zur Navigation springen

Friedrichshulde öffnet sich : Förderzentrum investiert sechs Millionen Euro

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Trakt an der Straße wird abgerissen. Einzelne Gebäude für Wohngruppen.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 13:00 Uhr

Schenefeld | Seit mehr als 50 Jahren werden Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten in Friedrichshulde versorgt und therapiert. Sie gehen zur Schule, wohnen in betreuten Gruppen und werden – wenn möglich – beruflich gefördert. Doch die gesamte Pädagogik, der Umgang mit Menschen mit Behinderung und die Betreuung hat sich in den vergangenen Jahrzenten stark gewandelt.

Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden und neue Konzepte umzusetzen, sind auch bauliche Voraussetzungen notwendig. Deshalb investiert das Förderzentrum Friedrichshulde in Schenefeld jetzt viel Geld: „Wir planen einen Komplettabriss und Neubau“, erläutert Matthias Wiggers, zuständig für die pädagogischen Geschäftsführung der Einrichtung. Veranschlagt werden sechs Millionen Euro.

Demnächst wird die Baustelle eingerichtet, im Frühjahr rollen die Bagger, berichtet Wiggers. Die Wohngruppen bleiben zunächst in dem Altbau, während im hinteren Teil des großzügigen Areals vier neue Wohngebäude entstehen. Der Bau des fünften Gebäudes für die Wohngruppen erfolgt nach dem anschließenden Abriss des Altbestands. Dann entsteht auch ein Verwaltungstrakt. „Wenn’s gut läuft, sind wir bis Ende 2019 fertig“, sagt der Geschäftsführer. Die Schule und die alte Schule bleiben ebenso wie die neue Kita bestehen.

Die Gründe, dass Eltern ihren Nachwuchs in die Betreuung einer Wohngruppe geben, sind vielfältig. Es komme vor, dass die Familie merkt, dass sie ihr Kind nicht mehr genug fördern und dem zeitlichen Aufwand nicht mehr gerecht werden kann, erläutert Wiggers. Oder das Jugendamt nimmt verwahrloste oder verhaltensauffällige Kinder aus der Familie.

Ursprünglich war das Zentrum in Friedrichshulde eine Kriegswaiseneinrichtung. Der heilpädagogische Schwerpunkt entwickelte sich über die Jahre. Seit den 2000er Jahren kommen immer mehr verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche. Das liege auch an den Inklusions-Bemühungen. Dadurch hätten Eltern heute eine Wahlfreiheit, so Wiggers. Früher sei der Besuch einer Förderschule immer mit einer Heimunterbringung verknüpft gewesen, da weniger Schulen zur Verfügung standen. Heute gebe es mehr Möglichkeiten. „Für viele Eltern ist das eine ganz schwierige Sache, ihr Kind abzugeben, auch wenn sie die Notwendigkeit sehen.“

Fingerspitzengefühl, enge Absprachen mit den Eltern und feste Bezugspersonen für die Kinder seien entscheidend, so Wiggers. „Wenn die Eltern merken, dass sie das nicht mehr schaffen, ist das innere Verhältnis schon stark belastet. Sie versuchen viel und halten einiges aus“, erläutert der Geschäftsführer. Das Verhältnis müsse dann allmählich verbessert werden. „Eine Besonderheit ist, dass wir sowohl Kinder mit Behinderung und Verhaltensauffälligkeiten gemeinsam betreuen“, sagt Wiggers. „Wir durchmischen die Gruppen bewusst.“ Die Flexibiliät sei ein Alleinstellungsmerkmal.

Beim Thema Inklusion hat Wiggers eine klare Meinung: Die Grundidee sei richtig, die Umsetzung an den Schulen aber teilweise „katastrophal“. Es fehle an finanziellen Mitteln und Fachkräften. „Seitdem es die Inklusion-Bemühungen gibt, ist die Anfrage für Schulplätze gestiegen, weil die Eltern merken, dass das nicht funktioniert.“ Welche Betreuung die richtige ist, sei vom Einzelfall abhängig.

Ausschlaggebend für den Neubau ist die notwendige Modernisierung. In den 1960er-Jahren, als das Gebäude entstand, seien Mehrbettzimmer die Regel gewesen. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Auch sonst verhinderten die baulichen Voraussetzungen, neue Konzepte umzusetzen. Durch einzelne Gebäude könne man sich mehr nach den Lebensrhythmen der Bewohner richten – ohne Lärmbeschwerden und Einschränkungen in dem verschachtelten Gebäude.

Zudem soll das Gelände auch für die Öffentlichkeit optisch geöffnet werden. In der Vergangenheit habe man die jungen Bewohner eher abgeschottet – auch, um sie zu schützen. Heute setze man auf die Öffnung – unter anderem mit regelmäßigen Veranstaltungen und den geplanten Umbau. In dem Zuge plant der Träger auch, Baumpatenschaften mit Schenefeldern einzuführen – damit zusammenwächst, was zusammengehört.

Aktuell gehen 60 Kinder und Jugendliche in die Schule des Förderzentrums Friedrichshulde. Es gibt sechs Wohngruppen mit 55 Bewohnern im Alter zwischen sechs und 18 Jahren. Dazu kommen 20 Krippenkinder in der Biene Sonnenstrahl. Dort spielen auch 20 Mädchen und Jungen in der Elementargruppe. Zudem gibt es eine integrative Gruppe mit 15 Plätzen.
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen