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Schenefelder Tageblatt

22. Oktober 2017 | 14:38 Uhr

Diese Kirche steht mitten im Dorf

vom

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Schenefeld | Sie wurde am 17. Mai 1953 eingeweiht. Der weiße Kirchenbau war der Mittelpunkt des Schenefelder Dorfes. Das ist er auch heute - 60 Jahre später - noch. "Wir sind sichtbar. Wir sind mitten in der Gesellschaft, mitten im Dorf", sagt Pastor Michael Mattern. Am Sonntag wird Geburtstag gefeiert. Ohne großes Brimborium, ohne großen Empfang. "Bescheiden und konzentriert", sagt Mattern. Propst Thomas Drope wird im Gottesdienst predigen. Er beginnt um 10 Uhr. Im Anschluss gibt es ein Glas Sekt, Butterkuchen, Brezel. 100 Luftballons mit der Aufschrift "Stephanskirche" werden in die Luft steigen.

60 Jahre Stephanskirche: Mattern lenkt die Geschicke in der Gemeinde seit 1990. Er hat den Wandel hautnah miterlebt. Der 61-Jährige weiß, wie es ist, in einer halb leeren Kirche zu predigen. Das macht ihn manchmal traurig. Es spornt ihn aber auch an. "Die Kirche muss ihr Profil schärfen. Sie muss genau gucken, welche Angebote sie heute machen muss, um die Menschen zu erreichen." Für den Pastor steht fest: Die Kirche ist nicht tot. "Aber sie hat wie alle großen Institutionen an Einfluss verloren."

Für Mattern steht die Kirche im 21. Jahrhundert im Spannungsfeld zwischen einer sich verschärfenden Arbeitswelt und einer expandierenden Freizeitgesellschaft. Der Pastor findet kritische Worte für eine Gesellschaft, die immer stärker vom Ich-Gedanken geprägt wird. "Das Leben muss dauern so lange wie möglich, und es muss drin sein so viel wie möglich", beschreibt Mattern den Zustand der Welt, wie er sie immer öfter erlebt - auch in Schenefeld. Die Eventgesellschaft breche sich Bahn. "Gott, den Blick nach oben, haben wir verloren." Der Geistliche will helfen, ihn wiederzufinden. "Die zehn Gebote sind auch heute noch aktuell", sagt er mit Verweis auf die Steueraffäre von Uli Hoeneß, in Bezug auf Ehebruch und Lügen, die in den Medien öffentlich ausgeschlachtet werden.

Matterns Gegenentwurf zur Freizeitgesellschaft, in der die Bürger von einem Event zum nächsten hoppen, ist die Kirche als Raum, in dem niemand etwas leisten muss, ist die Bibel als 3000 Jahre alter Schatz - und der Glaube. "Wir als Kirche sind einladend, offen und für alle sichtbar. Wir geben Orientierung."

2800 Mitglieder hat die Stephanskirche. Was Kirche alles kann, was Kirche alles leistet, spiegelt sich in der Gemeinde wider: Kindergarten, Hort, Diakonie, Seniorenarbeit, Chöre und Orchester, Ausstellungen und Lesungen. "Vielen ist gar nicht bewusst, in wie vielen Bereichen Kirche für Menschen da ist", sagt Mattern.

Er jammert nicht. Sein Blick geht nach vorn. "Wir sind dankbar für 60 Jahre Stephanskirche." Trotz Austrittswelle und Spaßgesellschaft: Mattern spricht noch von der Volkskirche. Er arbeitet dafür, dass sie es noch lange bleibt. Er will die Schenefelder für seine Kirche gewinnen - jeden Tag.

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