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Altmann-Lagerhallen in Schenefeld : Ein Jahr ohne Strom

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Die Mieter verlassen das sinkende Schiff: Trotz Einigung mit dem Stromanbieter Eon bleibt es in der Immobilie dunkel. Da hilft nur Galgenhumor - und ein Glas Sekt.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Dienstag, 10.41 Uhr: Karsten Drebelow beendet für sich das Strom-Drama am Kiebitzweg. Er legt Jan Raabe, Geschäftsführer der Nordring Hausverwaltung, die Kündigung auf den Tisch. Ein Jahr ohne Strom : Der 48-Jährige hat die Schnauze voll – gestrichen voll. Seit zwölf Monaten braucht er eine Taschenlampe, wenn er auf Klo geht. Seit zwölf Monaten sind Licht und Heizung in der 1600 Quadratmeter großen Lagerhalle aus. Seit zwölf Monaten ist es im Vorraum seiner Druckerei am Kiebitzweg dunkel. Denn die Notstromversorgung reicht nicht aus. „Das ist reine Schikane“, sagt der Schenefelder. Er zieht mit seiner Druckerei im Januar in den Osterbrooksweg. Auch der Malereibetrieb Nehlsen verlässt genervt den Kiebitzweg, die Halle ohne Strom. Das „Stöberstübchen“ musste schon längst schließen.

Rückblick: Am 1. Oktober 2012 schaltet das Energieunternehmen Eon den Strom in dem Gewerbekomplex des Unternehmers Max Altmann ab. Es geht um unbezahlte Rechnungen in Höhe von 100 000 Euro. Nach heftigem Streit kommt es im Juni zu einer Einigung, die auch Drebelow und die anderen Mieter – das Unternehmen pro derm, einen Trockenbauer, den Glücksgriff und zwei Maler – hoffen lässt. E.on verzichtet auf einen Teil der Forderungen, die Hälfte der Restschuld zahlt Altmann sofort, den Rest in Raten. Der Strom soll wieder fließen. Er tut es bis heute nicht.

Dienstag, 10.50 Uhr: Jan Raabe sitzt mit der verantwortlichen Hausverwaltung in Schenefeld nur einen Steinwurf entfernt an der Fünf-Finger-Kreuzung. Er bestätigt die mit E.on getroffene Vereinbarung. Die Hausverwaltung sei ihren Verpflichtungen auch nachgekommen – der Strom für die Immobilie werde aber trotzdem nicht wieder eingeschaltet. „Die Halle ist gar nicht vermietet“, behauptet der 39-Jährige. Die Baustromversorgung reiche für den Rest aus. Strom in der Halle würde die Kosten enorm in die Höhe treiben. „Das Objekt soll sowieso verkauft und abgerissen werden“, sagt Raabe. Kein Geheimnis: Altmann hatte bereits vor Monaten erste Pläne vorgelegt.

Die Halle nicht vermietet: Drebelow fasst sich an den Kopf. „Natürlich ist sie vermietet. Die wollen uns totschweigen.“ Lügt Raabe? Glücksgriff–Chefin Ingrid Pöhland bestätigt, dass sie einen Vertrag hat, Mieterin ist. „Aber seit der Strom weg ist, zahlen wir nicht mehr“, sagt Pöhland. Sie kann ihren Lagerraum ohne Licht seit einem Jahr nicht mehr nutzen. Auch der Glücksgriff wird die Altmann-Immobilie zum Jahresende verlassen. Seit Monaten fragt sich Drebelow, was hinter dem Treiben der Hausverwaltung steckt. „Wenn man uns los werden wollte, hätte man ganz regulär kündigen können.“

Drebelow lässt zurzeit prüfen, ob er Schadenersatzforderungen stellen kann. „Mir ist eindeutig ein wirtschaftlicher Schaden entstanden“, sagt der Unternehmer. Ein Jahr ohne Strom: Darauf stößt Karsten Drebelow mit einem Glas Sekt an. Dieses Strom-Drama lässt sich nur noch mit viel Galgenhumor ertragen.

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