Eine Drohne für ganz kleines Geld

Zur Fundsachenversteigerung unter der Leitung von Auktionator Rainer Brinkmann auf dem hinteren Parkplatz des ehemaligen Postgebäudes Heisterweg versammeln sich dieses Jahr nur rund 30 Teilnehmer.
Zur Fundsachenversteigerung unter der Leitung von Auktionator Rainer Brinkmann auf dem hinteren Parkplatz des ehemaligen Postgebäudes Heisterweg versammeln sich dieses Jahr nur rund 30 Teilnehmer.

Zwischen Mitleid und Schnäppchen: Bei der Fundsachenversteigerung der Stadt Schenefeld kommt so einiges unter den Hammer

shz.de von
25. August 2018, 16:47 Uhr

„Eine Drohne, Startgebot ein Euro“, ruft Rainer Brinkmann mit kräftiger Stimme. Eigentlich ist er bei der Stadt Schenefeld als Hausmeister tätig, doch seit einigen Jahren stellt er einmal jährlich sein Können als Auktionator unter Beweis. Jeden einzelnen Gegenstand präsentiert er mit viel Engagement – auch wenn die diesjährige Fundsachenversteigerung nur rund 30 Teilnehmer zählt. „Es sind so wenige, wie noch nie“, berichtet Karin Bormann, die seit etwa 15 Jahren die jährliche Auktion der Stadt Schenefeld abhält. Am Wetter kann es diesmal nicht liegen, denn das zeigt sich zur Versteigerung auf dem Parkplatz des ehemaligen Postgebäudes Heisterweg von seiner Sonnenseite. „Auch das gab es noch nie. Normalerweise regnet es immer. Vor ein paar Jahren ist sogar die Bürgermeisterin für einen Moment eingesprungen, weil wir vom Regen schon so pitschnass waren“, erinnert sich die Verwaltungsfachangestellte.

Heute preist das eingespielte Auktions-Trio Karin Bormann, Rainer Brinkmann und Michaela Gräper, ebenfalls von der Stadt Schenefeld, die Regenschirme kurzerhand als „Sonnenschirme“ an, um den Verkauf anzukurbeln. Doch von acht Schirmen schafft es nur einer über den Ladentisch – für das Mindestgebot von einem Euro. Auch für die Drohne, die zugegebenermaßen etwas mitgenommen aussieht, meldet sich niemand. „Es macht ja auch Spaß. Wenn wir es schaffen, kommen wir jedes Jahr“, erzählt eine Besucherin aus Pinneberg. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern freut auch sie sich heute über einige Ein-Euro-Schnäppchen. So richtig in Fahrt kommen die Gebote erst, als es um Fahrräder geht. Dabei wird das Tageshöchstgebot von 100 Euro erzielt.

Die angebotenen Fundsachen stammen aus verschiedenen Stellen im Stadtgebiet wie Schulen, Stadtverwaltung oder Polizei. Findet sich innerhalb von sechs Monaten kein Eigentümer, werden sie zur Versteigerung freigegeben. Einmal im Jahr, in der ersten Woche nach den Sommerferien, findet die Auktion statt. Bezahlt wird in bar gegen Quittung. Teilnehmen kann jeder – bis auf das Auktionsteam selbst. Das eingenommene Geld kommt der Stadt zugute. Für dieses Jahr waren das ganze 666 Euro. Laut Bormann ein durchschnittlicher Betrag. „Wir hatten auch schon einmal über 1000 Euro“, fügt sie hinzu. Alle nicht verkauften Gegenstände werden anschließend an den Secondhand-Laden „Glücksgriff“ gespendet, nochmal zum Verkauf ins Netz gestellt oder verschrottet.

Ich selbst hatte mich vom Auktionsfieber bereits bei einer Sonnenbrille anstecken lassen – und schlug zu. Und bevor die Drohne noch ihr Schicksal auf dem Bauhof ereilt, lasse ich mich zu meinem zweiten Schnäppchen an diesem Tag verleiten und erstehe sie nachträglich doch noch für das Mindestgebot.

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