Schenefeld : Die Post wird zur Flüchtlingsunterkunft

Die alte Post am Heisterweg ist seit 2013 im Besitz der Stadt Schenefeld.
Die alte Post am Heisterweg ist seit 2013 im Besitz der Stadt Schenefeld.

Nach Umbau sollen im Obergeschoss bis zu 20 Personen untergebracht werden. Stadt sucht weiter dringend nach Wohnraum.

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20. Mai 2015, 12:15 Uhr

Schenefeld | Das alte Postgebäude im Herzen Schenefelds: Die Stadt hatte die Immobilie am Heisterweg 2013 gekauft – für 750.000 Euro. Das Geschäft macht sich für die Stadt jetzt doppelt bezahlt. Der Verein „Glücksgriff“ hat schon vor Monaten im Erdgeschoss ein Lager und Verkaufsgeschäft eröffnet. Und im ersten Stock, da wo früher die Briefe und Pakte sortiert wurden, sollen schon bald Flüchtlinge untergebracht werden.

Der Plan ist aus der Not erwachsen. „Wir werden noch wesentlich mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen, als bisher gedacht“, sagt Schenefelds Sozialamtschef Axel Hedergott. Die Stadt wolle gewappnet sein und Vorsorge treffen. Bisher haben 90 Flüchtlinge in der Kleinstadt ein neues Zuhause gefunden.

Zwischen 80.000 und 90.000 Euro müsste die Stadt in den Umbau der Räumlichkeiten investieren. Die Sanitäranlagen müssten instand gesetzt beziehungsweise komplett erneuert werden. In den Zimmern könnten zwei bis vier Personen untergebracht werden, insgesamt bis zu 20 Flüchtlinge. Hedergott hält die Investition absolut für vertretbar. Denn die Stadt ist zur Unterbringung der Menschen verpflichtet. Zum Vergleich: In Rellingen werden Container angeschafft. Auf die Gemeinde kommen Kosten in Höhe von mehreren 100.000 Euro zu.

Von Containern als Unterbringungsmöglichkeit hält Hedergott nicht viel. „Es besteht die Gefahr der Ghettoisierung. Wir wollen kein Containerdorf in der Stadt.“ Bisher ist es Schenefeld gelungen, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen, vor allem in Häusern, die sich im Besitz der Stadt befinden. Es wurden aber auch Wohnungen angemietet. Doch Hedergott macht keinen Hehl daraus, dass Schenefeld langsam aber sicher an seine Kapazitätsgrenzen stößt.

Die Stadt ist weiterhin auf der Suche nach Häusern und Wohnungen, die sie zur Unterbringung von Flüchtlingen anmieten kann. Sozialamtschef Axel Hedergott ist unter Telefon 040-83037151 zu erreichen.

Der Vorteil der Post-Lösung: Sie könnte relativ schnell umgesetzt werden. Die Pläne werden jetzt der Politik vorgestellt. Die Nutzung des alten Postgebäudes als Flüchtlingsunterkunft bedarf allerdings einer Genehmigung.

Für die Unterbringung der Menschen erhält die Stadt zurzeit vom Land acht Euro pro Person und Tag. Bei einer Auslastung des Postgebäudes von 80 Prozent ergäbe sich nach zwei Jahren laut Verwaltung ein Gesamtbetrag von zirka 105.000 Euro.

Eines steht fest: Sowohl für den „Glücksgriff“ als auch für die Flüchtlinge kann die Post nur eine Übergangs-Heimat sein. Denn im Zuge der Stadtkern-Planungen kommt dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück eine zentrale Bedeutung zu. Hier könnte ein modernes, städtisches Dienstleistungsgebäude entstehen, in dem das Bürgerbüro, die Stadtbücherei, die Sozialberatung und die Schulpsychologin untergebracht werden sollen. Auch Wohnbebauung ist eine Option.

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