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Naturschutz in Schenefeld : Der Specht verliert sein Zuhause

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Die Grünen in Schenefeld üben Kritik an den Baumfällungen der Stadt. Dabei seien auch wertvolle Lebensräume zerstört worden. Ein Specht hat seinen Baum verloren.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2017 | 12:30 Uhr

Schenefeld | Die Schenefelder Grünen kritisieren die aktuellen Baumfällungen der Stadt. Indem kranke Bäume abgeholzt werden, verschwindet auch der wertvolle Lebensraum von Spechten und anderen Vögeln, so Fraktionsvorsitzender Mathias Schmitz.

„Vögel stehen in Deutschland mächtig unter Druck“, erläutert er.  Die Bestände gingen  von Zählung zu Zählung zurück. Das betreffe nicht nur spezialisierte Arten, sondern auch Haussperlinge, Amseln, Grünfinken und  Stare. „In Schenefeld können wir uns glücklich schätzen, dass noch einige der selteneren Vögel heimisch sind: zum Beispiel Buntspecht, Kleiber, Stare sowie der Eisvogel. In den Gehölzen entlang der Düpenau und rund um Friedrichshulde höre und sehe ich die Spechte jetzt im Winter fast täglich“, führt der Fraktionsvorsitzende aus.

Bäume, „die irgendwie krank erscheinen“, würden entfernt

Es bestehe seit Jahren ein Trend, Bäume, „die irgendwie krank erscheinen“, zu entfernen. „Da wird dann auch keine Rücksicht auf Spechtbäume genommen“, bemängelt Schmitz. „Es nutzt auch nichts, wenn man anzeigt, bestimmte Bäume bitte stehen zu lassen. Auch diese fallen und damit auch die Möglichkeiten für Spechte und Kleiber ihre Brut in Schenefeld aufzuziehen.“

Ein Beispiel sei ein Spechtbaum, der im Wäldchen zwischen Industriestraße und der Düpenau stand. „Noch im Sommer 2016 konnte ich dort einen Buntspecht bei der Fütterung seiner Brut fotografieren. Nun ist der Baum weg.  Er hätte ja auf eine der Lagerhallen fallen können. Bis es aber so weit gewesen wäre, wäre Schenefeld um ein paar Spechte reicher geworden“, schildert Schmitz.  Zudem hätte der Baum aus seiner Sicht kaum Schaden  anrichten können. Dafür sei dieser nicht kräftig genug gewesen.

Grüne schlagen Entkronung der Bäume

Anstatt morsche Bäume zu fällen, schlagen die Grünen einen anderen Weg vor: die Entkronung der Bäume. „Das vermindert die Kraft des Windes. Die Verkehrssicherungspflicht wäre gewährleistet und die Spechte hätten ideale Bedingungen für den Höhlenbau“, argumentiert Schmitz.

Helge Feber vom zuständigen Bauamt der Stadt erklärte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Verwaltung  nicht immer gleich zur Axt greift. Es sei bereits durchaus üblich, Bäume zu entkronen. „Wenn die Bäume keine Gefährdung darstellen, werden sie nur so weit gekürzt wie notwendig.“ Die Schadstelle am Baum entscheide darüber, ob der Baum ganz fallen muss oder beschnitten werden kann.

Küchenhof verteidigt Vorgehen der Stadt

In den Brutzeiten werde darauf geachtet, die Vögel nicht zu stören, so Feber. Dann werde beispielsweise erst dann beschnitten, wenn die Vögel flügge geworden sind.  Deshalb würden generell nur außerhalb dieser Zeiten Maßnahmen durchgeführt – außer, es droht Gefahr.

Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) verteidigt das Vorgehen der Stadt. „Wir haben vorab alle Fraktionsvorsitzenden und den Nabu informiert. Das hatte ich vorher versprochen und so gehen wir seit Längerem vor.“ Niemand habe in diesem Fall Einspruch erhoben gegen die betreffende Maßnahme. Dementsprechend sieht sie kein Fehlverhalten seitens der Stadt. 

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