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Schenefelder Tageblatt

23. November 2017 | 12:29 Uhr

Mietstreit : Der Schimmel als Untermieter

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Schenefelder Schlagzeugbauer sorgt sich um Wohl seiner Familie. Mietkürzung landete vor Gericht.

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2017 | 14:56 Uhr

Schenefeld | Schenefeld Egal ob im Foyer des Mieteigentums, im Keller oder im Wohnzimmer. Schimmel – zum Teil schon so intensiv, dass sich deutliche schwarze Sporen an der Tapete abzeichnen. „Da gehe ich beinahe jede Woche mit Chemikalien gegen vor“, sagt Stefan Korth, Mieter des Hauses hinter der Wehle-Apotheke seit Sommer 2014. Die Stimme des fünffachen Familienvaters klingt resigniert. Mittlerweile hätten nicht nur seine Frau und er Beschwerden beim Atmen. Auch die Kinder müssen bereits mit Inhalationsgeräten Lungenprobleme kurieren. „Unser Arzt gibt uns nur einen Tipp: ausziehen“, berichtet der Schlagzeugbauer aus Schenefeld. Wenn das so einfach wäre. „Wir haben keine Chance, eine neue Wohnung zu finden.“

Die Schimmelbelastung sei so hoch, dass die Kinder schon Fehlzeiten in der Schule angehäuft hätten, die deutlich höher ausfielen, berichtet der Mieter. Auch ein Attest, das unserer Redaktion vorliegt, bescheinigt dem jüngsten Familienmitglied die Belastung durch die Sporen. Dort heißt es: „Eine häusliche Sanierung ist dringend empfohlen, um eine Chronifizierung seiner Atemwegserkrankungen zu vermeiden.“

Aufgrund der gesundheitlichen Belastungen und des Zustandes des Hauses hatte Korth Miete einbehalten – der Fall landete vor Gericht. „Wir haben einen Vergleich angenommen“, sagt Korth. Mit diesem Vergleich, den der Mieter unserer Redaktion zur Einsicht zur Verfügung stellte,  sei eine Mietminderung auf 500 Euro zuzüglich Nebenkosten vereinbart worden. Im Gegenzug habe man sich auf einen Auszug verständigt, sagt er. „Wir wollen ja auch raus – das wurde aber nicht mehr im Vergleich erwähnt“, sagt er.

Die Schuld sehe Korth eindeutig beim Verwalter der Immobilie. „Wir haben vorher in Nienstedten gewohnt. Dort mussten wir aus unserer Wohnung ausziehen, weil neu gebaut werden sollte“, berichtet er über die Vergangenheit.

Unklarheiten im Mietvertrag

Derselbe Verwalter habe ihm dann die Immobilie in Schenefeld vorgeschlagen. „Als wir dort waren, haben wir uns die frisch renovierte Wohnung angeschaut und konnten natürlich keinen Schimmel sehen. Das war vier Wochen vor dem Einzug“, erinnert er sich im Gespräch mit unserer Zeitung.

Laut seinen Angaben habe es eine mündliche Absprache gegeben, dass die Isolierung des alten Hauses erneuert wurde und auch der Keller trocken sei. „Als aber meine Frau unterschrieb, bekamen wir den Vertrag nicht gleich mit. Es hieß, der Vermieter müsse noch unterschreiben“, sagt er. Als der Vertrag dann unterschrieben  zurückkam, sei laut Angaben von Korth eine Seite hinzugefügt worden. „Leider konnte meine Frau, die zum Zeitpunkt des Unterzeichnens hochschwanger war und dringend eine Unterkunft für die Kinder haben wollte, nicht ganz ausschließen, dass die Seite nicht beilag“, gesteht er. Nichtsdestoweniger sei es für ihn eine Abzocke.

In dem Auszug aus dem Vertrag, der der Redaktion ebenfalls vorliegt, steht drin, dass die Immobilie wie gesehen vermietet wird. Der Mieter wisse laut Vertrag, dass das Gebäude nicht den heutigen Standards entspreche, Ansprüche auf Mietminderungen seien nicht möglich – ebenso wenig Ansprüche gegen den Vermieter auf Modernisierung. Auf Anfrage unserer Zeitung will die Verwaltung der Immobilie keinen Kommentar  abgeben. Mittlerweile sitze die Familie auf heißen Kohlen. Laut Mieter gebe es eine Räumungsklage gegen die Familie. „Wir warten jeden Tag drauf, dass die Frist beginnt – aber wir wissen nicht wohin“, sagt er.

Allerdings steht die Familie Korth nicht allein da mit diesem Vorfall: Nach seiner Aussage habe er sich auch mit den Vormietern in Verbindung gesetzt. „Auch sie hatten mit dem Schimmel zu kämpfen“, berichtet Korth. In einem Brief des Steuerberaters des Eigentümers der Immobilie sei von Modernisierungsmaßnahmen die Rede. Zur Planung dieser Arbeiten wollte man damals wissen, wann die Vormieter ausziehen würden. „Diese Arbeiten haben aber nie stattgefunden“, so Korth.

Bei Zwangsräumung hilft die Verwaltung

Seitens der Verwaltung  wird die Familie im Falle einer Zwangsräumung Hilfe erhalten. „Wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, Obdachlosigkeit zu vermeiden“, sagte Kathrin Steinbügl, Fachbereichsleiterin für Soziales. Wenn sich die Mieter nicht selbst durch ein angemessenes Einkommen – je nach Einzelfall –  oder durch eine alternative Bleibe helfen könne, ist die Stadt in der Pflicht, eine Notunterkunft zu stellen, ergänzte sie.

„Wenn jemand arbeitslos ist und Unterstützung beim  Jobcenter anfordert, dann entfallen die  1070 Euro Monatsmiete auf den Staat – sonst müssen die Kosten selbst getragen werden“, so Steinbügl allgemein zur Notunterkunft. „Wir stehen Gewehr bei Fuß und warten auf den Räumungsbescheid, um zu helfen“, versicherte sie. Auch Schenefelds Bürgermeisterin     Christiane Küchenhof (SPD) weiß um das Schicksal der Familie  Bescheid. Natürlich müsse sich die Stadt darum sorgen, sagte sie. „Gerade für die Kinder tut es mir im Herzen weh.“

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