Kommunalwahl 2018 : Die Grünen werden erstmals stärkste Fraktion in Schenefeld

Skeptische Blicke auf den Bildschirm: Tobias Löffler (CDU, von rechts) und Andreas Wilken (OfS) warten auf das Ergebnis.
Skeptische Blicke auf den Bildschirm: Tobias Löffler (CDU, von rechts) und Andreas Wilken (OfS) warten auf das Ergebnis.

Mit 28,3 Prozent siegen die Grünen in Schenefeld. Allerdings muss Fraktions-Chef Schmitz um seinen Posten bangen.

shz.de von
07. Mai 2018, 14:30 Uhr

Schenefeld | Die Gewinner des Abends standen früh fest: Immer höher kletterte der grüne Balken, der per Beamer im Ratssaal an die Wand geworfen wurde. Am Ende wurden die Grünen sogar die stärkste Fraktion in Schenefeld. „Das Ergebnis ist irre. Sensationell“, sagte Fraktionsvorsitzender Mathias Schmitz (Grüne), der sein Glück nicht fassen konnte. 28,3 Prozent der Schenefelder, die an den Urnen abgestimmt hatten, wollten Grün. Dahinter reihen sich SPD (27 Prozent), CDU (26,4 Prozent), OfS (acht Prozent), BfB (5,8 Prozent) und FDP (4,4 Prozent) ein. Alle mussten Stimmen abgeben. 

Über den letzten Sitz entscheidet das Los

Diesen haushohen Sieg überraschte die meisten Besucher und Politiker. Es ging ein Raunen durch die Menge, als das Ergebnis feststand. „Habt Ihr überhaupt so viele Leute?“, ulkte Monika Stehr (SPD) in Richtung Schmitz. Beim Personal könnte sich ohnehin noch so einiges ändern. Denn wenn die Grünen per Losentscheid den letzten Wahlkreis holen, haben sie acht Direktmandate – und Schmitz wäre dann nicht mehr Mitglied in der Ratsversammlung. Die Grünen bräuchten dann einen neuen Fraktionsvorsitzenden. Dennoch will er Michael Schulz (Grüne) die Daumen drücken. Weil Schulz die gleiche Zahl an Stimmen wie Petra Löffler (CDU) auf sich vereinen konnte, entscheidet nun das Los. Neben Schmitz muss auch Kay Plewnia (CDU) um seinen Sitz im Stadtrat zittern. Am Dienstagsabend tagt der Gemeindewahlausschuss um 18 Uhr im Rathaus. Schmitz nahm die Situation mit Humor: „Dann muss ich mir wohl ein neues Hobby suchen.“ Falls er nicht mehr in der Ratsversammlung sitzen sollte, wolle er gemeinsam mit Ingrid Pöhland (SPD), die ihre politische Karriere beendet hat, „Glücksgriff“ und Tafel zu einer GmbH und Co. KG vereinen, scherzte er.

Über das Ergebnis freute Schmitz sich sichtlich, war aber ebenso überrascht. „Ich habe mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass wir stärkste Kraft werden.“ Er sieht den Erfolg vor allem als Ergebnis der erfolgreichen politischen Arbeit. „Wir haben einfach am meisten gemacht. Wir haben zwei Drittel aller Anträge gestellt.“ Dazu komme der positive Landes- und Bundestrend der Grünen. „Es kommt vieles zusammen.“ Außerdem hätten die Grünen stets auf Kooperationen mit den anderen Parteien gesetzt. Das soll auch so weitergehen. „Deswegen steigt uns das auch nicht zu Kopf“, erläuterte er. Sorgen machen sich die Grünen um ihre Zukunft nicht. „Wir haben viele fähige Leute“, sagte Jochen Ziehmann.

Bundestrend spielt gegen SPD

Auch den Fraktionsvorsitzenden Niels Wieruch (SPD) hat der haushohe Sieg der Grünen überrascht. Das schlechtere Abschneiden der SPD spiegele vor allem den landesweiten und bundesweiten Minustrend der Sozialdemokraten wider, so Wieruch.

Für den CDU-Fraktionschef Hans-Jürgen Rüpcke sei das eigene Ergebnis „nicht zufriedenstellend“. „Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

Jörg Evers (OfS) war froh über die geringen Verluste seiner Fraktion. „Wir sind nicht glücklich, aber auch nicht die Hauptverlierer. Schenefeld hat Grün gewählt. Wir werden weiter kämpfen.“

Manfred Pfitzner, BfB-Fraktionsvorsitzender zeigte sich erfreut, dass erneut eine eigene Fraktion gestellt werden kann. Den Grünen gratulierte er. „Die waren ja auch sehr fleißig.“ Den überraschenden Sieg kommentierte er mit: „Ich glaube zwar nicht mehr an den Weihnachtsmann. Aber Wunder gibt es ja immer wieder.“

„Am Erfolg gestorben“

So wie Fraktionschef Schmitz (Grün) trifft es auch andere Grünen-Politiker. Sie büßen durch die vielen Direktmandate, die die Grünen geholt haben, nun ihren Sitz in der Ratsversammlung ein, oder sie müssen um ihn zittern – zum Beispiel Herbert van Gerpen (Grüne). Er ist künftig nicht mehr Teil des städtischen Gremiums. „Am Erfolg gestorben“, lautete sein Kommentar. Zumindest könne er sich nun mehr über seine Gesundheit kümmern, sagte der Politiker.

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