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Schenefelder Tageblatt

19. August 2017 | 15:25 Uhr

Schenefeld : Die „Betreuungs-Bombe“ tickt

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Immer mehr Eltern brennt die Versorgung ihrer Kinder unter den Nägeln. Ganztagsgrundschule könnte die Lösung sein.

Schenefeld | So richtig glücklich war niemand und die Entscheidung fiel am Ende eher nach dem Motto „Augen zu und durch“. An der Gorch-Fock-Schule wird ein weiterer Container für die Betreuung der Kinder nach Unterrichtsschluss aufgestellt. Das hat der Bauausschuss entschieden. Die Erweiterung um 30 Quadratmeter Containerfläche kostet die Stadt 33.000 Euro. Hinzu kommen ein Betriebskostenzuschuss in Höhe von 35.000 Euro und 24.000 Euro für die Einrichtung von Container und eines bisher als Lagerraum genutzten Raumes. Bis zu 20 Kinder zusätzlich werden ab August von der Rasselbande betreut. Damit wäre die Versorgung der Jungen und Mädchen sichergestellt.

Kinder in Containern betreuen: Nicht nur für CDU-Ratsherr Kay Plewnia ist dieser Weg nur eine  Notlösung – für den Übergang. Ziel sei es, an der Grundschule ein Raumkonzept zu entwickeln, damit die Betreuung der bis zu 55 Kinder innerhalb des Gebäudes erfolgen kann. Der Containerweg fällt der Politik aber nicht nur aus pädagogischen Gründen schwer, sondern auch aus finanziellen. „Wir dürfen das Geld nicht zum Fenster raus schmeißen“, mahnte CDU-Fraktionschef Hans-Jürgen Rüpcke. Die Betreuung der Schenefelder Kinder wird für die Stadt richtig teuer – und die Nachfrage steigt. An der Grundschule Altgemeinde könnte der bestehende Hort aufgestockt werden. Kosten: 420.000 Euro. Zudem wird eine weitere Kita benötigt.

Bemühungen seitens der Stadt

Die Stadt strampelt sich ab, plant, baut und investiert viel Geld in die Betreuung der Schenefelder Kinder – auch nach Unterrichtsschluss. So wird der Bedarf auch für das Jahr 2015/2016 für die Grundschüler abgedeckt – durch Übergangslösungen, einen zusätzlichen Container.

Doch wer sich mit Gudrun Limberg, Leiterin der Gorch-Fock-Grundschule in der Siedlung unterhält, der bekommt einen unmittelbaren Eindruck davon, was da in den nächsten Jahren auf die Stadt zukommen könnte. „Beim Informationsabend hatten wir fast 80 Eltern. Bei der Frage nach einem benötigten Betreuungsplatz gingen fast alle Hände in die Höhe.“ Die Diskussion wurde laut und emotional. Die „Betreuungs-Bombe“ tickt.

Limbergs Eindruck: „Die Betreuung wird von den Eltern heutzutage gefordert. Wenn wir keine Plätze haben, gehen die Kinder nach Halstenbek oder die Eltern versuchen, ihre Kinder in Hamburg unterzubringen.“ Erstmals könne Jungen und Mädchen, die in die Grundschule wechseln, kein Hortplatz in einer benachbarten Kita angeboten werden.

Auch in Schenefeld leben immer mehr Familien, in denen beide Elternteile arbeiten wollen – oder müssen. Die Erst- und Zweitklässler haben bis 12 Uhr Unterricht – und dann? In Hamburg gibt es die Ganztagsschule. Diese Diskussion wird jetzt auch in Schenefeld wiederbelebt. „Wir müssen mit der Flickschusterei und dem Aufstellen von Containern aufhören“, mahnt Grünen-Fraktionschef Mathias Schmitz. Doch in der offenen Ganztagsschule sieht CDU-Kollegen Hans-Jürgen Rüpcke keinen Heilsbringer. „Dann zeigt die Feuerwehr den Kindern, wie sie den Schlauch halten sollen. Das kann es doch nicht sein.“ Eine gebundene Ganztagsschule wäre die Alternative. Die ist laut Rüpcke in Schleswig-Holstein nicht einfach durchzusetzen.

Mit diesem Thema wird sich nun die AG Ganztagsschule auseinander setzen. Die aktuellen Zahlen sprechen eine klare Sprache. Die Zahl der Jungen und Mädchen im „Betreuungsalter“ null bis zehn Jahre ist weiter leicht angestiegen – von 1522 im Jahr 2013 auf 1550 im Jahr 2014. Für Grundschüler gab es vergangenes Jahr 227 Plätze – 28 mehr als 2013, aber immer noch zu wenig.

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