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Schenefelder Tageblatt

16. August 2017 | 21:47 Uhr

Schenefeld : Die Stadt, die sich was leistet

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Dem Defizit zum Trotz: Wer in Schenefeld lebt, genießt Vorteile, die man in anderen Städten und Gemeinden vergeblich sucht.

Schenefeld | Es ist noch gar nicht so lange her, da haben Schenefelds Politiker erbittert um zehn Euro für einen Blumenstrauß gestritten und einem Rathausmitarbeiter die Fortbildung für 100 Euro gestrichen. Auch in diesem Jahr erwartet die Stadt ein Minus im Etat. In der Kasse fehlen zirka 1,7 Millionen Euro. Doch den Spar-Hammer ließen die Politiker in der Tasche. Dem Defizit zum Trotz: Schenefelds Bürger genießen Vorteile, die man in anderen Städten und Gemeinden des Kreises vergeblich sucht. Schenefeld, das ist die Stadt, die sich etwas leistet. Hier gibt die Stadt sein Geld aus – und zwar freiwillig.

> Die Sozialberatung: Im April 2013 hörte die Chefin Ingrid Köhler-Krüger nach 14 Jahren auf. Die Stelle (39 Stunden pro Woche) wurde mit Susanne Eggert (Foto, rechts) voll wieder besetzt. Kosten für die Stadt: zirka 60.000 Euro im Jahr. Das kleine Gebäude am Osterbrooksweg ist Anlaufstelle für Menschen, die Hilfe brauchen – im Beruf, in ihrer Beziehung, in der Pflege. Es ist die Heimat der Selbsthilfegruppen, der Wohnraumberatung und des Freiwilligen Forums.

> Der Schulpsychologe: Dr. Peter Klyne ist Ende Januar nach 35 Jahren in den Ruhestand gegangen. Auch hier wurde nicht gespart. Maja von Lehe (Foto, Mitte) kümmert sich um Schenefelds Schüler, Eltern und Lehrer. Allein die Personalkosten für die Beratungsstelle (inklusive Assistenzkraft) liegen bei etwa 100.000 Euro im Jahr. Wedel und Elmshorn haben die Stelle des Schulpsychologen längst gestrichen. Diese Aufgabe leistet sich im Kreis nur noch Schenefeld. Von Lehe betreut 1700 Schüler, kann sofort eingreifen, wenn es brennt. Zum Vergleich: Die beiden Schulpsychologen des Kreises betreuen 17.000 Schüler. Die Wartezeit beträgt oft mehrere Monate.

> Der Streetworker: Tansel Kilic hatte im November 2012 aus privaten Gründen gekündigt. Die Stelle war ein Jahr lang vakant – aber politisch unumstritten. Seit November 2013 kümmert sich Alica Levenhagen auf den Straßen und Spielplätzen um die Kinder und Jugendlichen. Der Zuschuss der Stadt liegt bei zirka 60.000 Euro im Jahr. Soziale Brennpunkte gibt es in der Stadt nicht. So soll es auch bleiben. Levenhagen arbeitet vor allem präventiv.

> Der Grünschnitt: Die Entsorgung der Grünabfälle ist in vielen Städten und Gemeinden für die Bürger eine teure Angelegenheit – nicht in Schenefeld. An der Annahmestelle am Mühlendamm können Schenefelder ihren Grünschnitt kostenlos entsorgen. Dafür muss die Stadt pro Jahr 75.000 Euro bezahlen.

> Die Stadtbücherei: Sie ist viel zu klein und beengt – und doch ein Kleinod in der Stadt. Die Stadtbücherei am Timmermannsweg bietet 29.000 Medien an – zum Nulltarif für Schenefelds Bürger. Das ist kreisweit einzigartig, wahrscheinlich sogar landesweit. Die Stadt unterstützt die Einrichtung, die mehr als 1400 registrierte Kunden zählt, mit zirka 190.000 Euro pro Jahr.

> Das JUKS: Ja, mit 340.000 Euro Zuschuss im Jahr ist das JUKS die teuerste Einrichtung der Stadt, die freiwillig finanziert wird. Hier wird Kinder- und Jugendarbeit geleistet. Es ist eine Anlaufstelle für Senioren. Es geht um die Integration von ausländischen Mitbürgern. Dafür wurde vor Jahren extra eine halbe Stelle geschaffen. Im JUKS gibt es Kultur vom Feinsten. Konzerte und Kabarett von Profis genauso wie Auftritte von Schülern des Gymnasiums und Chören aus Schenefeld.

> Die Ehrenamtskarte: Wer sich in Schenefeld ehrenamtlich engagiert, kann die Ehrenamtskarte der Stadt bekommen und erhält mit ihr Vergünstigungen bei Schenefelder Firmen, Institutionen und Vereinen. Die Stadt zahlt dafür pro Jahr etwa 4000 Euro.

> Die Nachhilfe: Kostenloser Nachhilfeunterricht für die Schüler der Gemeinschaftsschule: Das Projekt der AG Umfeldverbesserung bezuschusst die Stadt jährlich mit zirka 7000 Euro.

> Beratungsstelle freiwillige Finanzverwaltung: Die Stadt bietet einmal pro Woche eine kostenlose Sprechstunde an. Menschen, die Schwierigkeiten haben, mit ihrem Geld umzugehen oder auszukommen, erhalten Hilfe. Das kostet die Stadt pro Jahr zirka 3000 Euro.

> Der Seniorenkaffee: Einmal im Jahr lädt die Stadt zirka 150 ältere Mitbürger zum großen Seniorenkaffee ins „Stadtzentrum“ ein. Viele Helfer packen mit an – die Stadt zahlt für die Kaffeetafel zirka 9000 Euro.

Ziel verfehlt: Darin waren sich alle Parteien einig. Das Defizit im Etat 2014  fällt mit 1,7 Millionen Euro um 500.000 Euro zu hoch aus. Mit 1,2 Millionen Euro Minus (das entspricht der Höhe der Abschreibungen) hätte die Stadt leben können. Doch mit 5,4 Millionen Euro auf dem Sparbuch ist die Stadt liquide. Aber: Investitionen von gut vier Millionen Euro müssen bezahlt werden. Die Reserve schrumpft bedenklich. Jetzt soll die Verwaltung den Rotstift zücken. Der Rat hat mehrheitlich beschlossen, dass bei Verwaltungs- und Personalkosten im kommenden Jahr drei Prozent eingespart werden sollen. Das entspricht einer Summe von 870.000 Euro.
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erstellt am 07.Feb.2014 | 16:00 Uhr

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