Ein Zertifikat für die Energie-City

Bundesweit gibt es nur drei Musterkommunen. Bürgermeisterin Christiane Küchenhof will 2015 auch die Unternehmen und die Bürger für das Energiesparprojekt begeistern.
Bundesweit gibt es nur drei Musterkommunen. Bürgermeisterin Christiane Küchenhof will 2015 auch die Unternehmen und die Bürger für das Energiesparprojekt begeistern.

Musterkommune, Stadtkern, Flüchtlinge, Aldi-Standort und Stadtbahnanschluss: Bürgermeisterin Christiane Küchenhof im Interview

shz.de von
10. Januar 2015, 15:43 Uhr

Frage: Frau Küchenhof, Sie haben 2015 zum Energiejahr ausgerufen. Was erhoffen Sie sich davon?
Küchenhof: Schenefeld ist Energieeffiziente Musterkommune und wird in diesem Jahr zertifiziert. Wir haben überprüft, wie wir in den öffentlichen Gebäuden Energie einsparen und den Kohlendioxidausstoß verringern können. Das ist aber nur die eine Seite. Wir wollen auch die Wirtschaft und die Bürger motivieren, selbst aktiv zu werden. Man kann auch mit wenig Aufwand Energie und damit Geld sparen – und etwas für die Umwelt tun.

Laut Gutachten müsste die Stadt 3,5 Millionen Euro in die energetische Sanierung des Schulzentrums stecken. Haben Sie Angst, dass Ihnen das Projekt finanziell über den Kopf wächst?
Nein. Unseren Haushalt haben wir im Blick. Wenn die Umsetzung der Maßnahmen unsere Möglichkeiten übersteigt, müssen wir nicht alle wünschenswerten Vorhaben realisieren. Fakt ist: Energiesparen kostet im ersten Schritt viel Geld. Im zweiten Schritt rechnet es sich.

In diesem Jahr beginnt die Stadt mit dem Millionen-Projekt Stadtkerngestaltung. Können die Bürger wirklich mitgestalten?
Bürger können grundsätzlich immer mitreden und sich einbringen. Wir werden auch beim Stadtkern ein entsprechendes Angebot machen. Wichtig ist: Nicht alle Wünsche werden sich erfüllen lassen.
Durch die Aufnahme ins Städtebauförderprogramm kann in den nächsten Jahren viel Geld nach Schenefeld fließen. Doch das Tempo der Umsetzung bestimmen Bund und Land. Kann das zum Problem für Schenefeld werden?
Ich sehe das nicht als Problem, sondern als Herausforderung.

Haben Sie die Hoffnung, dass sich das gewünschte Dienstleistungsgebäude, in dem Bücherei, Sozialberatung und Bürgerbüro eine neue Heimat finden sollen, trotzdem schnell realisieren lässt?
Diese Hoffnung habe ich in der Tat. Ich glaube, dass sich für dieses Vorhaben auch Investoren finden, so dass sich vielleicht schon innerhalb von fünf Jahren das neue Dienstleistungsgebäude realisieren lässt. Vorher muss aber natürlich die politische Entscheidung fallen, ob es denn wirklich ein Neubau werden soll oder der Einzug in die ehemalige Post.

Die vierspurige LSE zerschneidet Schenefeld dort, wo Sie eine neue Mitte errichten wollen. Die Stadt kann beim Land nicht einmal Tempo 30 vor einer Grundschule durchsetzen. Glauben Sie ernsthaft, dass Sie bei der LSE einen Rückbau durchsetzen können?
Ihre trennende Wirkung wird die LSE nie verlieren. Ob man einen einspurigen Rückbau durchsetzen kann, ist der Blick in die Glaskugel. Schenefeld muss sich darauf einstellen, dass auf die Stadt durch den Bau der Pinneberger Westumgehung und den A7-Ausbau noch mehr Verkehr zukommt. Unter diesem Gesichtspunkt bin ich sehr skeptisch, dass wir bei der LSE Entscheidendes bewegen können. Es ist eine Landesstraße. Die Entscheidungshoheit liegt nicht bei der Stadt Schenefeld.

