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Schenefelder Tageblatt

20. August 2017 | 08:14 Uhr

Schenefeld : Die Stimmung droht zu kippen

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Stadt und Polizei informieren über die aktuelle Flüchtlingssituation / Eindringlicher Appell der Bürgermeisterin

Schenefeld | Schenefeld Ob der Wert des Eigenheims sinke, wenn nebenan Flüchtlinge untergebracht werden? Es gab Fragen, bei denen auch Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof  einen Moment innehalten musste, bevor sie antwortete. Flüchtlinge in Schenefeld: Zur zweiten großen Informationsveranstaltung am Mittwochabend strömten fast 400 Bürger ins Forum. Die Stimmung an diesem Abend war anders als noch im November, als viele Schenefelder ein so deutliches und lautes Willkommenssignal an die Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak gesendet hatten, die in ihrer Stadt ein neues Zuhause gefunden haben. „Den Asylbewerbern wird alles in den Hintern gesteckt. Mich kotzt das alles langsam an“, wetterte eine Frau – und erntete dafür Beifall. Die Neiddebatte schwelte im Hintergrund. Was die Flüchtlinge die  Stadt kosten? Auf was die Schenefelder im Gegenzug vielleicht verzichten müssen – auf die Sanierung von Straßen oder den Kita-Ausbau? 

Das zweite große Thema: Sicherheit. Dem Versuch, den Anstieg von Einbrüchen in der Stadt mit dem Flüchtlingsthema zu verbinden, schob Schenefelds Polizeichef Jan Wittig gleich einen Riegel vor. Da seien organisierte Banden am Werk, die nichts „mit den Menschen zu tun haben, die in Syrien vor dem Krieg fliehen“.

Wittig stellte unmissverständlich klar, dass die Flüchtlinge für die Polizei bisher kein Problem darstellen, auch nicht in der größten Unterkunft, der alten Post, die mit 60 Menschen  belegt ist. „Von mehr als 1000 Sachverhalten, die wir bearbeitet haben, hatten nur 18 etwas mit Flüchtlingen zu tun.“

 Doch im April werden die ersten Flüchtlinge  in die zentrale Unterkunft am Osterbrooksweg ziehen. 264 Männer sollen in dem Containergebäude untergebracht werden. „Große Unterkünfte können  zu mehr Problemen führen, zu Unruhen und Schlägereien. Sind sie auf solche Szenarien vorbereitet?“, wollte Anwohner Klaus Leven wissen. Wittig betonte, dass er nicht mehr Personal bekommen werde. „Wenn etwas passiert, erhalten wir Unterstützung, auch aus Hamburg“, sagte Wittig.

Küchenhof betonte,  dass die Containerunterkunft eingezäunt werde. „Es gibt zudem rund um die Uhr einen Wachdienst und Eingangskontrollen.“ Die Bürgermeisterin erklärte, dass  die Pläne, weitere große Unterkünfte am Hasselbinnen, am Wiesengrund und an der Blankeneser Chaussee zu errichten, im Moment nicht weiter verfolgt werden. Wie viele noch kommen? Es gibt nur Prognosen. Laut  Küchenhof wurden 2015 dem Kreis Pinneberg 3278 Flüchtlinge zugewiesen. 2016 werden es zirka 5000 sein. Nach der Schlüsselverteilung muss Schenefeld damit in diesem Jahr 310 Flüchtlinge neu aufnehmen. 255 sind bisher in städtischen Unterkünften untergebracht worden.

Die Stimmung in der Stadt: Küchenhof lobte das großartige Willkommensnetzwerk,  das in den vergangenen  Monaten  in Schenefeld aufgebaut wurde, die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Und sie richtete einen Appell an all die Schenefelder, die sich sorgen und ängstigen: „Viele von den Flüchtlingen werden bleiben wollen. Geben Sie diesen Menschen eine Chance.“

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erstellt am 25.Feb.2016 | 18:15 Uhr

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