungen und bürokratischen Schwierigkeiten sind die Herausforderungen an die Integration nach wie vor hoch. Wie ist die Situation in Schenefeld? Die Deutschkurs-Dozentinnen Kerstin Bendt und Renate Kiesekamp sprechen über das Sprachkursangebot mit Kinderbetreuung für geflüchtete Frauen. 

Wie ist das Angebot entstanden?

Kerstin Bendt: Im Sommer 2015 öffnete in Schenefeld das „Willkommenscafé“. Dort sollten Kontakte zwischen alten und neuen Schenefeldern geknüpft werden. Es zeigte sich aber schnell, dass den Flüchtlingen zuerst Sprachkenntnisse vermittelt werden mussten, um sich miteinander verständigen zu können. Die Bedingungen waren für alle schwierig, es war laut und eng im Café. Für die Mütter kam hinzu, dass sie sich um ihre Kinder kümmern mussten. Und während viele Männer und Frauen mit größeren Kindern nach und nach in Sprachkurse gingen, war dies für Mütter mit kleinen Kindern, die es zu beaufsichtigen und zu versorgen galt, in der Regel nicht möglich. Um diese Lücke zu schließen und den geflüchteten Frauen außerdem einen geschützten Raum, auch für Gespräche, anzubieten, in dem sie miteinander ins Gespräch kommen und auch bei Alltagsfragen Unterstützung finden, entwickelte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schenefeld, Ute Stöwing, das Konzept für einen Frauensprachkursus mit Kinderbetreuung.

Haben die geflüchteten Frauen, was das Sprachniveau betrifft, eine ähnliche Ausgangsbasis?
Renate Kiesekamp: Nein, das Sprachniveau ist sehr unterschiedlich. Es gibt studierte Frauen, die Englisch und andere Fremdsprachen sprechen, aber auch Frauen, die in ihrer Heimat nie zur Schule gegangen sind, die auch dort Analphabetinnen waren und deshalb viel größere Schwierigkeiten haben, unsere Sprache zu erlernen.

Wo und wann unterrichten Sie die Frauen?

Renate Kiesekamp: Wir treffen uns montags und freitags vormittags jeweils von 9  Uhr bis 12 Uhr im Förderzentrum Friedrichshulde. Der Kursus läuft seit Mai 2016 fast ohne Unterbrechung. Da das Förderzentrum umgebaut wird und uns die Räume dann nicht mehr zur Verfügung stehen, werden wir demnächst in die Volkshochschule Schenefeld am Osterbrooksweg 35 umziehen. Hier sind wir gerade in der Planung.

Wo sehen Sie bei diesem Unterrichtsmodell Probleme?
Kerstin Bendt: Die größte Herausforderung für uns ist es, allen Teilnehmerinnen trotz ihres sehr unterschiedlichen Sprachniveaus gerecht zu werden, zumal immer wieder neue Frauen dazukommen und wir uns andererseits bemühen, diejenigen Frauen, deren Kinder inzwischen eine Kita besuchen, in offiziellen Kursen mit mehr Unterrichtszeit und einheitlicherem Sprachniveau unterzubringen. Es hat sich aber gezeigt, dass unser Unterricht trotz dieser Schwierigkeit erfolgreich ist und den Frauen Mut macht, sich in diese Kurse zu wagen. Sinnvoll wäre, wenn es bei allen Sprachkursen ein Kinderbetreuungsangebot gäbe, so dass auch Mütter diese Kurse besuchen können, genau wie alle anderen.

Wie kamen Sie zu der Aufgabe als Kursleiterin? Was haben Sie vorher beruflich macht?

Renate Kiesekamp: Ich bin Mutter von zwei erwachsenen Kindern und habe 36 Jahre lang an der Erich Kästner Gemeinschaftsschule in Elmshorn unterrichtet und bin seit zwei Jahren in Pension. Ich möchte etwas Sinnvolles tun und denke, dass die Art und Weise, wie wir mit den Geflüchteten umgehen, in unserer globalisierten Welt und angesichts der Bedrohung durch islamistischen Terrorismus auch Rückwirkungen auf das Bild haben kann, das die Menschen in moslemischen Ländern von uns haben. Ich bin davon überzeugt, dass Jeder etwas bewegen kann. Es macht mir zudem Spaß, mit Menschen aus anderen Ländern in Kontakt zu kommen.
Kerstin Bendt: Ich bin Volkswirtin und war lange in einem großen Unternehmen angestellt. Mittlerweile arbeite ich zeitlich flexibel auf selbstständiger Basis. Da ich die Integration von Zuwanderern in der Vergangenheit zum Teil nicht sehr gelungen fand, möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, dass es diesmal besser klappt. Die Frauen, die wir unterrichten, brauchen einerseits Unterstützung und sind andererseits für unsere Gesellschaft ein großes Potenzial. Für mich persönlich ist der Kontakt zu Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen eine Bereicherung.

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