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Schenefelder Tageblatt

11. Dezember 2017 | 09:22 Uhr

Ein Lebenswerk geht in Flammen auf

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Brand Einsatzkräfte werden nach Feuer in der Sportwelt Schenefeld stundenlang in Atem gehalten / Schaulustige verzögern Arbeiten

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 16:30 Uhr

Der Rauch ist von Pinneberg aus zu sehen. Immer wieder ertönen die Sirenen der Feuerwehren. Nach und nach kommen immer mehr Einsatzkräfte ins Schenefelder Industriegebiet an der Holzkoppel. Auch die Hamburger Berufsfeuerwehr rückt an, um die Kollegen zu unterstützen. Gestern kurz nach Mittag steht das Sport- & Kongresszentrum RCS Racket Center Sportwelt in Schenefeld komplett in Flammen. Später fällt Asche vom Himmel. Verbrannte Überreste des Sportzentrums.

Mehr als 300 Einsatzkräfte aus der Region versuchen zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Einige Helfer ziehen ihre Atemschutzausrüstungen an, um sich für den dichten Qualm zu wappnen. Per Funk werden die Einsatzkräfte koordiniert.

Der 84-jährige Inhaber der Sport Welt, Jan Timmermann, steht kurz nach dem Brand völlig neben sich. „Ich kann dazu jetzt gar nichts sagen, außer, dass wir das natürlich bedauern. Das ist schlimm“, sagt er nur. Auch Studioleiter Anthony Christian, der die Löscharbeiten aus sicherer Entfernung von der anderen Straßenseite mitverfolgt, ist fassungslos, den Tränen nah: „Mein Zuhause ist weg.“ Immer mehr Menschen strömen zum Einsatzort. Schaulustige filmen die schwarze Rauchsäule, die den Himmel ausfüllt. Die Polizei versucht, die Menschen vom Gelände fern zu halten, damit die Feuerwehr ihrer Arbeit nachkommen kann. Später beklagen die Beamten, dass die Gaffer die Rettungsarbeiten erschwert haben. Restaurantgäste sollen sich nach Augenzeugenberichten sogar geweigert haben, das Lokal zu verlassen, da sie das Essen ja schließlich bezahlt hätten.

An der Einsatzstelle stehen aber nicht nur Schaulustige herum, sondern auch Betroffene. Der Schenefelder Eberhard Sickert steht in Sportklamotten hinter der Absperrung. Ein Handtuch hängt über seiner Schulter. Er hatte gerade seine Geräteübungen beendet, als er zusammen mit einigen anderen Sportlern von Übungsleitern wegen der Rauchentwicklung durch die Hintertür aus dem Gebäude geschickt wurde. „Einer kam nur mit einem Handtuch heraus, weil er gerade in der Sauna gewesen war“, berichtet der Augenzeuge.

Sickert habe vom Parkplatz aus beobachtet, wie Gasflaschen aus dem Gebäude getragen wurden, während sich die Flammen immer weiter ausbreiteten. Es habe mehrere Knalle gegeben. „Alles, was vorhin noch da war, ist jetzt möglicherweise verbrannt“, sagt er. Seine persönlichen Gegenstände seien noch in dem Gebäude.

Frithjof Siegmann arbeitet im Industriegebiet. Wie viele Schenefelder eilte er zur Brandstelle. Er habe durch sein Bürofenster die vorbeifahrenden Feuerwehrfahrzeuge gesehen. „Die fahren ja ganz ordentlich Geräte auf“, kommentiert er, während ein weiteres Einsatzfahrzeug in die Straße einbiegt.

Eine andere Anwohnerin berichtet: „Eine Freundin meiner Mutter hat bei uns geschellt und es uns gesagt. Wir sind jetzt hier, um zu gucken, was passiert ist. Mein Bruder trainiert hier, Gott sei Dank war er gerade nicht drin.“

Auch Bürgermeisterin Christiane Küchenhof eilt zur Sport Welt, um sich ein Bild zu machen. Entsetzt blickt sie auf das, was von der Halle noch übrig ist. „Die Timmermanns sind geschockt. Ihr Lebenswerk wurde vernichtet.“

Bis in den Abend dauern die Löscharbeiten. Danach geht es ans Aufräumen. Das Ende eines schrecklichen Tages. Die Zukunft des Zentrums ist unklar. Bei Google ist bereits kurz nach dem Ausbruch des Brands zu lesen, dass das Sportzentrum in Schenefeld dauerhaft geschlossen ist. Ob das den Tatsachen entspricht, wird sich aber wohl erst in den kommenden Tagen zeigen.



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