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Schenefelder Tageblatt

24. November 2017 | 06:53 Uhr

Grüne : Der Zaun um die Unterkunft soll weg

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Fraktion fordert mehr Vertrauen in die Bewohner. Sozialpädagogen statt Security. Suizidversuche in der Einrichtung.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 16:00 Uhr

Schenefeld | Die Grünen in Schenefeld wollen an der Unterbringung der Flüchtlinge am Osterbrooksweg einiges ändern. Ein Antrag soll im Hauptausschuss eingebracht werden. Nach einem Jahr Betrieb sei besser erkennbar, was geht und was eher die Integration behindernd ist, schreibt Fraktionsvorsitzender Mathias Schmitz. „Die Einrichtung wurde mit strikter Einlasskontrolle und Überwachung durch einen Sicherheitsdienst betrieben und die Reinigung obliegt überwiegend einem Reinigungsunternehmen. Beides wollen wir ändern“, führt er aus. „Der Zugang zur Anlage sollte geöffnet werden und es sollte in der Entscheidung der Bewohner liegen, wen sie empfangen und wen nicht. Das ist in jeder Wohnung nicht anders.“

Auch sollen die Bewohner lernen, den „eigenen Dreck wegzumachen“. Wenn die Bewohner in Wohnungen umziehen, folge ihnen kein Reinigungsdienst. „Küche und Klo putzen sind Zivilisationstechniken, die sich vor allem auch Männer aneignen sollten. Egal, wo sie herkommen“, so Schmitz. Die Grünen wollen ein Team von Sozialarbeitern einstellen, welche die Betreuung nach einem Herbergsvatermodell übernehmen sollen.

In dem Containerbau leben ausschließlich alleinstehende Männer. Familien und Frauen werden in anderen Wohnungen untergebracht. Der Bau besteht aus dreifach gestapelten Containern mit etwa 200 Räumen, zusätzlich je Etage zur gemeinschaftlichen Nutzung der Küchen und Sanitärräume sowie Gemeinschaftsräume. Für Treffen steht ein Ehrenamts-Container zur Verfügung. Die Anlage ist von einem Zaun umgeben. „Die Bewohner dürfen keine Besucher in ihren Räumen empfangen, weder Ehrenamtliche noch Freunde oder dort nicht wohnende Verwandte“, erläutern die Grünen. „Es ist zu beobachten, dass besonders diese Situation viele Bewohner belastet. Sie schämen sich, dass sie das ihnen wichtige Bedürfnis nach Gastfreundschaft nicht wahrnehmen können.“

Die Ehrenamtlichen empfänden diese Situation ebenfalls als bedrückend, wenn sie die Security schicken müssen, um einen bestimmten Bewohner herauszubitten für eine Terminabstimmung. „Die Asylbewerber, die Vertrauen zu einzelnen Ehrenamtlichen gefunden haben, erfahren hier, dass diese Vertrauenspersonen kein Vertrauen von Seiten der Stadtverwaltung erfahren.“ Besonders suizidgefährdeten Bewohner – es habe bereits Suizidversuche gegeben – würden erneut Vertrauen verlieren und sich zurückziehen. In den Hamburger und Halstenbeker Wohnanlagen gebe es weder Zäune noch Sicherheitsdienst. Dafür seien täglich mehrere Sozialarbeiter und Hausmeister vor Ort. Auch in Elmshorn ist nur nachts Security vor Ort.

Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass Security und Zaun auch zum Schutz der Bewohner dienten. Indem nicht jeder auf das Gelände gelange, sei auch ein Maß an Privatsphäre gegeben. Der Security sei es zu verdanken, dass es zu keinen besonderen Vorkommnissen wie Drogenmissbrauch und Gewalt gekommen sei. Die Verwaltung habe erst kürzlich gemeinsam mit Polizei und Feuerwehr überlegt, ob man die Überwachung zurückschrauben könne. Jedoch sei man gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass alles so bleiben soll, wie es ist In der Vergangenheit sei bewusst Feueralarm ausgelöst worden. Brenzliche Fälle seien durch die Security früh entdeckt worden. Die Regelung biete „ein hohes Maß an Sicherheit für alle Beteiligten“. Der Vergleich mit Hamburg hinke, so Küchenhof, da in der Hansestadt nach Ethnien und Religion sortiert werden könne, um Konflikte zu vermeiden. „Diese Möglichkeit haben wir nicht. Dazu sind wir zu klein.“ Da nur noch wenige alleinstehende Flüchtlinge kommen, sei angedacht, perspektivisch Familien am Osterbrooksweg und die Männer in Wohnungen unterzubringen. Dem Vorschlag der Grünen, dass die Bewohner selbst reinigen, erteilt sie eine Absage. Die externe Reinigung sei Auflage des Kreises Pinneberg.

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