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Richtfest auf XFEL-Gelände : „Eine neue Ära in der Forschung“ beginnt in Schenefeld

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Die Erwartungen an das Milliarden-Projekt sind riesig. Ab 2017 soll Anlage Betrieb aufnehmen.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Schenefeld | Um 14.16 Uhr zerschellte das Sektglas an der Mauer des riesigen Gebäudes. Anschließend wurde der Kranz in die Höhe gezogen. „Das ist ein weiterer, großer Meilenstein“, sagte  Massimo Altarelli, European XFEL-Geschäftsführer. Mit 350 geladenen Gästen wurde Mittwoch auf dem XFEL-Gelände in Schenefeld Richtfest für das zentrale Labor- und Bürogebäude gefeiert. Im kommenden Jahr sollen dann 250 Mitarbeiter in das Gebäude einziehen – und Anfang 2017 sollen die ersten Blitze in der 3,4 Kilometer langen Tunnelanlage zwischen Hamburg und Schenefeld erzeugt werden. Wissenschaftler aus aller Welt werden dann nach Schenefeld schauen – und nach Schenefeld kommen. „Hier entsteht der leistungsstärkste Röntgenlaser der Welt. Das ist Forschung der Superlative“, betonte Hamburgs Senatorin für Wissenschaft und Forschung, Dorothee Stapelfeldt (SPD).

Neue Materialien und neue Medikamente sollen entwickelt werden. Denn die 27.000 Röntgenlaserblitze pro Sekunde und eine Leuchtstärke, die milliardenfach höher ist als die besten Röntgenstrahlungsquellen herkömmlicher Art, werden den Wissenschaftlern völlig neue Möglichkeiten eröffnen. So können unter anderem atomare Details von Viren und Zellen entschlüsselt werden.

1,1 Milliarden Euro werden in die Anlage investiert. Zirka 60 Prozent der Kosten tragen die beiden Länder Schleswig-Holstein und Hamburg sowie der Bund. Zweitgrößter Geldgeber ist Russland mit 27 Prozent. Insgesamt beteiligen sich bisher elf Länder an dem Projekt. Großbritannien wird laut Altarelli der zwölfte Partner werden. Die Kleinstadt Schenefeld rückt in den Fokus: „Durch den European XFEL wird Schenefeld zu einem wichtigen Ort für die internationale Wissenschaft“, sagte Martin Meedom Nielsen vom European Council.

Eine Kabine für zwei Dolmetscher. Kopfhörer auf den Tischen für die internationalen Gäste, die musikalisch von einer„Baustellen-Combo“ begrüßt werden. Schon in den kleinen Dinge wird die Größe des Milliarden-Projektes European XFEL deutlich. 350 geladene Gäste feierten Nachmittag an der Holzkoppel in Schenefeld Richtfest für das zentrale Labor- und Bürogebäude auf dem Gelände. Insgesamt werden 1,1 Milliarden Euro in die Forschungsanlage investiert. Auch das Gebäude, das über der unterirdischen Experimentierhalle mit den fünf Tunneln seit April 2014 hochgezogen wurde, verdeutlicht auf den ersten Blick die Dimensionen. „Vom Boden bis zum Dach sind es 28 Meter“, sagte European XFEL-Geschäftsführer Massimo Altarelli. Das seien die Ausmaße eines zehnstöckigen Gebäudes. Davon liegt die Hälfte allerdings unter der Erde. „Damit übertreffen wir das Schenefelder Rathaus“, sagte Altarelli – ohne nachgemessen zu haben.

Den Festakt in dem Rohbau bezeichneten gleich mehrere Ehrengäste als „Meilenstein“. Keine Frage: Für den European XFEL gelten Superlative. „Das ist eines der weltweit revolutionärsten Zukunftsprojekte“, sagte Helmut Dosch, Vorsitzender des Desy-Direktoriums. Das Gelände in Schenefeld werde zum internationalen Mekka der Forschung. „Wenn ab 2017 die ersten Blitze erzeugt werden, beginnt eine neue Ära in der Forschung.“

Forscher aus aller Welt schauen nach  Schenefeld

Rolf Fischer, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in Schleswig-Holstein, sprach von einem der wichtigsten Infrastrukturprojekte im Bereich der Wissenschaft. „Damit sind große Erwartungen verbunden.“ Er lobte die großartige Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein, um diese internationale Spitzenforschung zu ermöglichen. „Die Akzeptanz vor Ort ist die Basis für die Zusammenarbeit. Mein Dank geht an die Stadt Schenefeld und den Kreis Pinneberg.“

Gestern wurde auf dem XFEL-Gelände mit Sekt gefeiert. Hinter den Kulissen geht es zurzeit aber auch darum, zwei wichtige, kleinere Bausteine zu realisieren. Wie berichtet, versucht die Stadt gemeinsam mit XFEL Geldgeber für ein Besucherzentrum zu finden. Zudem gibt es konkrete Pläne, an der Holzkoppel ein Gästehaus für die Wissenschaftler aus aller Welt und eine Kantine zu bauen.

Das Milliarden-Projekt European XFEL: Es umfasst eine 3,4 Kilometer lange Tunnelanlage, in der ab 2017 extrem kurze und intensive Röntgenblitze erzeugt werden sollen. Die Leuchtstärke der Blitze soll so hell sein, dass damit 3D-Aufnahmen auf atomarer Ebene möglich werden. Von den Baukosten in Höhe  von 1,1 Milliarden Euro tragen der Bund, Hamburg und Schleswig-Holstein den Löwenanteil von knapp 60 Prozent. Zweitgrößter Geldgeber ist Russland mit 27 Prozent, der Rest verteilt sich auf andere internationale Partner. Gebaut wird das Projekt von der European XFEL GmbH, deren einziger Gesellschafter das Deutsche Elektronen-Synchrotron (Desy) ist.
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