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Nur noch 25 aktive Sänger : Der tapfere Kampf der Liedertafel in Schenefeld

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Sollen Frauen als Retterinnen aufgenommen werden? „Abend des offenen Gesangs“ am 30. September.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2015 | 12:30 Uhr

Schenefeld | Die Liedertafel Frohsinn von 1877: Schenefelds ältester Gesangsverein ist ein reiner Männergesangverein – und da das Geschlecht Programm ist, durften Frauen in der Liedertafel bisher nicht mitsingen. Ein erster, zaghafter Vorstoß, auch Frauen aufzunehmen, um dem Mitgliederschwund zu begegnen, scheiterte im vergangenen Jahr.

Jetzt folgt der zweite Versuch: Am Mittwoch, 30. September, veranstaltet die Liedertafel einen Abend des offenen Gesangs. „Nach fast 138 Jahren trauen wir uns, die Türen zu unserem Übungsraum für alle zu öffnen. Wir sind uns einig, dass jeder interessierte Bürger die Möglichkeit bekommen sollte, uns an so einem Übungsabend zu erleben“, sagt der Vereinschef Karl Michael Bichowski. Es ist kein Geheimnis, dass der Vorsitzende den Männern auch Frauen an die Seite stellen würde.

Denn am Ende geht es für die Schenefelder schlicht und ergreifend ums nackte Überleben. Der Nachwuchs fehlt. Männergesangvereine sterben aus. Im Kreis Pinneberg gingen zuletzt bei der Uetersener Liedertafel die Lichter aus – nach 175 Jahren.

Seit nunmehr 138 Jahren gibt es die Liedertafel Frohsinn. Sie ist in der Stadt fest verankert, sorgt bei Veranstaltungen für den musikalischen Rahmen. Doch von der Tradition, den guten, alten Zeiten, kann der Verein heute nicht mehr zehren. In Schenefeld gibt es noch 25 aktive Sänger. „In unseren Glanzzeiten zählten wir 70 Mann“, sagt Bichowski. Die Jugend bleibt dem Männergesangverein fern, die Alten sterben oder können aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so, wie sie wollen. Der Altersdurchschnitt liegt jenseits der 70.

Das Ruder herumreißen

Bichowski und seine Mannen versuchen das Steuer mit Macht herumzureißen. Die Truppe geht mit der Zeit, hat inzwischen einen eigenen Facebook-Auftritt, der 13 Personen gefällt. Mit einem Flashmob-Auftritt im Schenefelder „Stadtzentrum“ hat der Chor in diesem Jahr für Aufsehen gesorgt. „Drei neue Mitglieder haben wir dadurch gewonnen“, sagt Bichowski. Der Chor kämpft, mit allem was er hat. Öffentlichkeitsarbeit ist ein Muss.

Dazu gehört eben auch der „Abend des offenen Gesangs“ am 30. September. Los geht es um 19 Uhr im Gemeindesaal der Paulskirchengemeinde, Gorch-Fock-Straße 90. Die Besucher können vom „Einsingen“ und Einüben der einzelnen Stimmlagen bis zum Singen der Lieder dabei sein. Das Repertoire reicht vom Volkslied über Seemannslieder bis zum Schlager aus den goldenen 1920er Jahren. Mitsingen ist erwünscht.

Wer die Liedertafel Frohsinn live erleben möchte, hat dazu am Sonnabend, 26. September in Rellingen Gelegenheit. Der Schenefelder Männergesangverein tritt ab 17 Uhr gemeinsam mit dem gemischten Chor Rellingen/Halstenbek in der Rellinger Kirche an der Hauptstraße auf. Karten kosten zehn Euro. Es gibt sie beim Bücherwurm in Pinneberg, bei Foto Gaedigk in Rellingen und der Buchhandlung Cremer in Halstenbek.
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