Reiseleiterin und Repräsentantin : Ein bisschen Spanien in Schenefeld

Im Wohnzimmer von Dörte Weykonath-Grimm hängen Bilder von David Callau Gené.
Im Wohnzimmer von Dörte Weykonath-Grimm hängen Bilder von David Callau Gené.

Dörte Weykonath-Grimm vertritt den spanischen Künstler David Callau Gené.

shz.de von
22. Mai 2018, 12:15 Uhr

Schenefeld | Normalerweise verliebt man sich in ein Land, wenn man es besucht. Bei der Schenefelderin Dörte Weykonath-Grimm begann es mit der Sprache: „Ich mochte Spanisch schon immer so gern hören. Die Sätze klingen klar und ehrlich“, sagt sie. „Und Fernweh hatte ich auch seit ich denken kann.“ Ganz klar, dass sie sich als junges Mädchen bei dem Angebot, in Madrid einen Sommer-Sprachkursus zu belegen, sofort angesprochen fühlte. Mit viel Elan, ohne finanzielle Rücklagen und mit der Aussicht auf ein Zimmer in einer Pension, deren beste Zeiten lange vorbei waren, fand sich die junge Frau dann in Madrid vor einem Pappschild wieder. Auf dem wurde ihr lapidar mitgeteilt, dass der Sommer-Sprachkursus leider ausfalle, weil sich zu wenig Teilnehmer angemeldet hätten.

Spätestens jetzt wäre bei den meisten die Begeisterung für Spanien geschmälert worden. Nicht so bei Weykonath-Grimm. Sie war so fasziniert von der Stadt, der Sprache und dem Entgegenkommen der Menschen, dass sie wild entschlossen war, zu bleiben. Durch erste Kontakte bekam sie dann auch tatsächlich einen Job und brachte drei Schülerinnen Deutsch bei: „Das Beste war, dass ich durch die Mädchen auch Spanisch gelernt habe.“

Unterstützung von Mitmenschen

Weykonath-Grimm hatte Glück, traf immer wieder auf Menschen, die sie darin unterstützten voran zu gehen. So war sie bei einem Reiseveranstalter angestellt, hat in der Stadt Salou Immobilien verkauft. Dann folgte der Job als Sekretärin beim Direktor der Firma Deutz, danach beim Finanzdirektor von Osram. „Ich war positiv, hatte Lebensfreude. Da läuft es wie von selbst“, erinnert sie sich. „Als ich dann meinen Mann kennenlernte, sind wir wieder nach Deutschland gezogen.“ Eigentlich wollte das Paar von dort aus wieder weiter in die Welt, aber dann wurde Cora geboren, vier Jahre später Cosima. Um den Töchtern ein sicheres Fundament zu bieten, blieb die Familie in Schenefeld.

Anfang der Neunziger Jahre änderte sich dann alles: Von einem Tag auf den anderen brach die Welt von Weykonath-Grimm durch einen tödlichen Unfall ihrer Eltern zusammen. Als auch noch die Trennung von ihrem Mann anstand, war das „Neunziger-Drama“, wie sie es nennt, komplett. „Ich war traurig und ohne Zukunftsperspektiven“, erinnert sie sich. Bis eine Freundin sie zu einer Malreise nach Spanien überredete. „Meine Therapie. Die Lebensgeister kehrten zurück. Dann absolvierte ich eine Kurzausbildung als Reiseleiterin.“

Sie überstand das „Neunziger-Drama“

Weykonath-Grimm begleitete Urlauber nach Skandinavien, erklärte ihnen la dolce vita in Italien oder sorgte in Spanien für passende Tickets und die Hotelzimmer. Das hat ihr zwar gefallen, aber besonders die Spanien-Rundreisen empfand sie zunehmend als schlecht organisiert: „Das kann ich besser“, dachte sie.

Seitdem arbeitet Weykonath-Grimm selbstständig und bietet regelmäßig Spanienreisen mit persönlicher Note an. „Viele der Teilnehmer kommen immer wieder mit“, freut sie sich. Auf einer dieser Reisen hat sie den Maler David Callau Gené aus Cambrils kennengelernt. Weykonath-Grimm, die sich acht Jahre im Schenefelder Bürgerverein als zweite Vorsitzende engagiert hat, bewies einen guten Instinkt: „Ich war von seinen Bildern sofort tief beeindruckt“, sagt sie und half dem Künstler, Kontakte zu Hamburger Galerien aufzubauen.

Dörte Weykonath-Grimm ist die offizielle Repräsentatin von dem Künstler David Callau Gené.
Dörte Weykonath-Grimm
Dörte Weykonath-Grimm ist die offizielle Repräsentatin von dem Künstler David Callau Gené.

Inzwischen ist Weykonath-Grimm in Deutschland Callau Genés offizielle Repräsentantin. Und der Künstler wird jetzt als einer der besten zeitgenössischen Maler Kataloniens gehandelt. Natürlich machen die Reisegruppen der 68-Jährigen in Callau Genés Atelier Station. „Das ist einfach großartig. Er ist so gastfreundlich und zeichnet oft für jeden noch ein kleines Bild.“ Weykonath-Grimm hat ein zu großen Teilen autobiografisches Buch geschrieben, das erzählt, wie ihr nach vielen Jahren als Mutter und Hausfrau der Wiedereinstieg in die Reiseleitertätigkeit geglückt ist. Titel: „Was sind denn wohl calcots?“

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