Mitgefühl für ein verlorenes Schaf : Ein Gottesdienst der besonderen Art in Schenefeld

Nach dem Gottesdienst bewirteten Hilde Krauß (von links), Pastorin Rinja Müller, Anne Woest und Elke Hummitzsch die Besucher mit Kaffee und Kuchen.  Fotos: Stolzenberg
Nach dem Gottesdienst bewirteten Hilde Krauß (von links), Pastorin Rinja Müller, Anne Woest und Elke Hummitzsch die Besucher mit Kaffee und Kuchen. Fotos: Stolzenberg

80 Besucher waren in die Stephanskirche zum Gottesdienst mit einfacher Sprache gekommen.

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18. Juni 2018, 12:30 Uhr

Schenefeld | Etwa 80 Frauen und Männer erlebten in der Stephanskirche einen ungewöhnlichen Gottesdienst. Eine Predigt und alle Ansagen in sogenannter „einfacher Sprache“. Zwischen den einzelnen Liturgieteilen schmetterte Peter Runcks Inklusions-Chor immer wieder ansteckend fröhlichen Gesang in den Sonntagmorgen. „Es darf geklatscht werden“, ermunterte eine Kirchgängerin die übrigen Gläubigen am Ende, weil viele sich erst nicht recht trauten, in der Kirche Beifall zu bekunden. Dann aber brach begeisterter Jubel aus.

Pastorin Rinja Müller hatte die Sache mit der „einfachen Sprache“ gründlich geübt. Subjekt, Prädikat, Objekt, kein Nebensatz. Einfacher geht’s nicht. Und immer wieder Pausen, damit jeder Zeit hatte, das Gehörte in Ruhe zu verarbeiten. So begrüßte sie die Gemeinde, so hielt sie ihre Predigt, so trug sie die verschiedenen Ankündigungen vor.

Chorleiter Peter Runck begeisterte mit seinem Inklusions-Chor in der Stephanskirche
Karl-Heinz Stolzenberg
Chorleiter Peter Runck begeisterte mit seinem Inklusions-Chor in der Stephanskirche
 

Ungewöhnlich viele Menschen mit Behinderungen hatten in den Kirchenbänken Platz genommen, denn dies war ein Gottesdienst, in den die Schenefelder Lebenshilfe sich aktiv eingebracht hatte. Für die dort betreuten Frauen und Männer eine Abwechslung, die sie erfrischend unbekümmert, mit unverhohlener Freude, aber auch mit tiefer Anteilnahme genossen. Da war etwa der Predigttext, den Küsterin Elke Hummitzsch vortrug, die Geschichte von Jesus, der mit sündigen Zöllnern zu Tische saß, sehr zum Missfallen der gesetzestreuen Schriftgelehrten, denen der Gottessohn dann mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf die Leviten las.

Diese Geschichte ging einigen sehr zu Herzen. „Oh Nein! Oh mein Gott!“, rief ein entsetzter Mann, als das Schaf sich immer weiter verirrte. Umso erleichterter die Bravo-Rufe, als der Schäfer das verängstigte Lämmchen fand und es sich um die Schultern legte.

Klönschnack mit Kuchen

Später antwortete ein lautstarkes und enthusiastisches „Jaaaa!“ aus vielen Kehlen auf Müllers Ankündigung, dass es im Anschluss an den Gottesdienst Kuchen zu essen gebe. Den Kuchen hatten Angehörige der Gemeinde selbst gebacken, unter ihnen auch Anne Woest von der Lebenshilfe, die diesen besonderen Gottesdienst mit eingefädelt hatte.

Inge Krauß und Marianne Wulff hatten den Gemeindesaal für den Klönschnack bei Kaffee und Tee liebevoll hergerichtet, und sie sorgten auch dafür, dass keine Tasse lange leer blieb. Inge Rüpcke half ebenfalls mit, ebenso wie Küsterin Hummitzsch.

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