Friedhof und Landschaftsschutzgebiete: 2014 war das Jahr der Bürger-Entscheidungen. Wenn es um die Gestaltungsmöglichkeiten geht – sind Bürgerentscheide für Sie als Bürgermeisterin eher Fluch oder Segen?
Bürgerentscheide halte ich grundsätzlich für gut. Die Bürger sind mündig und wissen genau, was sie wollen. Gerade beim Thema Friedhof war es richtig, die Bürger entscheiden zu lassen. Diesen Vorschlag hatte die Verwaltung schon vor Jahren gemacht. Damals hat die Politik einen Bürgerentscheid noch abgelehnt.

In einem Punkt übe ich aber Kritik an der neuen Gesetzgebung. Bürgerentscheide sind auch bei der Aufstellung von Bebauungsplänen und Flächennutzungsplänen möglich. Dadurch wird die Planungshoheit der Kommunen erheblich eingeschränkt – und das halte ich für bedenklich.

Auch Schenefeld muss immer mehr Flüchtlinge aufnehmen. Haben Sie die Befürchtung, dass in Ihrer Stadt die Kultur des Willkommenheißens in Ablehnung umschlagen könnte?
Nein. Ich habe in Schenefeld von Anfang an eine Welle der Hilfsbereitschaft erlebt. Die Willkommenskultur war das Schwerpunktthema auf dem Bürgerkongress. Die Menschen flüchten vor Krieg, Folter und Armut. Wir haben eine Verpflichtung, sie zu unterstützen. Die Tafel, der Glücksgriff, unsere Sozialarbeiterin, das Freiwilligen Forum und die Sozialberatung haben sich auf diese Situation eingestellt. Die Politik hat entschieden, für die Stelle eines Migrationsbeauftragten Geld in die Hand zu nehmen.
Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Bürgern, die uns helfen, die Stadt zum Beispiel bei der Unterbringung der Flüchtlinge unterstützen.

Sie haben also keine Angst, dass sich in Schenefeld Fremdenfeindlichkeit ausbreiten könnte?
Wir bieten keinen Nährboden für Rechtsradikalismus. Das zeichnet Schenefeld schon immer aus.

Am 15. Februar sind in Hamburg Bürgerschaftswahlen. Gucken Sie vor dem Hintergrund der U-Bahn-Pläne für Hamburgs Westen ganz genau hin oder halten Sie den Bahnanschluss für Schenefeld für ein Hirngespinst?
Dass eine U-Bahn in Schenefeld hält, halte ich nicht für realistisch. Die Stadtbahn-Pläne dagegen schon. Insofern schaue ich natürlich nach Hamburg und die dortigen politischen Mehrheiten. Nicht nur ich, auch mein Vorgänger hat einen Stadtbahnanschluss Schenefelds in Hamburg immer wieder thematisiert. Früher ist die Straßenbahn ja schon bis zum Schenefelder Platz gefahren. Wieso sollte das nicht wieder möglich sein?

Aldi möchte den Markt im Dorf vergrößern. Es gibt aber kaum Flächen. Besteht die Gefahr, dass das Dorf seinen letzten Nahversorger verliert?
Das ist in der Tat ein großes Problem. Der Markt ist vor allem für die älteren Menschen im Dorf wichtig. Aldi hat aber gerade die Option gezogen, den Mietvertrag zu verlängern. Kurzfristig wird also nichts passieren. Ein Weggang von Aldi würde auch den übrigen Einzelhandel im Dorf treffen. Wir arbeiten an Lösungen. Aber unsere Möglichkeiten sind beschränkt.

Die Stadt möchte ein Radwegkonzept erarbeiten. Sie sind am liebsten mit dem Rad in Schenefeld unterwegs. Sind die Radwege und die Verbindungen wirklich so schlecht?
Die Verbindungen finde ich nicht so schlecht. Der Zustand ist von sehr gut bis stark verbesserungswürdig.
Die Stadt hilft den Bürgern bei der Rohrprüfung. Sie müssen 2015 im Wasserschutzgebiet beginnen. Was müssen die Bürger tun?
Wir werden die Bürger noch einmal anschreiben. Diesmal aber quartiersweise. Wir werden dann auch Kostenschätzungen liefern, und die Bürger müssen sich verbindlich bei der Stadt anmelden. Wir müssen und werden in diesem Jahr mit den Rohrprüfungen beginnen.







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