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Grüne Lunge Klövensteen : Einzigartig – aber intensiv in der Pflege

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

2000 Pferde sind in dem Areal unterwegs.

Schenefeld | Viel Grün, großzügige Galoppstrecken und idyllische Reitwege: Der Klövensteen bietet Reitern und Pferden ein besonders großes und gut ausgebautes Reitwegenetz. Vier bis fünf Stunden kann man hier auf 21,4 Kilometern auf dem Pferderücken unterwegs sein. Zahlreiche Reitställe und Vereine siedeln um den Klövensteen: Etwa 2000 Pferde sind nach Angaben der zuständigen Försterei in dem Gebiet gemeldet.

Dieser Schatz bedarf aber aufwendiger Pflege, weiß Liane Raben, Vorsitzende des Vereins „Interessensgemeinschaft der Klövensteen-Reiter“. Die Wege müssen mit Sand aufgeschüttet werden. „Denn wir haben hier einen Wald, der auf moorigem Boden aufgeforstet wurde“, berichtet Raben. „Dadurch ist es sehr feucht und ohne den Sand wären die Wege nicht ganzjährig zu bereiten“, erläutert sie. Würden die Wege in nassen Zeiten erst richtig aufweichen und dennoch beritten werden, verwandelten sie sich in einen Morast. „Ihre Restaurierung wäre dann wesentlich teurer als eine kontinuierliche Instandhaltung“, sagt Raben. Ein zweiter Aspekt, dem die Sandschicht zugute kommt, sei der Schutz der Baumwurzeln.

Dazu setze man sich jährlich mit dem Förster zusammen und bespreche die notwendigen Maßnahmen, zu denen auch das Ausschneiden der Wege oder das Sammeln größerer Steine gehört. „Wir als Verein kommen in erster Linie für das Material auf, die Arbeiten übernimmt das Forstamt“, so Raben.

Der Klövensteen ist ein zertifizierter Wald: Er besitzt sowohl die FSC-Zertifizierung (Forest Stewarship Council) als auch das Siegel Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC), einem standardisierten Zertifizierungssystem des Waldes und seiner Produkte. Dies bringt Pflichten und Auflagen mit sich: „Deswegen dürfen nur noch ausgebildete Fachkräfte Hand an den Wald legen. Das Forstamt erledigt die Arbeiten, wir stellen das Material“, erläutert Raben.

Aber auch das koste schon fast 13.000 Euro jährlich. Denn auch der Sand muss höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Allein das notwendige Zertifikat dafür koste allein 500 Euro. „Nicht einmal alten Sandkastensand dürfen wir nehmen, denn er könnte verunreinigt sein.“ Die nötigen Kosten werden durch die Mitgliedsbeiträge von 15 Euro jährlich der etwa 900 Mitglieder in der Interessensgemeinschaft gestemmt, die ohne Verwaltungsverluste ihrem eigentlichen Bestimmungszweck zugeführt werden: der Güte der Reitwege. Das Geld werde dann als Spende an die Stadt Hamburg abgegeben, die selbst 26.000 Euro in die Wege steckt. Vor dem Hintergrund, dass 2000 Pferde den Klövensteen nutzen, sei die Mitgliederzahl zu klein, meint Raben. „Alle haben eine Erwartungshaltung. Aber selbst etwas tun wollen weniger Leute“, sagt sie. „Gerade im Zuge der Zertifizierung muss der Förster sehr viele Auflagen berücksichtigen“, berichtet die Reiterin. „Da ist es wichtig, dass wir mit einer starken Interessensgemeinschaft mit am Tisch sitzen.“

Tatsächlich sind die Vorschriften, an die sich Förster Nils Fischer zu halten hat, sehr streng: „Mit dem Klövensteen haben wir einen Erholungswald mit einer ganz besonders intakten Natur“, sagt Fischer. „Dass das so bleibt, hat oberste Priorität.“ Darum geht es in den Auflagen durch die FSC und PEFC. Der Klövensteen habe das beste Reitwegenetz in der Region. „Als Forstamt ist es unsere Verantwortung, auf diesen Wegen die Verkehrssicherheit zu gewährleisten“, erläutert er. „Aber durch das Engagement des Vereins, der uns Materialien stellt, sind die Wege in einem so guten Zustand, wie kaum anderswo.“ Vor zehn Jahren, als es noch keine Zertifizierungen gab, sei die Pflege des Waldes noch leichter gewesen. „Aber jetzt dürfen zum Beispiel nur noch bestimmte Maschinen arbeiten, die mit Bioöl betrieben werden, falls etwas passiert“, führt Fischer aus.

Das gute Ergebnis aber zeigt: Die Gespräche und Verhandlungen zwischen Reitern und Förstern sind fruchtbar. Nirgends in der Hamburger Region ist das Reiten so komfortabel wie im Klövensteen. Auch Raben sagt: „Der Klövensteen ist ein Naherholungsgebiet, das außer von uns Reitern unheimlich vielfältig genutzt wird.“ Und das funktioniere. „Es klappt gut, dass die Reiter auf den ausgewiesenen Reitwegen bleiben“, loben sowohl Fischer als auch Raben. „Nur sehr wenige schwarze Schafe gibt es mal“, fügt der Förster hinzu. Wenn er die erwische, gebe es allerdings ein saftiges Bußgeld. Fischer: „Aber dafür gibt es ja das tolle Wegenetz.“

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erstellt am 12.Jul.2017 | 15:38 Uhr

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