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Schenefelder Tageblatt

23. August 2017 | 21:53 Uhr

Schenefeld : Der Psycho-Doc geht von Bord

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

"Würde es sofort wieder machen": Peter Klyne war 35 Jahre lang als Schulpsychologe tätig - nun geht er in den Ruhestand.

Bürgermeister sind gekommen und gegangen. Schulleiter sind gekommen und gegangen: Dr. Peter Klyne ist geblieben. 35 Jahre lang. Ein ganzes Berufsleben lang. Am 31. Januar ist Schluss. Dann geht Schenefelds Schulpsychologe der ersten Stunde in Rente. Den Tag der Abschiedsreden fürchtet er ein bisschen. „Da ist viel Wehmut im Spiel“, sagt der 65-Jährige.

Klyne hat Generationen von Schülern begleitet. Solche, die Schwierigkeiten in der Schule haben und solche, die Schwierigkeiten in der Schule machen. Er hat Eltern und Lehrer beraten und betreut. Er hat mit ganzen Klassen gearbeitet. Er hat sich an einigen Schülern die Zähne ausgebissen. Andere auf einen guten Weg geführt.

„Menschen, Beziehungen sind mir wichtig“, sagt Klyne, der schon die Bilder in seinem Büro abgehängt hat, seine Nachfolgerin einarbeitet.

Letzte Stadt im Kreis mit eigenem Schulpsychologen

Kleinstadt Schenefeld: Klyne schwärmt von den Bedingungen. „Es war immer ein Privileg, Zeit zu haben. Ich musste keinen durchschleusenden Reparaturbetrieb aufrechterhalten.“ Schenefeld ist die letzte Stadt im Kreis Pinneberg, die sich einen eigenen Schulpsychologen leistet. 1770 Schüler: Klyne konnte im Notfall schnell intervenieren. In Schenefelds Schullandschaft war Klyne der „Psycho-Doc“. „Manchmal auch der Feuerwehrmann“, sagt er.

Konflikte: Wenn es brennt, greift Klyne ein. In der ersten Klasse an der Grundschule. In der 13. Klasse am Gymnasium. Ärger ist sein Geschäft. „Kinder sind heute nicht schrecklicher.“ Von der früher-war-alles-besser-Theorie hält der Psychologe nichts. Auch die Zahl der Kinder und Eltern, die er betreut hat, ist in den vergangenen Jahren nicht explodiert.

„Mit einer sich wandelnden Gesellschaft haben sich auch die Konflikte geändert“, sagt der Psychologe. Cyber-Mobbing habe es früher nicht gegeben. Handy-Abzocke auch nicht. Der Druck in der Schule auf die Kinder ist nach Klynes Beobachtungen aber größer geworden. Die Amokläufe an Schulen in Erfurt 2002 und in Winnenden 2009 haben auch Klyne schockiert. Einfluss auf seine Arbeit hatten sie nicht. „Wenn jemand so etwas tun will, wird ihn auch kein Schulpsychologe davon abhalten können“, sagt der 65-Jährige.

Welche Eigenschaften ein Schulpsychologe mitbringen muss? Da muss Klyne nicht lange überlegen. „Er muss kein gewiefter Therapeut sein. Aber er muss über eine gewisse Standfestigkeit in Konfliktsituationen gepaart mit diplomatischem Geschick verfügen. Und er muss bereit sein, echte Zuwendung zu geben.“

Eine Couch sucht man in seinem Büro vergeblich. „Nein, hier muss sich niemand hinlegen.“ Er lacht. Im Gruppenraum stapeln sich die Gesellschaftsspiele. Die setzt er gezielt ein. Um ins Gespräch zu kommen. Zur Belohnung. In Tipp-Kick ist Klyne ein As. Dabei schlägt sein Herz doch für den Blues. Die Leidenschaft hat ihn schon 1964 gepackt. Er ist ein Sammler. Über die Zahl seiner Platten schweigt er. Nur so viel: „Der NDR wäre neidisch.“ Er spielt wie sein Vater Mundharmonika, ist seit 25 Jahren Mitglied der „Teachers Blues Band“ am Schulzentrum.

Jetzt also Rentner: Große Pläne hat Klyne noch nicht. Er liest gern. All die Platten müssen digitalisiert werden. Sein Entspannungs-Hobby – das Bemalen von winzigen Zinnsoldaten – ist in letzter Zeit zu kurz gekommen. Er hofft, dass er den Ruhestand noch lange genießen kann.

35 Jahre Schulpsycholge in Schenefeld: „Ich würde es sofort wieder machen.“ Keine Frage – dieser Psychologe ist mit sich im Reinen.

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erstellt am 14.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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