Schenefeld : Diese Stadt hilft den Flüchtlingen

Die künftigen Helfer tragen sich in Listen ein.
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Die künftigen Helfer tragen sich in Listen ein.

Willkommenskultur: 80 Schenefelder wollen sichintensiv engagieren.

shz.de von
23. Januar 2015, 10:00 Uhr

Schenefeld | Kein Durchkommen. Kein freier Stuhl. In der Begegnungsstätte des Rathauses drängen sich am Mittwochabend 80 Schenefelder Bürger. Sie wollen helfen, sich einsetzen und engagieren – für die Flüchtlinge, die in ihrer Stadt eine neue Heimat finden. „Ich bin sprachlos und überwältigt“, sagt Bürgermeisterin Christiane Küchenhof. Die Stadt hat zu diesem ersten Treffen eingeladen. Eine Willkommenskultur für Flüchtlinge in Schenefeld zu schaffen: Dieses Bedürfnis hatten viele Schenefelder schon auf dem Bürgerkongress im vergangenen Jahr zum Ausdruck gebracht.

Jetzt geht es los: Und man hat das Gefühl, ganz Schenefeld ist mit im Boot. Die Tafel, Blau-Weiß 96, der Glücksgriff, das Freiwilligen Forum, die Schulen, das Juks, der Bürgerverein, die Kirchen, die Politik, die Rotarier, die Sozialberatung – sie alle haben ihre Vertreter geschickt. „Das ist der Beginn einer großartigen Vernetzung“, betont Schenefelds Sozialamtschef Axel Hedergott. „Wir wollen eine Willkommenskultur in Schenefeld etablieren. Wir wollen die Flüchtlinge in Schenefeld an die Hand nehmen, auf Problemlagen reagieren.“

Hedergott lässt Unterschriftenlisten rumgehen. Die Hilfe soll organisiert und strukturiert werden. Vier Themenbereiche sollen mit Manpower abgedeckt werden. Es soll in Zukunft einen Begleitdienst geben, sei es zum Arzt, zum Einkaufen oder zu Behörden. „Schön wäre auch ein Begrüßungskomitee, das den Menschen ihre Unterkünfte zeigt“, äußert Hedergott einen Wunsch. Ein Gesprächskreis Deutsch ist geplant. Ebenso eine Schularbeitenhilfe für Kinder. Schenefelder mit Sprachkenntnissen sind gefragt, die als Dolmetscher fungieren können.

Die Sprachbarrieren: An diesem Abend wird schnell klar, dass in diesem Punkt der größte Handlungsbedarf besteht, um die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak betreuen zu können. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, betont die Bürgermeisterin. Hedergott kann sich vorstellen, dass die Stadt für Sprachprojekte auch einen finanziellen Zuschuss gewährt.

Lokal Einrichtung machen sich stark

„Glücksgriff“-Chefin Ingrid Pöhland bietet spontan schnelle Hilfe an. „Die Flüchtlinge können sich bei uns einkleiden.“ Waltraud Lüders vom Bürgerverein meldet sich zu Wort. Frank Böhrens von der Spielvereinigung Blau-Weiß 96, Alica Levenhagen vom Juks und Hannelore Buchner-Müller Müller von der Tafel ebenso. Eine Rechtsanwältin bietet Unterstützung an. Schon an diesem Abend prasseln die Hilfsangebote von allen Seiten auf die Stadt ein.

Hedergott und Küchenhof denken darüber nach, einen festen Treffpunkt für Flüchtlinge einzurichten. Nicht im Rathaus, in den Amtsstuben, sondern im Juks.

Eckhard Vogelgesang berichtet von den Problemen des Alltags. „Die gelben Säcke bleiben liegen, weil sie voll sind mit Restmüll.“ Er hat seinen neuen Nachbarn aus Albanien das System der Mülltrennung erklärt. Ganz am Ende des Treffens erhebt sich eine Frau von ihrem Stuhl. „Es darf nicht nur um Hilfsprojekte gehen. Freundschaften sind wichtig. Die Flüchtlinge müssen sich in dieser Stadt als Menschen wahrgenommen fühlen.“ Küchenhof verspricht, dass innerhalb von vier Wochen Treffen in den Arbeitsgruppen erfolgen werden. Durch Schenefeld rollt die Welle der Hilfsbereitschaft.

Ansprechpartner der Stadt: Sozialamtschef Axel Hedergott – Telefon: 040-83037151; Susanne Eggert, Leiterin der Sozialberatung – Telefon: 040-83037373; 65 Flüchtlinge leben zurzeit in Schenefeld. Sie  werden dezentral untergebracht. Sozialamtschef Axel Hedergott geht davon aus, dass  sich die Zahl in diesem Jahr verdoppeln könnte. Die Stadt sucht weiter Wohnungen, die sie anmieten kann. Noch in diesem Jahr wird Schenefeld einen Flüchtlingsbeauftragten einstellen. Die Halbtagsstelle wurde bereits ausgeschrieben. Er soll die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Helfern in Zukunft koordinieren.
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